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Party im Palazzo: Diese Dinner-Show ist ein dreistündiger Rausch

„Nachtschwärmer“ heißt die neue Dinner-Show im Palazzo. Zwischen Goldene-Zwanziger-Cabaret, Nullerjahre-Nostalgie und modernem Hauptstadtzirkus kommt richtig Stimmung auf.

Perfekte Unterhaltung: die finnische Fußakrobatin Rosa Autio im Spiegelpalast. Foto: Palazzo

Warum haben wir Opa nicht mitgenommen? Diese Frage stellt man sich spätestens, wenn die finnische Fußakrobatin Rosa Autio mit ihren in Richtung Zeltkuppel gestreckten Beinen so ziemlich jeden Gegenstand durch den Spiegelpalast fliegen lässt. Drumherum festliche Tafeln, natürlich mit weißen Tischdecken geschmückt. Kein Glas bleibt lange leer. Schon im Empfangsbereich hatten Zirkuskünstler mit Schnaps gelauert. Dieser Abend im Palazzo soll eine Party sein. Das steht von Anfang an fest.

Der Abend im Palazzo soll eine Party sein

„Nachtschwärmer“ heißt die neue Dinner-Show von Hans-Peter Wodarz und Kolja Kleeberg. Den gleichen Namen trägt die fiktive Künstlerkneipe am Bahnhof Zoo, in der die Londoner Tresendomina Chastity Belt Jongleure, Seiltänzer und Komiker aus aller Welt versammelt. So die Rahmenhandlung dieses dreistündigen Rauschs zwischen Goldene-Zwanziger-Cabaret, Nullerjahre-Nostalgie und modernem Hauptstadtzirkus. Mit viel Witz, Selbstbewusstsein und Flirterei, die in einer absurden Bühnenhochzeit mit einem sich dem Schicksal ergebenden Gast gipfelt, singt und tanzt sich die Showmasterin durch die Reihen. Das spanische Multitalent Kerol übernimmt als aufgedrehter Priester die Trauung. Zum Anstoßen lässt er mit tiefer Stimmvibration den Korken aus einer Sektflasche knallen. The Geschmacksverstärkers, eine charmante Live-Band, untermalt das Spektakel mit Pop-Kulturgut zwischen Don McLean und Katy Perry. Ein herrlicher Irrsinn!

Eingespieltes Team: Das Servieren der Gänge ist eine Show für sich. Foto: Palazzo

Das Publikum ist so durchmischt, dass man sich tatsächlich fühlen könnte wie in einem englischen Pub. Nur dass am Nachbartisch nicht Keith Richards sitzt, sondern irgendein Charakterkopf aus dem alten West-Berlin. War der Herr mit der gestreiften Krawatte mal Bezirksbürgermeister von Spandau oder ein Nachrichtensprecher beim SFB? Opa würde es wissen. Und er würde sich darüber freuen, dass immer mal wieder das ganze Publikum seine alten Lieblingslieder singt und begeistert mitklatscht.

Zu den Beatles und ABBA könnte man durchaus auf den Tischen tanzen, doch an denen soll ja auch noch gegessen werden. Das vergisst man zwischen den vier Gängen von Starkoch Kolja Kleeberg fast, weil die virtuosen Diabolo-, Luftring- und Drahtseil-Darbietungen so viel Spaß machen.

Die Dinner-Show im Palazzo hat sich der Gegenwart geöffnet

Das Konzept des Gastgebers Hans-Peter Wodarz geht noch immer auf. Bereits in den 1970er-Jahren hatte er in seinem Wiesbadener Spitzenrestaurant versucht, etwas Lockerheit in die verkrampfte deutsche Ausgehkultur zu bringen. Damals waren bodenständige Hausmannskost und ausgefallene Kompositionen im feinen Lokal noch unvereinbare Gegensätze. Gehobene Gastronomie empfand man als spießige Angeberei. Offensichtlich brauchte es einfach ein paar Tänzer, Akrobaten und Humor, um die feine Küche offener zu gestalten. Dass gutes Essen Spaß machen darf, wissen längst auch Berlins spannendste Gastronomen. Tobias Beck zum Beispiel, der im Clärchens Mett­igel knetet oder Vadim Otto Ursus Henselder, bei dem man sich am Tresen auch gerne mal bekleckern darf. Und, ja, es steht auch dieser Dinner-Show gut, sich unverkrampft der Gegenwart geöffnet zu haben.

Im Palazzo fürchtet man sich nicht davor, die falsche Gabel zu wählen. Die Gänge müssen nicht großartig erklärt werden. Das Zweierlei von der Ente kommt mit Macaire-Kartoffeln, Romanesco, grünem Spargel und Honig-Rosmarin-Jus. Wer dem Romanesco nicht vertraut, schiebt ihn halt an den Tellerrand. Als Vorspeise wird ein Rote-Bete-Tatar auf Bulgur gereicht, zwischendurch ein confiertes Filet vom Winterkabeljau auf fantastischem Erbsenpüree. Eine schöne Hommage an den Pub-Klassiker Mushy Peas. Das Highlight ist das Dessert, ein Schokoladen-­Pistazien-Soufflé auf Piña-Colada-Chili-Salat mit Nougateis, das beim Anschneiden fast explodiert. Wer im „Nachtschwärmer“ feiert, hat keine Angst vor einem Fleck auf dem Hemd.

  • Palazzo Dinner-Show „Nachtschwärmer“ Spiegelpalast am Bahnhof Zoo, Hertzallee 41, Tiergarten, bis 8. März, Tickets ab 99 € pro Person, weitere Infos hier

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