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Lutz Penndorf mit einem Diller im Diller

Diller_JensBerger So was konnte meiner Meinung nach nur in Prenzlauer Berg entstehen: diese Expressivität, dieser Wille zum freien Gestalten. Im Katalog ist die Grafik als „ohne Titel, 38 x 50,5 cm“ vermerkt. Für mich stellt sie einen Spaziergang alter Männer dar. Sie ist von Michael Diller. Die meisten Gäste glauben, dass ich Diller heiße. Nur die wenigsten kennen den Künstler. Bei der befreundeten Bildhauerin Susanne Rast habe ich die Originalgrafik gefunden. Diller selbst hat sie ihr geschenkt. Die habe ich dann auf eine 90 x 120 Zentimeter große Leinwand gezogen. Das Bild hängt aufgrund der aktuellen Gesetzeslage im neu eingerichteten Raucherraum. Das hat aber nur den Grund, dass sich dort die einzige unverbaute Wand im Laden befindet.

Diller war Grafiker und Maler in Prenzlauer Berg. Ein Freund aus den Achtzigern. Er wohnte Pappelallee und ich damals Knaack­straße. Es war keine erotische Män­nerfreundschaft, wie jetzt vielleicht einige denken. Diller war viel älter als ich. Der würde jetzt 60 werden. Er ist leider viel zu früh gestorben und viel zu schnell in Vergessenheit geraten. Das finde ich sehr schade, denn Diller gehört meiner Meinung nach in die Berlinische Galerie. Leider ist von den meisten Ostkünstlern nicht mehr viel im Bewusstsein. Das wollte ich ändern und einen schönen Platz nach ihm benennen.

In den 80er Jahren hat dieser Mann die berühmt-berüchtigten Diller-Partys in Prenzl’berg veranstaltet. Diese Partys waren legendär. Jeder wollte da hin. Dreimal im Jahr trafen sich Künstler, Models und Musiker in seinem Atelier. Der Termin sprach sich so weit rum, dass viele Anwesende Diller gar nicht kannten und er sie auch nicht. Aber das machte nichts. Eine Diller-Party endete immer damit, dass so gegen vier Uhr die Bullen kamen und man selbst über die Treppe im Seitenflügel die Flucht ergriff. Diller musste dann immer mit auf die große Wache in der Keibelstraße.

Sein Њuvre ist heute praktisch verschollen. Ich habe gehört, dass eine Frau nach Dillers Tod fast alle Werke an sich genommen hat. Seitdem sind sie nicht wieder aufgetaucht. Ich schaue ab und zu bei eBay und Google, aber nichts zu machen. Viele Werke sind nur noch in Katalogen anzuschauen. Ich habe inzwischen drei davon. Einen habe ich schon ewig. Die anderen beiden hat mir ein Gast verkauft. Der hat mich gezielt angesprochen und brauchte wohl Geld. Oder er wollte mir was Gutes tun.

Text: Susan Schiedlofsky

Diller
Metzer Straße 9, Straßburger Straße 22, Prenzlauer Berg, Tel. 44318453, tgl. ab 20 Uhr

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