Essen & Trinken

Meine ?4,99 Euro von Clemens Niedenthal

Jenseits des Atlantiks gibt es diese hübsche Redewendung. „My two cents“, sagt da einer, und meint, dass er auch noch seinen Senf dazugeben müsse. Was, zugegeben, das kulinarischere Sprachbild wäre. Meine 4,99 Euro jedenfalls hat in dieser Woche ein Kasten Bier verdient, der in einem Friedrichshainer Supermarkt just so wenig kosten sollte. „Bayerisch Hell“ stand auf der Flasche. Und ein ausgedachter Name irgendeiner ausgedachten Brauerei. Dabei kam dieser Kasten aus irgendeiner tatsächlichen Brauerei, dessen Management sich ausgedacht hatte, mit purer Masse zu wirtschaften. Haupt­sache viel, egal, wie billig. Die Oettinger-Brauerei hatte damit einmal angefangen. Flüchtig gebrautes Bier, das kaum mehr lagern, also reifen darf und das keinen Hopfen mehr kennt, nur noch Hopfenextrakt. Immer mehr Hektoliter, immer neue Handels­marken. Dabei trinkt Deutschland immer weniger Bier. Um knapp zwei Prozent sinkt der Absatz – jährlich. Und was noch gekauft wird, geht häufig als „Aktions­preis“ über die Theke. Warsteiner, Bitburger, Krombacher, auch die großen Industrie­biere drudeln in diesem Strudel. Warum ich hier nicht über Craftbier geschrieben habe? Oder über kleine, autonome Brauereien und ihren Willen zu Handwerk und Qualität? Weil Bier auch mal ein naheliegendes Getränk sein darf. Auf ex, nicht mit Expertenwissen. Aber zu einem für alle Beteiligten reellen Preis. Nicht für 4,99 Euro.

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