Essen & Trinken

Noiquattro am Südstern

Noiquattro__AnnaBlanckeDas Noiquattro hatte sich in der gastronomischen Wüste am Strausberger Platz einen hervorragenden Namen erkocht, dann musste es schließen, tauchte im letzten Jahr am Südstern wieder auf, war dann etwas enttäuschend und ist jetzt ein wunderbarer Ort, um gut essen zu gehen. Koch und Eigentümer Andreas Staack hat sich zum doppelten Rittberger entschlossen, seine Lokalität zweigeteilt, einmal das feine Restaurant mit weiß gedeck­ten Tischen und Menü und daneben die Trattoria. Der gilt hier die Aufmerksamkeit, denn durch sie betritt man das weite und luftige Ecklokal am Südstern.

Wenn man schon nach einem Etikett für das, was auf den Tisch kommt, sucht, ist „bodenständig italienisch“ vielleicht angemessen, obwohl sich der Koch selbst in der neuen italienischen Küche verortet. Aber vielleicht ist das Wiederbeleben des Alten das Neue. Denn die angenehme Überraschung sind Gerichte, die aus dem Norden Italiens kommen, wo man Knödel kennt, auch mit Butter kocht. Die Gegend war schließlich mal Teil des österreichischen Großreichs. Da gibt es herrlich einfache Bauerngerichte, die hier luxu­riös städtisch aufgepeppt werden. Etwa der Brotsalat – Panzanella – aus altem Brot, gewürfelt und geröstet, mit Zwiebelchen, etwas frischem Salat und als Besonderheit, die sich die Bauern sicherlich nicht leisten konnten, Flusskrebse auf den Brotberg geschichtet. Köstlich!

Oder Kalbsbäckchen, schönes, festes, mage-res Fleisch in dunkler Sauce mit Polenta und grünen Bohnen. Auch ein handfestes Gericht, mit preiswerten Substanzen, aber genial in der Kombination. Den einzigen Makel hatte die Pas­ta, in der Spargel und Prosciutto sein sollten, der Schinken war da, aber der Spargel
hatte sich bis auf drei Stückchen nicht auf den Teller getraut. Hervorragend ist auch die Pizza. Es stehen Gott sei Dank nicht 23 zur Auswahl, aber die angebotenen haben immer einen besonderen Dreh, für Vegetarier gibt es etwa eine Verlockung mit vier verschiedenen Käsen.

Die Weine dazu buchstabieren konsequent das italienische Alphabet von Calabria bis Veneto. Gab es mal Zeiten im Noiquattro, in denen Kellner die Attitüde von verwöhnten italienischen Buben annahmen, die schwer unter ihrer dienenden Profession litten, so hat Andreas Staack für Änderung gesorgt. Der Service ist flott, freundlich und gut.
In der Summe ist die Trattoria Noiquattro ein angenehm bodenständiger Ort, um gut zu essen und zu trinken, bei einem sehr korrekten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Text: Margit Miosga

NQ Trattoria Adresse und Fahrverbindung

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