Essen & Trinken

Marion Hughes über eine neue Unsitte

 Marion Hughes

Eine neue Unsitte greift um sich in der Stadt. Man könnte sie als Etappen-Küche bezeichnen, als Phasen- oder Zeitfenster-Essen. Tatsächlich ist es nichts anderes als ein perfektes, auf den Umsatz fokussiertes Abfüttern der Gäste, das mit Gastfreundschaft, wie ich sie verstehe, nichts gemeinsam hat. Worum es geht: Kürzlich erzählte mir eine Bekannte, wie schön ihre Geburtstagsfeier in einem netten Restaurant in der Torstraße gewesen sei. Das Essen erfüllte die Erwartungen, die Weine waren ordentlich und die Gespräche kurz vor 21 Uhr noch so angeregt, dass die Gesellschaft den Abend gerne etwas verlängert hätte. Doch da hatten sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. „Rien ne va plus“, heißt es gegen neun Uhr in vielen Lokalen rund um die Torstraße, nichts geht mehr! Um 21 Uhr nämlich ist hier Schichtwechsel. Doch nicht etwa das Personal verabschiedet sich in den wohlverdienten Feierabend, nein, die Gäste, die vor 21 Uhr im Restaurant Platz genommen haben, werden nun genötigt, das Feld zu räumen. Im Falle der Geburtstagsrunde bedeutete dies: Nicht einmal ein Espresso wurde ihnen noch serviert, Rechnung bezahlen und adieu. Nun kann man einem Gastwirt ja keinen Vorwurf machen, wenn das Ziel seiner täglichen Bemühungen eine gut gefüllte Börse am Ende des Tages ist. Wenn die Gastfreundschaft dabei aber auf der Strecke bleiben, dann frage ich mich: Was verstehen solche Gastronomen eigentlich unter einem Gastgeber? Ein Relikt aus alter Zeit? Na dann, guten Appetit …

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