Essen & Trinken

Madame Claude

1 Picon
Der aus Frankreich stammende Orangenlikör wurde von Gaйtan Picon im Jahre 1837 erfunden. Er wird im Elsass als Aperitif getrunken, meist in Kombination mit einer frischen Brezel. Heute gilt Picon in vielen Großstädten Frankreichs als Szenegetränk der jungen Bourgeoisie – vergleichbar mit dem Imagewechsel der Marke Jägermeister hierzulande. Oft wird der bittere Likör in Verbindung mit Bier getrunken. Zubereitung: einfach 3 cl Picon in 0,3 l Bier geben.

2 Bücherregal
Wie eigentlich fast alles im Ma­dame Claude stammt auch das Bücherregal aus einem der vielen Secondhandläden in Fried­richs­hain und Kreuzberg. Die darin enthaltenen Bücher ergatterte Jean-Christophe allerdings nur durch Zufall. Ein mittelloser Punk brauchte Geld, löste deshalb seine Wohnung auf und verkaufte ihm seine gesamte Bibliothek politischer Werke direkt auf der Straße. „So ist Berlin“, dachte sich der überglückliche Käufer.

3 Foto
Eigentlich besteht die Clique um Jean-Christophe, Sйbastien und Julien aus fünf Freunden. Das Bild zeigt Stйphane Chanial in einem Mexikaner-Kostüm, das er seit fast 15 Jahren zum jährlichen Karneval in seiner Heimatstadt trägt. Dass er Teil der hiesigen Bar-Inszenierung ist, weiß der Arme noch nicht – er besucht Madame Claude vo­r­aus­sichtlich erst in zwei Monaten.

4 Gezinkte Karten

Nur wer einen Blick unter den Stuhl links vom Tisch wirft, sieht, dass auf dem Tisch mit falschen Karten gespielt wird. Der Ausdruck „Gezinkte Karten“ wurde früher von Landstreichern und fahrenden Handwerkern benutzt, die durch bestimmte Zeichen (Zinken) Häuser markierten, um den Nachfolgern Informationen über deren Bewohner zu geben.

5 Reise ans Ende der Nacht

Das Buch machte den französischen Arzt und Schriftsteller Louis-Ferdinand Cйline 1932 über Nacht bekannt, vor allem, weil er mit sei­nem schonungslosen und vulgären Sprachgebrauch polarisierte. Heute gilt es mit seiner realis­tischen Darstellung des Ersten Weltkriegs als Klassiker moderner Literatur.

6 Aspirin

Für viele das Zaubermittel gegen Kopfschmerzen nach einer durchzechten Nacht. Ob die lindernde Wirkung in diesem besonderen Fall schon in der Antike bekannt war, ist nicht geklärt. Man weiß aber, dass der enthaltene Wirkstoff Acetylsalicylsäure, kurz ASS, schon seit Hippokrates, also 460 v. Chr. bekannt ist und aus Weidengewächsen gewonnen wurde. Im Jahr 1828 gelang es dem deutschen Pharmakologen Johann Andreas Buchner erstmals, das Salicin, den Vorläufer von ASS, zu isolieren. 1897 wurde die Acetylsalicylsäure erstmals in reiner Form hergestellt. Das Medikament Aspirin selbst wurde 1899 zum Patent angemeldet und ist nach dem „Echten Mädesüß“ (lat. ver­al­tet Spiraea ulmaria L.), einem krau­tigen Rosengewächs, benannt. Entwickelt von der Firma Bayer, ist das sogenannte Bayer-Aspirin heute das weltweit meistverkaufte ASS-Präparat.

Recherche und Text: Martin Daßinnies

Madame Claude
Lübbener Straße 19, Kreuzberg,
U-Bhf. Schlesisches Tor,
Tel. 84 11 08 59, tgl. ab 19 Uhr

Mehr über Cookies erfahren