Essen & Trinken

„Mit ­Sternchen“ von Clemens Niedenthal

Eben noch raunte es durch die avantgardistischer getsimmten Berliner Küchen: Die Punkte und, ja, auch die Sterne würden in Zukunft an Bedeutung verlieren. Und jetzt das. Der Guide Michelin lässt seine Himmelsköper über Berlin regnen und plötzlich reden alle wieder über diese  klassischste aller Restaurantbewertungen.
War aber auch egschickt gemacht, die „brutal-lokale“ Avantgarde des Nobelhart&Schmutzig und den Traditionalismus eines Markus Semmler mit einem Stern zu würdigen. So sind alle mit dabei, die Foodies und die Genussmenschen. Dazu noch ein hippes, zweifellos sehr gutes Gesellschaftlokal (Bandol sur Mer) und das kulinarische Berlin ist jetzt auch im Michelin-Führer mit all seinen Aromen vertreten.  Aber: Der Stern für das wunderbar leise Richard und den schon ewig gehandelten Biberbau zeigt auch, dass noch immer vor allem bewertet wird, was auf den Tisch kommt. In diesem Sinne hat auch Sebastian Franks Horvбth den zweiten Stern absolut verdient. Weil da einer im angemessenen, nie überkandidelten Ambiente zeitgenössisch (und immer gemüsegrüner) kocht – ohne jeden Drang zur Inszenierung und zum Eigenhype.
Bliebe nur die Frage: Belegen die nun 20 Sternerestaurants mit zusammen 26 Sternen den neuen Ruf Berlins als kulinarische Weltstadt? Oder wollten die Michelin-Tester nicht vielleicht gerade ihrerseits an diesem Ruf partizipieren? So oder so: Dieser Mut tut gut  – Berlin wie dem Guide Michelin.“

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