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Essen & Trinken

„Neuer Wein in alten Schläuchen“ von Clemens Niedenthal

Was ergeben ein Eimer Tafelfarbe, einige industriestahlschwere Tischgestelle, textile Stromleitungen und ein Dutzend Kohlefadenbirnen? Ein neues Restaurantkonzept. Wobei natürlich das Konzept nicht neu ist. So sehen die Kaffeebar, die Craft-Beer-Bar, das deutsche, das italienische und das chinesische Restaurant aus. Diese Ära des Kulinarischen also hat eine ziemlich hegemoniale, zunehmend langweilende visuelle Signatur bekommen. Umso mehr freut man sich über diese andere, zwangsläufig individuelle Idee: Man bespielt ein Lokal, eine Location, also neu, spielt aber mit der vorgefundenen Atmosphäre. Zwei der schönsten Neueröffnungen der letzten Monate sind so entstanden. Briefmarken Weine in den stalinistischen Zuckerbäckerbauten der Karl-Marx-Allee zum einen. Eine Weinbar, die so heißt, weil die Regale und die Leuchtreklame des ehemaligen Briefmarkenladens einfach beibehalten worden sind. Nicht nur, weil beides ohnehin unter Denkmalschutz steht. Am Oranienplatz bespielt jetzt die Brasserie Ora die ehemalige Oranienapotheke. Und wieder sitzt es sich zwischen Mörser, Stößel und Apothekerfläschchen ganz zeitgenössisch im Gestern. Ein traumschöner Ort. Zugegeben, in einer dichtgemachten Postfiliale oder dem SB-Schalterraum der Sparkasse dürfte das nur bedingt funktionieren.

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