Weinbar

Palsta in Neukölln

Den Koch zum Gärtner gemacht: Palsta, so nennt man in Finnland einen Schrebergarten – der dänische Küchenchef kommt just von dort. Vom guten Geschmack schöner Zufälle

Es schillert im Schillerkiez. Direkt über dem Tempelhofer Feld, wo irgendwann am Abend die untergehende Sonne gülden über Holz­tische regnet, auf denen gerade ein Kabeljau steht, kombiniert mit einem fast kohlrouladigen Weißkohl, mit Feldsalat und grünen Tomaten, die der Küchenchef aus dem eigenen Garten hat (12 Euro). Oder ein Schweinebauch samt knuspriger Haut und allerlei Gartengrünem (12 Euro). Produktfokussiert, vollmundig, mit vielen Bauch- und genauso vielen Kopfnoten, das sind so Teller, nach denen das neue kulinarische Berlin also schmeckt.

Man sollte das Palsta deshalb auch in der noch jungen Tradition jener Aufbruchstimmung betrachten, die 2014 mit dem unlängst geschlosse­nen Industry Standard begann: Fine Dining mit Fettfingern, Nordic Cuisine aus dem Geist jener aus der Popkultur transformierten Do-it-yourself-Idee. Mrs Robinson‘s in der Pappelallee oder der Gastro-Pub St. Bart im Graefekiez, das sind unsere aktuellen Lieblingsorte dieser lässigen, nie nachlässigen Gastlichkeit. Palsta könnte einer von ihnen zu werden.

Apropos: Dieses Palsta ist ein charmantes Kollektiv um die aufmerksame Gastgeberin Viivi Haussila-Seppo und Küchenchef Filip Sondergaard, der weiland für Victoria Eliasdóttirs wunderbares Fischrestaurant Dóttir nach Berlin gekommen war. Dass die Finnin Haussila-Seppo ihre Weinbar dabei nach dem finnischen Wort für Schrebergarten benannt hat und ihren dänischen Koch kurz darauf gerade in einem solchen fand, ist eine fast schon zu schöne Geschichte. Sondergaard lebt mit Freundin und Tomatenstauden in einer Datsche im Wedding und ­definiert mit seiner Küche, die immer auch die eines Gärtners ist, schon ziemlich überzeugend, wohin die Reise gehen soll.

Aber: Die fair kalkulierten (Natur-)Weine, ­exemplarisch die fast vergessene Rebsorte Gutedel vom jungen Weingut Wasenhaus, haben eine euphorischere Ansprache verdient. Und den kalten Speisen (Käse, Wurst, Pickels) hätten wir mehr von der Entschlossenheit und dem Twist gewünscht, den wir später auf den Tellern hatten. Das nämlich muss auch über diese neue Art der handwerklich-puristischen Küche gesagt werden: Sie darf, mit Verlaub, ruhig auch mal knallen.

Palsta Oderstr. 52, Neukölln, Mi-So 15-23.30 Uhr, www.facebook.com/palstawinebar

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