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Open-Air- Gastronomie: Versteckten Frischluftparadiese in Berlin

englischer_teegarten„Dieser Ort ist so außergewöhnlich schön, dass man gar nicht viel tun muss, um ihn attraktiv zu machen“, sagt Christof Blaesius, einer der drei Besitzer vom Teehaus im Englischen Garten (Foto). Einiges ist ihm dann aber doch eingefallen, zum Beispiel die beheizbaren Schirme und das bequeme Mobiliar. Und schließlich der Service: Selbstbedienung, wie sonst in Biergärten dieser Größe (ca. 500 Plätze) üblich, ist für Blaesius ein absolutes No Go. Zwischen Schloss Bellevue und der Akademie der Künste liegt das Teehaus in einer der schönsten Ecken des Tiergartens. Seit 1952 gibt es den Englischen Garten, entstanden ist er als Dankeschön der Engländer für die gute britisch-deutsche Kooperation während der Blockadezeit. Mittendrin thront das schilfgedeckte Teehaus. Man ist umgeben von alten Bäumen, inklusive einer Eiche, die Queen Elizabeth II. höchstpersönlich 1965 gepflanzt hat. Direkt daneben plätschern Springbrunnen in einem kleinen Barockgarten und Kinder spielen an einem idyllischen Teich.

Dazu kommt ein buntes Kulturprogramm, dessen Krönung der Konzertsommer ist. Bei freiem Eintritt werden sonntags im Hochsommer internationale Live Acts von Jazz und Salsa bis Pop und Rock geboten, die bis zu 3.000 Menschen anziehen. „Da entsteht fast eine Woodstock-Atmosphäre“, schwärmt Blaesius. „Die Leute liegen auf der Wiese und lauschen der Musik.“ Ein gut laufendes Sommergeschäft ist für Locations wie das Teehaus besonders wichtig. Ungefähr 70 bis 80 Prozent des Jahresumsatzes werden in den warmen Monaten erwirtschaftet, schätzt Blaesius, und deshalb hat er einiges investiert, um den Ort wetterfest zu machen. Schirme, eine Markise und ein großes Segel sorgen dafür, dass man sich auch an nicht so lauen Tagen draußen wohl fühlen kann. Die Unberechenbarkeit des Wetters ist eine der größten Herausforderungen der Open-Air-Gastronomie.

ponta_rosaAuch Steffi Kühn, die in Kreuzberg seit 2011 das Kurhaus Ponte Rosa (früher Florians Garten) bewirtschaftet, zählt auf eine schnell ausfahrbare Riesenmarkise, die bis zu 100 Gästen Schutz vor Regen – oder auch vor zu viel Sonne – bietet. Auch einen Wintergarten hat sie angebaut, um das Geschäft bei einem plötzlichen Wettereinbruch abzufangen. „Das war mir wichtig, weil wir praktisch in den Sommermonaten genug Geld fürs ganze Jahr verdienen müssen.“ Das Kurhaus ist nicht leicht zu finden. Als Unkundiger läuft man schnell am Tor vorbei, dahinter führt ein kopfsteingepflasterter Pfad hinunter auf das Gelände. Neben den obligatorischen Biergartentischen gibt es auch lauschige Zweiertische (ein Holzschild „Für Verliebte“ weist den Weg) sowie ein erhöhtes Podest für Gäste, die möglichst lange die Nase in die Sonne halten möchten. „Eine tolle Atmosphäre ist wichtig“, sagt Kühn. „Deshalb wollten wir verschiedene Ecken kreieren, damit sich hier jeder wohl fühlt.“ An die Vergangenheit des Geländes, das früher als Ausweichbahnhof des Anhalter Bahnhofs diente, erinnern marode Bohlen und die alte Schmiede, die heute das Restaurant und die Küche beherbergt.

Auf den Tisch kommen Pizza, Pasta sowie saisonale Gerichte, darunter auch viel Vegetarisches. Sonntags kann man üppig brunchen. Alles wird frisch zubereitet. Das ist auch die Philosophie in der Hafenküche, einem in der Rummelsburger Bucht versteckten Refugium, wo ebenfalls ausschließlich frisch gekocht wird. Was im Mai 2011 als Kantine des nebenan gelegenen Busunternehmens begann, hat sich inzwischen als eine Adresse für hervorragende saisonale und regionale Küche herumgesprochen. Zu dem täglich wechselnden Mittagstisch und opulenten Frühstück am Wochenende gesellt sich eine anspruchsvolle Abendkarte, die von ausgewählten Weinen komplettiert wird. In diesem Sommer gibt‘s zum ersten Mal auch selbstgeräucherten Fisch. Neben der inspirierten Küche punktet das Lokal auch mit einer charmanten Lage am Wasser. Eine dreieckige Terrasse dockt wie ein Schiffsbug an den im maritimen Landhausstil gestylten Restaurantpavillon an und bietet Logenplätze mit Blick auf das bunte Treiben in der Marina und das Riesenrad des Spreeparks am anderen Spreeufer.

hafenkuecheAuch die Details stimmen: Man sitzt bequem auf Tolix-Stahlblechstühlen, einer 30er-Jahre-Design-Ikone aus Frankreich. Abends sorgt dezente Beleuchtung für romantische Stimmung, vor allem an dem kleinen Tisch unter der knorrigen alten Weide. „Der Alltag ist wie weggefegt“, schwärmt Besitzer Frank Richard. „Zu uns kommen die Berliner, die raus aus der Stadt wollten.“ Für den Sommer hat er einen neuen Loungebereich direkt am Bootssteg eingerichtet, wo man es sich am Abend mit den Drinks von Restaurantleiter Lars Schmidt gemütlich machen kann. Probiertipp: der Early Mama Gimlet, für den der gelernte Barchef eigens Gin mit Early Grey Tee infusioniert. Man muss sich eben schon so einiges einfallen lassen, um die Kundschaft bei Laune zu halten. „Einfach ein paar Tische rausstellen und erwarten, dass die Leute kommen, ist nicht genug“, sagt Marc Debourdon, Leiter der Restaurants Trofeo und Parc Fermй. Beide verstecken sich in der Moabiter Industrielandschaft und gehören zur Classic Remise, einem Mekka für Autoliebhaber.

In einem wunderschön restaurierten Straßenbahndepot aus dem 19. Jahrhundert kann man Hunderte von Klassikern, Oldtimern und Raritäten bewundern. Während im Parc Fermй jeden Abend klassische französische Gourmetküche zelebriert wird, kommt das Trofeo eher unkompliziert daher. Tagsüber werden solide, günstige, internationale Gerichte serviert, abends bietet man ein italienisches Drei-Gänge-Menu inklusive Wein, Wasser und Espresso für Portemonnaie-freundliche 29 Euro. Im Sommer schmücken frische Blumen die überdachten Terrassentische, es gibt flauschige Decken gegen kühle Temperaturen und in diesem Jahr zum ersten Mal eine Lounge-Ecke zum Kuscheln.

Text: Andrea Schulte-Peevers

SONNIGE TERRASSEN IN LAUSCHIGEN HÖFEN:

3 Schwestern
Im begrünten Innenhof des Kunstquartiers Bethanien lässt man schnell die Großstadthektik hinter sich. Die Karte wechselt ständig, gekocht wird gehoben und saisonal. Am Wochenende gibt’s auch Frühstück.
Mariannenplatz 2, Kreuzberg, Tel. 600 31 86 00, www.3schwestern-berlin.de, tgl. ab 11 Uhr, U-Bhf. Kottbusser Tor, Bus 140, Speisen 3,20-18,80 Ђ, Softdrinks ab 1,90 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,50 Ђ, Wein (0,2 l) ab 3,90 Ђ, Fl. Wein (0,7 l) ab 18 Ђ

Amano Bar
Gute-Laune-Cocktails in mondänem Lounge-Ambiente gibt es im Sommer auf dem Dach des Amano Hotels – traumhafte Ausblicke inklusive. Der „Miss Paloma“ Drink ist in diesem Jahr besonders angesagt.
Auguststr. 43, Mitte, Tel. 809 41 50, www.amanogroup.de, tgl. ab 14 Uhr, U-Bhf. Rosenthaler Platz, Softdrinks ab 3 Ђ, Bier (0,3 l) ab 4 Ђ, Wein (0,1 l) ab 4, Cocktails ab 10 Ђ

Cafй im Körnerpark
Unter Palmen auf der Cafe-Terrasse sitzend, hat man die Blütenpracht und Wasserspiele dieses neobarocken Parks perfekt im Blick. Die Karte bietet viel sommerliche Abwechslung.
Schierker Str. 8, Neukölln, Tel. 89 75 25 23, www.cafe-im-koernerpark.de, Di-Sa 10-20 Uhr, U+S-Bhf. Neukölln, Speisen 2,60 bis 6,50 Ђ, Softdrinks ab 2 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,30 Ђ, Wein (0,2 l) ab 3,50 Ђ, Fl. Prosecco 15 Ђ

Cafй Obermaier
Eine dichte Hecke umrahmt den Biergarten dieses Kreuzberger Kleinods, das sich mit seiner alpenländischen Küche auch außerhalb des Kiezes einen guten Ruf erworben hat.
Erkelenzdamm 17, Kreuzberg, Tel. 61 65 68 62, tgl. 18-22 Uhr, U-Bhf. Kottbusser Tor, Bus 140, Speisen 4 bis 14,50 Ђ, Softdrinks ab 1,70 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,40 Ђ, Wein (0,25 l) ab 4,40 Ђ, Fl. Wein (0,7 l) ab 23 Ђ

Cafй Olй
Ein verkehrsfreies „El Dorado bietet dieses sonnige Cafй im Herzen der ufaFabrik, das kulinarisch mit einer wechselnden Mittagskarte und einem günstigen Sonntagsbrunch punktet.
Viktoriastr. 13-18, Tempelhof, Tel. 75 50 31 20, www.ufafabrik.de, tgl. 10-22 Uhr, bei Veranstaltungen länger, U-Bhf. Ullsteinstraße, Bus 170, Bus 246, Speisen 2,70-8,20 Ђ, Softdrinks ab 1,70 Ђ, Bier (0,3 l) ab 3 Ђ, Wein (0,2l) ab 3,20 Ђ, Fl. Prosecco 21 Ђ

Cafй Restaurant Villa Rixdorf
In Rixdorf verbirgt sich im Hof dieses eleganten Restaurants ein quirliger Biergarten. Legendär: die „Riesenpizza (Durchmesser1 Meter!).
Richardplatz 6, Neukölln, Tel. 68 08 60 00, www.villa-rixdorf.com, U-Bhf. Karl-Marx-Straße, tgl. 11-1 Uhr, Speisen 3 bis 15,90 Ђ, Softdrinks ab 1,60 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,10 Ђ, Wein (0,2 l) ab 3,20 Ђ, Fl. Wein (0,7 l) 15,90 Ђ

Das Stue
Sommerliche Cocktails mit Blick auf das Emu-Gehege des Zoos verspricht die Terrasse des Boutique-Hotels, die mit bunten Möbeln der Stardesignerin Patricia Urquiola ausgestattet ist.
Drakestr. 1, Mitte, Tel. 311 72 20, www.das-stue.com, S-Bhf. Tiergarten, tgl. 12-1 Uhr, Speisen 12 bis 28 Ђ, Softdrinks ab 4 Ђ, Bier (0,3 l) ab 5 Ђ, Wein (0,1 l) ab 6 Ђ

Gasthaus Figl
Die riesigen Pizzen in dieser ehemaligen Eckkneipe haben viele Fans und schmecken an lauen Sommerabenden am besten im schnuckeligen Biergarten.
Urbanstr. 47, Kreuzberg, Tel. 72 29 08 50, www.gasthaus-figl.de, U-Bhf. Schönleinstraße, Di-So ab 18 Uhr, Speisen 5,90 bis 14,80 Ђ, Softdrinks ab 2 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,40 Ђ, Wein (0,2 l) ab 3,80 Ђ, Fl. Wein (0,7 l) ab 12,80 Ђ

Hafenküche
Schlemmen und entspannen mit Blick auf die Spree. Idylle pur!
Zur Alten Flussbadeanstalt 5, Lichtenberg, Tel. 42 21 99 26, www.hafenkueche.de, S-Bhf. Betriebsbahnhof Rummelsburg, Tram 21, Mo-Fr ab 10 Uhr, Sa+So ab 9 Uhr, Speisen 2,20 bis 19,50 Ђ, Softdrinks ab 1,90 Ђ, Bier (0,3 l) ab 2,60 Ђ, Wein (0,2 l) ab 4,80 Ђ, Fl. Wein (0,7 l) ab 19 Ђ

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