Essen & Trinken

Pongthon Surat und Dennis Ucak sind unbeirrbar

p_surat_d_ucak_c_hipiSie grinsen beide. Nicht aus Überlegenheit, eher weil sie Glück gehabt haben. Und das hatten die beiden nicht gerade häufig in letzter Zeit. Dennis Ucak und Pongthon Surat wollen als Köche viel, haben ihre Qualität auch schon unter Beweis gestellt, aber irgendwie klappte es nicht. Ucak versuchte es im Parc Fermй, Pongthon Surat drehte draußen in der Hundekehle eine Runde. Im Two Buddhas und zum Schluss nun auch noch im Luchs arbeiteten beide zusammen. Immer wollten sie mehr, anspruchsvolle Küche, vielleicht sogar einen Stern vom Guide Michelin. Denn beide hatten schon früher während ihrer Ausbildung in bestehenden Sterne-Küchen wie dem First Floor Erfahrung gesammelt.

Beide überzeugten innerhalb kürzester Zeit Gastro-Kritiker und Mitte-Gäste im Luchs. Doch es war nur eine kurze Episode in der Rosa-Luxemburg-Straße. Denn eine Küche auf hohen Niveau kostet, und zu Anfang ist das kalkulatorisch nicht nur die pure Freude. Wie gesagt, nach ein paar Monaten war Schluss an dieser Ecke mit der ambitionierten Kochkunst. Nach einer mehrmonatigen Pause und der Suche nach einem neuen Wirkungsraum trifft man Dennis Ucak und Pongthon Surat im Verrückten Hahn in der Oranienburger Straße wieder. Das ist eine mutige Entscheidung der beiden. Denn wer sich zum Beispiel am Freitagabend dorthin verirrt, der kann sich nur wundern, wie sich die ehemalige Ausgehmeile, die durch das Tacheles früher Treffpunkt der jungen Künstler und Kunstinteressierten war, entwickelt hat. Auch gastronomisch konnten Berliner und ihre Gäste aus einem internationalen Angebot wählen. Aber heute? Das jüdische Restaurant Oren ist sang- und klanglos verschwunden. Heute glauben nur einige Gruppen von jungen Menschen aus aller Welt, hier auf ihre Kosten zu kommen. Vor den Türen der Kneipen stehen Animateure, um sie ins Lokal zu locken.

Mutig ist auch Joe Laggner. Er ist einer der hiesigen Gastronomen und Unternehmer, die der kulinarisch unterentwickelten Hauptstadt mit seinen Lutter & Wegner-Filialen die österreichische Küche für jeden Geldbeutel beschert hat. Später wurden das Restaurant in der Kantstraße und das in der Oranienburger Straße in Beisl umbenannt. Mit Erfolg? Die Küche blieb jedenfalls weitestgehend gleich. Doch nun wird das Beisl in der Oranienburger Straße zum Verrückten Hahn – und Laggner hat Ucak und Surat die Chance ermöglicht, hier etwas ganz anderes auszuprobieren. Im Februar ging es mit den Umbauarbeiten los. Innerhalb von 14 Tagen haben Dennis Ucak und Pongthon Surat mit der Unterstützung des Künstlers und Innendesigners Jean-Yves Klein das Restaurant umgestaltet. Die Inneneinrichtung ist jetzt nicht nur zeitgemäß, sie signalisiert offene Gastfreundschaft, in der man auch Tische für intime Zweisamkeit findet. Der Wein ist noch aus dem Bestand, kommt also vorwiegend aus Österreich. „Wir möchten gerne Weine von jungen deutschen Winzern anbieten, auch einige aus Frankreich.“ Dennis Ucak ist nun Geschäftsführer und erarbeitet mit seinem Weggefährten Pongthon Surat die Speisekarte.

Französisch angehaucht, mit asiatischem und internationalem Einfluss – urban? So die Frage nach dem Stil. Dennis Ucak lacht, urban findet er immer gut. „Wir wollen mit Qualität punkten, mit guten Produkten.“ Beim Beef Tatar ist die Zuverlässigkeit der Küche und die Qualität des Rinderfilets auch zu schmecken, wie übrigens auch bei der Eigelb-Trüffelcrиme, Ucaks Kreation. Bei der knusprigen Bachforelle ist der Stil von Surat erkennbar: Pak-Choi und das Wasabi-Püree sind die offensichtlichen Zutaten. „Wir werden in einem Zeitraum von vier Wochen die Karte immer wieder verändern, der Saison und deren Produkten geschuldet.“ Ucak und Surat sind derzeit noch am Entwickeln und Testen. „Den jungen Knoblauch beim Parfümierten Hahn (das ist eine ausgelöste Hühnerkeule mit Gemüse und Gratin Dauphinois), werden wir in Milch kochen, damit er zarter wird“, so Surat. Klassiker wie Steak Frites oder Flammkuchen sowie Crиme Brыlйe soll es immer geben.

„Wir hoffen, dieser Ecke auch neues Leben einzuhauchen“, und mit dem Service-Team unter der Leitung der souveränen und professionellen Angelina Martini sind sie wohl auf der sicheren Seite. Und bei einer letzten ketzerischen Frage, wie es denn mit Convenience Food aussieht, kommt die prompte Reaktion. „Das wird es hier niemals geben!“ so Ucak und Surat einstimmig. „Dafür bürge ich mit meinem Namen, wie Claus Hipp zu sagen pflegt“, sagt Dennis Ucak und sie grinsen wieder beide.

Text: Eva-Maria Hilker

Foto:Sarah Heuser / HiPi

Verrückter Hahn Oranienburger Straße 52-53, Mitte, Tel. 24 78 10 78, www.verrueckter-hahn.de, Mo-Sa ab 17 Uhr, Speisen von 4 bis 12 Ђ, Softdrinks ab 2,50 Ђ, Bier (0,3 l) 2,90 Ђ, Wein (0,1 l) ab 2,50 Ђ, Fl. (0,75 l) ab 20 Ђ

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