Essen & Trinken

Obstschnäpse auf Siegeszug in Berlin

Bastian_Heuser_im_Mixologie_Foto: Jens BergerJames Bond mit einem Birnenschnaps in der Hand? Ein Cowboy, der im Salon lässig ein Kirschwasser kippt? Na? Stimmt. Geht gar nicht: Der Obstler – man kann es nicht anders sagen – gehört nicht gerade zu den lässigen Dingen des Lebens

Während sich Alkoholika wie Wodka, Martini oder Whisky seit jeher als weltmännisch und schick gelten, hat der gute alte Obstbrand ein Image wie Eichen-Schrankwand und Uschi Glas: eher bieder.
Doch es tut sich was. Ausgerechnet in Berlin – geografisch weit weg von den süddeutschen und -europäischen Streuobstwiesen bildet sich im Zuge der allgemeinen Retro-Welle eine Bewegung zurück zum Obstler: „Wir hören von vielen Barkeepern, dass Kunden immer wieder nach Obstlern und Geistern nachfragen“, sagt Bastian Heuser (30), Gastronomieberater und Redakteur beim Bar-Branchen-Magazin Mixology. Denn es gibt genug gute Obstler, „die nehmen es mit jedem Rum oder Whisky auf“. Obstbraende_im_Salon33_Foto_von_Jens_Berger

Anstatt den „hundertsten Wodka mit Fruchtaroma“ auf die Karte zu setzen, greifen viele lieber zum Naturprodukt Williams Christ oder Schwarzwälder Kirsch. „Da ist der Geschmack 100 Prozent Natur“, so Heuser. Wegen der großen Nachfrage veranstaltet „Mixology“ Ende Oktober den ersten Fortbildungslehrgang zum „Mixen mit Obstbränden“. Aus ganz Deutschland kommen Barkeeper, um sich über Drinks auf Fruchtbasis zu informieren. Motto: „Back to the roots!“ Auf dem Lehrplan stehen schlichte Dinge wie „Williams Sour“ oder Wermut mit Williams, aber auch Ausgefallenes wie eine Bloody Mary auf Karotten-Brand-Basis.
Nicht ganz so extravagant geht es in der Bar von Andreas Lanninger zu. Aber auch der Barkeeper des Jahres 2007 setzt auf Hochprozentiges aus deutschen Landen: „Wir schenken auch lieber Sekt statt Prosecco aus“, sagt er. „Da passt ein guter Obstler ins Konzept.“

Am langen Tresen des Lanninger gibt’s neben Klassikern wie Kirsch Nr. 1 für zwölf Euro neuerdings auch eine neue „junge“ Linie Obstler auf der Karte. Ganz nach dem Vorbild von Jägermeister, der mit offensivem Marketing aus dem biederen Kräuterschnaps einen Szenedrink gemacht hat, versucht die Groß-Brennerei Ziegler jetzt ein urbanes Publikum an den Obstler heranzuführen: mit hipper Verpackung und neon-bunten Fläschchen. Pimp my Obstler. Ein wenig verrucht – eher Absinth als Apfelschnaps. „Kvlt“ heißt die neue Linie etwas bemüht, die unter dem Motto „jung, farbig, lebensfroh“ angepriesen wird. Cocktails auf Obstler-Basis und gute Obstler bekommt man außerdem in Berlin im Curtain Club des Ritz-Carlton (hat mit 360 Obstbränden die größte Auswahl) und in Bars wie dem Green Door in Schöneberg.

Text:
Björn Trautwein

Foto: Jens Berger

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Lanninger_Foto_von_Jens_Berger

Green Door

Winterfeldtstraße 50, Schöneberg,
Tel. 215 25 15;
tgl. 18-3 Uhr;
Softdrinks ab 3 Ђ, Bier (0,3 l) ab 3,50 Ђ, Wein (0,2 l) ab 5 Ђ, Cocktails ab 8 Ђ;
Rauchen erlaubt

The Curtain Club im Hotel
The Ritz-Carlton, Berlin,
Potsdamer Platz 3, Tiergarten,
Tel. 337 77 63-40, 337 77 61-96;
tgl. ab 18-2 Uhr; Snacks 7,50 bis 20Ђ; Softdrinks ab 5,50 Ђ, Bier (0,3 l) ab 6Ђ, Wein (0,1 l) ab 6Ђ,
Fl. Wein (0,75 l) ab 29Ђ, Cocktails ab 11Ђ;
Rauchen auf der überdachten Terrasse

Lanninger Berlin im Abion Hotel
Alt-Moabit 99, Tiergarten,
Tel. 39 92 07 98;
tgl. ab 12 Uhr;
Speisen 6,50 bis 27 Ђ; Softdrinks ab 3 Ђ, Bier (0,3 l) 3,50 Ђ, Wein (0,1 l) ab 3,50 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) 24,50 Ђ, Cocktails ab 8,50 Ђ;
Rauchen im separaten Raum

Magazin Mixology www.mixology.de
 

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