Essen & Trinken

Mutige Küche im Long March Canteen

Canteen_kristal_burtrum_hipiInnenarchitekt Danilo Dürler arbeitet schon lange mit den beiden Gastronomiegrößen Axel Burbacher und Guan Guanfeng (Galao, Toca Rouge und Yumcha Heroes) zusammen. Durch den Nebeneingang geht es, an der Küche vorbei, in den Gastraum. Baulampen hängen an dünnen Drähten schief von der Decke, oder sind es Vogelkäfige? Nun zum Essen. An den runden Tischen sitzt es sich als Gruppe am besten. Freunde der chinesischen Küche wissen das, neue Freunde sollten das unbedingt ausprobieren. Denn gerade das ist eine typische Sitte: ganz viel verschiedene Gerichte bestellen und jeder am Tisch isst von allem etwas. Nachdem die Getränke geordert sind, kommt eine der Kellnerinnen mit einem Servierwagen voller kalter Vorspeisen vorbei. Wir hatten sie alle! Das hat zur Folge, dass die Freundin, die sich in ihrem Leben nie trauen würde Qualle zu bestellen, dann tatsächlich auch davon etwas probiert, die strenge chinesische Freundin voller Enthusiasmus die Hühnerfüße anbieten kann und jeder diese Spezialität zumindest mal gesehen hat. Es gibt zudem Thunfisch mit Rote Beete, würzigen Tofu, Schweinerippchen kalt und warm, Oktopus-, Hähnchen-, Gurken- und Kohlrabisalat. Erstes Resümee: Das hat kaum jemand jemals so gegessen. Bis auf die Klassiker wie Hühnerfüße und Gurkensalat.

Immer wieder rätselt die Tischrunde, welche Zutaten diese neue Justierung der Aromen verursacht. Es ist Guan Guanfeng gelungen, mit chinesischer Kochtradition zu brechen und diese rebellisch und dennoch harmonisch weiter zu entwickeln. Bei den Hauptspeisen geht das souverän einfach weiter mit dem überraschenden Spiel von Schärfe, Süße, Röstaromen, unterschiedlichen Texturen, subtilen Würzungen und starken Aromen. Die Riesengarnelen kommen in einem Bett aus Chilischoten auf die Lazy Susi, so die amerikanische Bezeichnung des drehbaren Mittelpunktes des Tisches. Der Taschenkrebs steht in seinem Dipp wie ein Ikebana-Gesteck, die Baby-Calamari am Spieß schmecken so rauchig, als ob sie auf einem chinesischen Nachtmarkt gerade gegrillt wurden, die Entenbrust а la Peking ist eine unkomplizierte Variante wiederum eines Klassikers der chinesischen Küche. Dann gibt es noch Dumplings – mit Ente, mit Rind, Schwein, vegetarisch, mit Huhn, nach Shanghai-Art. Wer jetzt vermutet, dass das alles einer dekadenten Völlerei gleich kommt, der sei beruhigt. Eine einzelne Portion macht nicht satt, dementsprechend auch der Preis. Ein letzter Hinweis: Wir waren insgesamt sieben Personen und haben fast alles probiert. Sogar den Nachtisch. Das ist nämlich eine sehr speziell gebackene Banane. Und jeder hat noch nicht mal 50 Euro inklusive Getränke bezahlt.

Text: Eva-Maria Hilker

Foto: Kristal Burtrum / HIPI

tip-Bewertung: Herausragend

Long March Canteen Wrangelstraße 20, Kreuzberg, Tel. 0178-884 95 99, www.longmarchcanteen.com; tgl. ab 18 Uhr;
Speisen 4,50 bis 15 Ђ, Softdrinks ab 2,20 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,40 Ђ, Wein (0,1 l) ab 3,20 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 21 Ђ

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