Essen & Trinken

Österreichische Kost von der „Nußbaumerin“

So wie bei der Nußbaumerin, das ist Johanna Nußbaumer, Salzburgerin und eben die klassische Vertreterin einer Österreicherin. Herzlich, etwas mütterlich, korpulente Statur, sehr bestimmt empfängt sie ihre Gäste. So müssen sie halt sein, die strammen Mädels aus den Bergen von der Alm, denkt die Berlinerin. Aber immer stimmt es dann doch nicht. Die Nußbaumerin ist schon länger in Berlin, arbeitete früher als Köchin bei Lutter & Wegner.

Jetzt hat sie sich selbstständig gemacht. Zu Recht, denn das Restaurant ist bis auf ein paar wenige Tische fast ausgebucht. Die Klientel ist etwas älter an diesem Abend, vereinzelt ein paar Ü-30. Ums gute Essen geht es hier, ums Sattwerden, ums Gemütlichhaben, nicht um Schicksein, ums Geldhaben.
Damit das mit dem Österreichischen und dem Deutschen auch gut klappt, hat Frau Nußbaumer ein kleines Wörterbuch in der Speisekarte verfasst, sodass einem beim Wort Eierschwammerln nicht ein Omelett vorschwebt, ein Erdäpfelschmarrn erklärt wird und ein Fiakergulasch auch seine soziokulturelle Zuordnung erhält.

Brot und Quark kommen schnell auf den Tisch, die Karte mit dem landestypischen Angebot hält keine Untiefen bereit und so ist schnell geordert. Ebenso unverzüglich wird dann auch serviert. Als Vorspeise gibt es Vogerlsalat, der ist hervorragend mit Kürbiskernöl angemacht, der geräucherte Lachs auf Kartoffelpuffer hätte durchaus auch als Hauptspeise durchgehen können. Das Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelgurkensalat sättigt gleich zwei Personen. Das sollte auch jedem klar sein: Die Nußbaumerin serviert große Portionen, das müssen ernährungsbewusste Schmalspurkoster wissen.

Ein Vorurteil wird jedoch ausgeräumt. Nämlich dass im alten Westen, in den Seitenstraßen des Ku’damms nicht mehr viel passiert, außer den zahlungskräftigen Zehlendorfern und russischem Schwarzgeldadel entsprechend aufgemotzte Anlaufstellen zu bieten. Das ist mit der Nußbaumerin widerlegt. Es herrscht ein bodenständiger Umgangston, sowohl bei den Gästen untereinander als auch bei der Salzburgerin mit ihrer Stammkundschaft. Ach, und Zitterabende gibt es auch. Dann ist die Leibnitzstraße merkwürdig unberlinerisch und dennoch vertraut.

Text: Eva-Maria Hilker

Bester Platz: direkt am Fenster; der Blick auf die baustellenbedingte Straßenverengung sorgt für ordentlichen Nervenkitzel
Bestes Detail: auf Anfrage gibt es Salzburger Nockerln

Die Nußbaumerin Leibnizstraße 55, Charlottenburg, Tel. 50 17 80 33;
U-Bhf. Adenauerplatz, Bus M19, M29;
tgl. 12-24 Uhr, Küche bis 23 Uhr;
Speisen 8 bis 20 Ђ; Softdrinks ab 2,20 Ђ, Bier (0,3 l) ab 3 Ђ, Wein (0,25 l) ab 4,80 Ђ, Fl. Wein (0,75 l) ab 14 Ђ

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