Essen & Trinken

Prenzlauer-Berg-Bashing

Es gab schon Restaurantbesuche, die nächtelanges Porzellanküssen zur Folge hatten. So nennt man unter Gourmets die Folgen einer etwaigen Lebensmittelvergiftung. Doch als Journalist darf man darüber nicht schreiben. Höchstens man hat in einem sterilen Röhrchen von jedem Essen eine Probe genommen und diese in einem Lebensmittellabor untersuchen lassen. Nun flattert ein offener Brief via Email ins Büro, wo ein Doktor zwei Restaurants namentlich erwähnt, deren Speisen angeblich eine Lebensmittelvergiftung zur Folge gehabt hätten. Und den „Junggastronomen“ in Prenzlauer Berg scheint er generell zu unterstellen, sie seien nicht in der Lage mit Lebensmitteln und deren Haltbarkeit umgehen zu können. Dann bekommen wir „Vertreter der Medien“ auch noch einen klaren Hinweis, nämlich dass wir uns aufs Wesentliche konzentrieren sollten.

Tja, der gute Mann vergisst nur, dass wir Kritiker nach unseren Probe­essen nicht vergiftet wurden, und wenn das passiert, dann hängen wir den Mantel des Schweigens darüber, sprechen mit dem verantwortlichen Restaurant­leiter oder -besitzer, damit so etwas in Zukunft vermieden werden kann. Denn jeder in der Gastronomie weiß, dass Fehler passieren und dass sie, in der heutigen, sensiblen Zeit in der Stadt deutlich verlautbart, schon mal die Existenz bedrohen können. Eine jour­nalistische Grundregel heißt deshalb: Einfach direkt vor Ort die Sache zur Sprache bringen. Und übrigens hat jeder der Kollegen solcherlei Erfahrungen schon gemacht, ob in Mitte, in Kreuzberg oder Schöne­berg. Die Kenntnisse oder Unkenntnis im Umgang mit der Verderblichkeit von Waren ist kein spezielles Merkmal von Prenzlauer Berg.

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