Kommentar

„Prinzen-Rolle“ von Clemens Niedenthal

Er wurde ja bereits als ewiger Gärtner verlacht, der Mann in der geflickten Barborjacke. Weil ihn seine  Mutter eh nicht auf den Thron lässt und er, Charles Philip Arthur George, Prince of Wales und Duke of Cornwall, sich deshalb um die Rosen kümmert.

Clemens Niedenthal

Und um die Schafe, um historische Rinderrassen, um den ökologischen Landbau auf seinem Gut in Cornwall. Kurz: Er verkörpert den Archetypus, ja das Klischee des Landadeligen, dessen Rückbesinnung auf altgediente Werte, Kulturtechniken und Lebensstile, schwupps, schon wieder ganz weit in die Zukunft des Handgemachten und Biodynamischen weist: Einen wie Prince Charles kann man sich aus mannigfaltigen Gründen nicht in einem Discounter vorstellen.
Über Jahrhunderte genauso unvorstellbar: dass ein Mitglied derbritischen Königsfamilie ausgerechnet französischen Bauern zur Seite springt. Charles hat just das  jetzt getan. Wobei er genau genommen den Bakterien zur Seite gesprungen ist. Jenen raren Käsekulturen, die die Europäische Union nun nivellieren will. Sauber soll es werden im Käse­regal, vor allem im übertragenen Sinne, was eben eine Reduktion der Geschmacks- ja Sinneseindrücke zur Folge hätte. Richtig also, dass der sinnliche Prinz für den Käse kämpft – und sich keine mikrobenfreie Zukunft vorstellen kann. Und genau deshalb will ich mir auch für Prinz Charles keine königliche Zukunft vorstellen. Er hat seine Rolle doch ganz augenscheinlich längst gefunden.

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