Essen & Trinken

Luci van Org in der Zoulou Bar

LuciVanIch bin gebürtige Schönebergerin und kenne die Zoulou Bar schon seit meiner Jugend, als ich achtzehn, neunzehn Jahre alt war. Damals habe ich hier viele furchtbare, grausame und herrliche Nächte verbracht. Das waren sehr rauschhafte Zeiten, in denen man am Ende des Abends mit irgendjemand knutschend in der Ecke saß, den man überhaupt nicht kannte. Das ist heute anders, die Nächte sind gepflegter, das Publikum ist zurückhaltender als früher. An der Einrichtung hat sich allerdings in den letzten 20 Jahren nicht viel verändert. Der Tresen ist heute etwas kürzer. An den Wänden hängen noch immer dieselben Fotografien und die alten Leuchten, die sie anstrahlen.

Berlin verändert sich rasant, was ich sehr schön finde. Aber viele Leute wohnen hier nicht länger als fünf Jahre, die Stadt ist im ständigen Fluss. Für mich als Eingeborene ist es darum umso wertvoller, wenn es noch Dinge gibt, die bleiben und an die man sich erinnern kann. Orte in denen Erlebnisse und Eindrücke stecken und die man mit Menschen, die man mag, teilen kann. Gerade deshalb sind solche Orte wie die Zoulou Bar so kostbar. Mit dem Trinken verhält es sich heute bei mir etwas anders. Die Atmosphäre ist wichtig. Ich muss mich zurück-ziehen können und die Barkeeper müssen wissen, was sie tun. Dieses rauschhafte Trinken, wie man es als Jugendlicher getan hat, das will ich im Alltag auch gar nicht mehr. So einen Abend spürt man den ganzen Rest der Woche. Ich mag wodkalastige Drinks, so wie den White Russian, den ich schon getrunken habe, bevor es den Film „The Big Lebowski“ überhaupt gab.

Der White Russian ist ein sehr lustiger Cocktail: Lustig, denn er macht nicht müde, wenn man ihn mit Bedacht und mit Milch trinkt. Nur mit Milch! Wird er mit Sahne zubereitet, entfaltet sich seine Wirkung langsamer. Trinkt man ihn dagegen mit Milch, muss man ihn langsam genießen, sonst haut er einem ziemlich schnell die Beine weg. Das merkt man meist erst beim Aufstehen. Außerdem hat man am nächsten Morgen keinen Kater. Außer vielleicht vom Rauchen. Eigentlich rauche ich im Alltag nicht, aber zu einer Bar, guten Drinks, schumm­rigem Licht und angenehmen Menschen gehören Zigaretten dazu. Da bin ich dann gern auch mal exzessiv.

Aufgezeichnet von Martin Daßinnies

Luci van Org hat vor Kurzem in Zusammenarbeit mit dem Autor Michael Kernbach das „Notbuch“ veröffentlicht. Ein bissig-satirischer Ratgeber für die Zeit nach der Wirtschaftskrise.

Zoulou Bar Hauptstraße 4, Schöneberg, Tel. 70 09 47 37, www.zouloubar.de; tgl. 20 bis 6 Uhr; Rauchen erlaubt

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