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Lost in Translation: Wie migrantische Gastronom*innen mit der Krise umgehen

Menschen aus der ganzen Welt kochen in Berliner Küchen – doch wie gehen migrantische Gastronom*innen und Genussprofis mit der derzeitigen Lage um und finden sie auch die Hilfe, die sie benötigen?

Challah brote auf Glastheke. Wie gehen migrantische Gastronom*innen mit der Krise um?
Jetzt auch geliefert: Challah von Fine Bagels. Aber wie geht die US-amerikanische Besitzerin mit der Krisensituation um? (Foto: Fine Bagels)

Es ist kein Geheimnis, dass gerade in der Gastronomie viele Migrant*innen arbeiten – haben doch gerade sie auch maßgeblich zu der wunderbaren Entwicklung beigetragen, die die Berliner Restaurantszene in den letzten Jahren durchgemacht hat. Aber gerade für die zugewanderten Menschen in den Berliner Restaurantbetrieben ist die Situation gerade schwierig. “Ich verstehe und spreche ganz gut Deutsch”, erzählt uns zum Beispiel Des, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, “aber dieser rechtliche Kram ist undurchschaubar!” Allein zu wissen, welche Formulare ausgefüllt werden müssen, wohin sie geschickt werden und wer überhaupt zuständig ist, kann schnell überfordern.

Des ist US-Amerikanerin und lebt seit vielen Jahren in Deutschland, gerade läuft ihr Verfahren für ein neues Arbeitsvisum. Doch sie ist unsicher, ob sie ihren Aufenthaltsstatus riskieren würde, wenn sie staatliche Hilfen wie Hartz IV annimmt. “Ich war lange selbstständig und habe erst vor kurzem eine feste Stelle in einem Restaurant angenommen. Doch wegen Corona habe ich den Job jetzt verloren. Und ich weiß nicht, ob ich Hartz IV bekommen kann oder sollte.” 

„Die Informationen sind genauso verwirrend auf Deutsch, wie auf Englisch“

Ähnlich geht es Laurel Kratochvila, ebenfalls US-Amerikanerin und der Besitzerin von Fine Bagels in Friedrichshain: “Ich weiß nicht, was es für die Erneuerung meines Arbeitsvisums bedeuten würde, wenn ich Hilfe in Anspruch nehme. Ich bin zwar in einer sicheren Position, aber natürlich beziehe ich das in meine Entscheidung ein, ob ich Unterstützung beantrage oder nicht.” Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und den Angeboten staatlicher Stellen sind auch auf Englisch gegeben – doch oft werden die nicht von offizieller Seite zur Verfügung gestellt. Stattdessen opfern oft andere Betroffene oder Aktivist*innen ihre Zeit und übersetzen. “Aber ich denke, die Informationen sind genauso verwirrend auf Deutsch, wie sie auf Englisch sind”, lacht Kratochvila. 

Sie backt nicht nur die wohl besten Bagels der Stadt, sie führt auch ein Unternehmen mit einer großen Zahl an Mitarbeiter*innen in Festanstellung. Für Menschen wie sie soll es eigentlich zinsfreie Kredite geben. Aber ob das eine Lösung ist, weiß sie auch nicht: “Ich möchte nicht die nächsten Jahre verschuldet sein. Mit meinen Mitarbeitern und laufenden Kosten könnte sich das innerhalb weniger Wochen zu 100.000 Euro und mehr belaufen.” Lieber arbeitet sie weiter. Ihre Idee: ein Bücher- und Bagel-Lieferservice. “Es ist so schön, zu sehen wo alle meine Stammkund*innen wohnen!”


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