Essen & Trinken

Multikulinarisch

Multikulinarisch


Was haben das Rasoi, der Hakasan Hanway Place und das Zafferano gemeinsam? Es sind Londoner Restaurants – und zwar ein in indisches, ein chinesisches und ein italienisches. Und sie haben alle einen Michelin-Stern. In Berlin wurde in diesem Herbst immerhin das bistrokleine und kulinarisch große Bandol Sur Mer mit einem Stern gekührt. Das ist ein Franzose, aber das zählt nicht so richtig, schließlich ist die gute Küche ja gerne frankophil grundiert. Zumal hierzulande, wo man sich viel zu lange schwer damit getan hat, die eigenen Wurzeln, und das eigene Wurzelgemüse, ernstzunehmen.
Arne Anker im Paulysaal und Micha Schäfer im Nobelhart & Schmutzig machen genau das. Und gerade der Stern für  das Nobelhart hat ja verdeutlich, wie sehr das Verstandnis von feinem Essen momentan im Wandel begriffen ist. Auch und gerade unter den Kritikern. Was Berlin jetzt noch fehlt, ist eine geadelte Länderküche. Und zwar von beiden Seiten. Von Restauranttestern, die die asiatische Küche nicht zu allererst bei Tim Raue suchen. Und von weltläufigen Gastgebern, die ihr Ding also durchziehen. Das Dae Mon (koreanisch) oder das Zenkichi (japanisch)  haben ja schon einmal angedeutet, wohin diese Reise gehen könnte.  Will Berlin nämlich eine weltläufige  kulinarische Metropole sein, kann die „Länderküche“ nicht bei den Street-Food-Märkten und dem Lieblingsitaliener aufhören. Regional (und saisonal) sollen, so weit möglich, die Produkte bleiben, darüber hinaus wird die authentische Länderküche das nächste große Ding an den besten Tischen und auf den besten Tellern der Stadt.

Text: Clemens Niedenthal

Foto: Philipp Külker

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