Essen & Trinken

Neues auf dem Gendarmenmarkt

cookiesDass diese beiden etwas verbindet? Niemand hätte das jemals erwartet. Aber Josef Laggner und Cookie (Heinz Gindullis) haben nicht nur ihre Adressen in derselben Straße, sie sind derzeit auf Expansionskurs. Das sind aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten. Ihre Konzepte, ihre Zielgruppen sind absolut unterschiedlich, ihre Strategien ebenso. Fangen wir mit dem jüngeren, mit Cookie (Foto links) an. Der Mann mit Mütze hat kurz nach Mauerfall die Stadt in Sachen Club-Kultur weit nach vorne gebracht. Damals hieß die Location Greenwich Bar, dann Cookies. Letzteres tauchte immer wieder an verschiedenen Orten auf. Heute findet man diesen Club in der Behrenstraße (ein paar Meter weiter die Gendarmerie von Laggner), ganz in der Nähe des Gendarmenmarktes. Das anspruchsvolle vegetarische Restaurant Cookies Cream — übrigens auch einmalig in dieser Form — befindet sich eine Etage darüber.

In den nächsten Tagen eröffnet nun das Chipps in der Jägerstraße, auch in unmittelbarer Nähe des Gendarmenmarktes. „Das soll einen ganz eigenen Charakter haben“, betont Cookie. Im Chipps soll es alltäglicher, selbstverständlicher zugehen. Nicht so anspruchsvoll wie im Cookies Cream, wo man einmal im Monat an weiß gedeckten Tischen ein Menü genießt, zwei oder drei Stunden lang isst. Auch das Chipps setzt mit seinem Konzept neue Maßstäbe. „Veganer und Vegetarier kommen auf ihre Kosten, Saucen und Suppen werden fleischlos hergestellt — aber Fisch, Geflügel und Fleisch werden als Beilage serviert.“ Also umgekehrte Verhältnisse. Was hat Cookie denn nun gereizt, noch ein Restaurant aufzumachen? „Es ist eine Adresse, die man tagsüber besuchen kann.“ Für eine reife Clubgeneration wohl nicht ganz unwichtig. „Die Räume mit der Terrasse sind spannend. Die Lage — für mich ist die Lage nicht immer wichtig. Eher die Atmosphäre, das Besondere des Ortes.“ Das also Cookies Devise und sein Faible für unentdeckte, unspektakuläre Adressen.

LaggnerDas ist nur ein Unterschied zu Josef Lagg­ner (Foto rechts). Der Mann aus Österreich hat gerade den vierten gastronomischen Betrieb, das Augustiner am Gendarmenmarkt, eröffnet. Er war mit dem Traditionshaus Lutter & Wegner und der Newton Bar einer der Ersten am Platze. „Ich wollte die Chance nutzen, auch um diesen zentralen Platz Berlins wieder ein Stück mitzubeleben. Der Gendarmenmarkt hat ein besonderes Flair: Die Großzügigkeit und Architektur erinnert an Plätze in Italien. Man fühlt sich hier ein bisschen wie in Rom oder anderen südlichen Städten.“

Auf die Frage, ob es denn nicht schon genug Schnitzel am Platze gibt, lacht er. „Gott sei Dank haben wir gute Mitbewerber. Als einziger in Österreich geborener Gastwirt am Platz sind wir authentisch und haben sicher auch das echteste Wiener Schnitzel überhaupt. Das hat sich inzwischen auch weit herumgesprochen und wurde sogar schon von Blättern wie der ‚New York Times geschrieben‘. Und selbst Philippe Lemoine, später Küchenchef des Borchardt, haben wir das Schnitzelbraten einst beigebracht.“

Laggner spielt auf seinen wohl erfolgreichsten „Mitbewerber“ Roland Mary an. Nach Mauerfall erkannte auch Roland Mary das Potenzial des Platzes. Er eröffnete das Borchardt als erste Adresse im wortwörtlichen Sinne. Seither hat dieses Restaurant nicht nur in der Hauptstadt, sondern national wie international seine Bedeutung und einen ungemeinen Bekanntheitsgrad. Politik, Film, Fernsehen, große Namen, kleine Lichtchen treffen sich hier. Roland Mary als Gastgeber hat den äußerst geschickten Umgang mit Prominenz raus. Man bleibt privat, man kennt sich, und manchmal wird man im Borchardt, je nach Wunsch, auch mal medienwirksam in Szene gesetzt.

„Die Mischung macht es!“ Herbert Beltle vom Aigner und der eher stille Mann am Platze sieht die neue Situation am Gendarmenmarkt eher gelassen. „Wir gehören zu den erfolgreichen drei.“ Das Borchardt und das Lutter & Wegner sind die anderen beiden. Und wenn Beltle zu seinem zweiten Restaurant, dem Weingrün, wandert, freut er sich über Cookies Chipps. „Das belebt doch die ganze Gegend.“ Übrigens meint er mit der Mischung genau dieselbe wie Josef Laggner: „Wir haben in unseren Häusern eine gute Mischung aus Geschäftsleuten der Umgebung, Touristen, Einheimischen und Passanten.“


Interview mit Josef Laggner


Aigner Französische Straße 25, Mitte, Tel. 203 75 18-50, -51, www.aigner-gendarmenmarkt.de, tgl. 12-1 Uhr

Augustiner Charlottenstraße 55/Ecke Jägerstraße, Mitte, Tel. 20 45 40 20, www.augustiner-braeu-berlin.de, tgl. 10-1 Uhr

Cookies
und Cookies Cream Behrenstraße 55, Mitte, Tel. 27 49 29 40, www.cookies.ch

Chipps (Eröffnung am 26.4.) Jägerstraße 35, Mitte, Tel. 24 78 10 24, www.chipps.eu, Mo-Fr ab 8 Uhr, Sa+So ab 12 Uhr

Gendarmerie Behrenstraße 42, Mitte, Tel. 767 75 27-0, www.gendarmerie-berlin.com, tgl. 11-2 Uhr

Lutter & Wegner Charlottenstraße 56, Mitte, Tel. 20 20 95 40, www.lutter-wegner-gendarmenmarkt.de, tgl. 11-1 Uhr

Newton Bar Charlottenstraße 57, Mitte, Tel. 20 29 54 21, www.newton-bar.de, Sa 10-4 Uhr, Mi, So 10-3 Uhr

 

Foto: Oliver Wolff, Benjamin Pritzkuleit

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