Essen & Trinken

Marion Kracht über ihre Convenience-Reihe „vevenga“

marin_krachtFrau Kracht, wie kommt man als Schauspielerin dazu, eine eigene vegane Produktlinie zu entwickeln? Wie kamen Sie auf diese Idee?
Ich bin seit 1989 Vegetarierin, und inzwischen fast vegan, bis auf ab und zu Ziegen- und Schafskäse. Wenn man in Berlin essen geht, dann hat man eine Chance als Vegetarier oder Veganer. Aber außerhalb Berlins wird das schon schwierig. Und wenn man zu Hause nach der Arbeit schnell etwas auf dem Tisch haben will, dann muss man kochen können und vor allen Dingen die Zeit haben dafür. Das ist für viele ein Problem. Außerdem ist bei veganem Essen oft Verzicht der Tenor. Es gibt kaum richtig Genussvolles. Weil ich die Produkte, die ich mir vorgestellt habe, nicht gefunden habe, mache ich sie nun eben selbst. Ich wollte etwas herstellen, das schnell geht, das genussvoll ist, das ohne künstliche Zusatzstoffe und Aromen auskommt und wo ich weiß, was ich esse. Weil ich auch Unverträglichkeiten habe, habe ich eine weizenfreie, eiweißreiche, vegane Produktlinie entwickelt.

Wie kam es dazu, dass Sie selbst sich entschieden haben, kein Fleisch mehr zu essen?
Ich war 1989 in Indien und habe gesehen, wie dort mit Fleisch umgegangen wird und wollte ganz gerne diese Reise gesund überstehen. Ich habe dort nur vegetarisch gegessen und gesehen, was es da in Indien alles gibt. Das ist großartig. Und nachdem ich Tiere ohnehin nicht selbst töten könnte, fand ich es dann auch konsequent, sie nicht zu essen. Als ich mich weiter damit beschäftigt habe, ist mir zudem klargeworden, wie viel das zum Klimaschutz beiträgt. Was ich auf dem Teller habe, hat großen Einfluss auf die Umwelt, vor allem Milch- und Fleischkonsum. Für mich waren also gesundheitliche, ethische und ökologische Aspekte ausschlaggebend. Wobei ich mit der Produktlinie auch gerne eine Alternative bieten will, ohne erhobenen Zeigefinger und „ihr dürft nicht“. Ich muss niemanden bekehren.

Es hat sich ja sehr viel entwickelt, seit Sie vor über 20 Jahren aufgehört haben, Fleisch zu essen. Bioprodukte und vegetarische und auch vegane Ernährung sind viel weiter verbreitet. Wo sehen Sie den Bedarf für Ihre Produkte, gibt es da noch eine Marktlücke?
Sinn der Sache ist es, schnell zu Hause etwas auf dem Teller zu haben. Auf mich sind viele Leute zugekommen, die sagten, „ich würde ja gerne viel häufiger vegetarisch kochen, aber ich weiß nicht, was. Wie geht das eigentlich, wie ist das mit dem Eiweiß, bekomme ich da keine Mangelerscheinungen?“ Aufgrund solcher Aussagen und Fragen habe ich festgestellt: Es gibt eine Marktlücke. Die Sachen, die ich mache, sind alle innerhalb von zehn Minuten auf dem Teller. Ich habe zwei Suppen, dann gibt es zwei eiweißhaltige Bratlinge aus Kamut und aus Kamut-Seitan. Außerdem frische Chutneys. Die können als Brotaufstrich, zu Bratlingen oder meinem Couscous aus dem Urgetreide Emmer gegessen werden, oder natürlich auch zu Fleisch, wenn man das möchte. Dann gibt es Nachspeisen, mit Sojajoghurt, Nussmusen und Fruchtmusen. Es ist alles pur, in den Suppen etwa ist kein Hefeextrakt, obwohl man das in in Bio-Produkten eigentlich „darf“. Mir ist der ursprüngliche Geschmack der Zutaten wichtig, und die Produkte sollen Feinkost-Qualität haben. Fast all diese Produkte sind als frische Produkte im Kühlregal zu finden – frische Chutneys oder auch Desserts etwa gab es bisher so nicht im Markt.

Die Produktlinie wird als vegan-vegetarisch deklariert. Welcher Anteil der Produkte ist denn komplett ohne tierische Inhaltsstoffe?
Es ist alles vegan. Als ich diese Idee hatte, durfte man dieses Wort fast nicht erwähnen, „vegan“. Da war das noch so was Merkwürdiges, so eine Randgruppe. Daher haben wir die Produktlinie vegetarisch-vegan genannt.

Wo und von wem werden ihre Produkte hergestellt?
Ich kann das natürlich nicht bei mir in der Küche machen, aber es sind alles meine Rezepte. Wir haben kleine Manufakturen gesucht, die sie produzieren. Das sind mehrere, auf der Schwäbischen Alb etwa sitzt unser Haupt-Produktionspartner, „Die Küchenbrüder“. Unsere Nudeln werden von einem ganz kleinen Hersteller in Thüringen gemacht, die Desserts von einem Berliner Unternehmen abgefüllt. Mir war wichtig, überall zu wissen: Wer macht das? Wie sind die Produktionsbedingungen, auch für die Mitarbeiter? Wir versuchen, alles in Deutschland zu beziehen, aber für Kamut-Seitan finden wir in Deutschland keinen Produzenten, daher kommt das aus Spanien.

Kurze Wege sind Ihnen also auch wichtig?
Ja, absolut. Denn auch der CO2-Footprint eines Produkts ist ja ein wichtiger Faktor.

Wie haben Sie die Manufakturen letztendlich gefunden?
Ich habe einen Berater, der sehr gut vernetzt ist in der Bio-Szene. Ich bin dort selbst auch nicht ganz unbekannt, weil ich schon lange bei der Aktion Bio-Brotbox dabei bin. Darüber bin ich an weitere Kontakte gekommen, und schließlich auf die BioFach-Messe in Nürnberg gefahren. Dort habe ich dann meine Produktionspartner gesucht und gefunden.

Wie haben Sie die Rezepte entwickelt? Hat das direkt geklappt oder mussten Sie feilen?
Das hat eine Weile gedauert. Nur weil etwas zu Hause schmeckt und funktioniert, heißt das noch nicht, dass es im Großen genau so umzusetzen ist. Bio-Spitzenkoch Simon Tress, einer meiner Produktionspartner von „Die Küchenbrüder“, wusste natürlich, wenn zum Beispiel etwas nicht durch die Abfüllanlage des Unternehmens geht, oder man etwas nicht das ganze Jahr frisch bekommen kann. Das sind Sachen, die ich erst lernen musste.

Auf welchen Wegen verkaufen Sie Ihre Produkte?
Über Onlineshops wie Vegan Wonderland und Biomanufaktur Rose. Hier in Berlin gibt es die Sachen bei einigen Filialen von Basic, LPG, Bio Company, bei BioLüske und der Bio-Insel in Schöneberg, außerdem in einigen Reformhäusern. Wir werden auch bundesweit herauskommen, aber zunächst sind wir ja ein Zwei-Personen-Unternehmen, mein Mann und ich. Und ich habe ja auch noch einen anderen Job und mein Mann auch, der ist Architekt. Wir haben jetzt zehn Produkte, arbeiten aber schon an der nächsten Produktwelle.

Text: Lene Bayerlein

Foto: Esther Suave / HiPI

Weitere Infos unter www.vevenga.com

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