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Regional und Saisonal: Spargel!

Regional und Saisonal: Spargel!

Gut, dass Carl Friedrich Wilhelm Herrmann ein experimentierfreudiger Zeitgenosse war. Eigentlich Glasermeister von Beruf, baute er in Beelitz den ersten Spargel an. 1861 war das. Und fortan bescherte er dem gemeinen Volk das sonst allenfalls in der feinen Gesellschaft bekannte Königsgemüse.
Deutschlandweit liegt Brandenburg heute mit rund 3.100 Hektar nach Baden-Württemberg und Bayern auf Platz drei der deutschen Spargel-Anbaugebiete und liefert cirka 15.900 der insgesamt 112.000 Tonnen des hierzulande geernteten Spargels. Das macht für jeden Bundesbürger an die 1,5 Kilo Spargel im Jahr.  Ach was im Jahr, in der Saison. Die hat in diesem Jahr glücklicherweise ein paar Tage früher angefangen und geht bis zum Johannistag am 24. Juni.
Wie kein anderes Gemüse sind die Stangen Statussymbol und werden selbst von Grünzeug-Muffeln gegessen. Dass Spargel vitaminreich ist (A, B1, B2, C und E) und wenig Kalorien hat, rund 180 pro Kilo, kann nicht der einzige Grund für den Titel "Lieblingsgemüse der Deutschen" sein. Schließlich sorgen Sauce hollandaise, geschmolzene Butter und panierte Schnitzelchen gemeinhin schon für ein, nun ja, Sättigungsgefühl. Aber der Spargel hat eine gute Vita: Heilmittel bei den alten Ägyptern, preislich schon bei den Römern hoch gehandelt und eine Delikatesse an den europäischen Adelshöfen ab dem Mittelalter.
"Spargel ist das erste Gemüse des Frühlings und er eröffnet die Außensaison", nennt "Havelland Express"-Geschäftsführer Michael Kunzmann ein weiteres Motiv für die Spargel-Euphorie. Hinzu käme die letztendlich auf den Tag genau definierte Saisonalität eines sich durch Frische auszeichnenden Gemüses, das im Gegensatz zu anderen essbaren Pflanzen Hauptakteur auf dem Teller ist.
"Einige Beelitzer Spargelanbauer – insgesamt sind es um Beelitz rund 1.600 Hektar Anbaufläche und eine Erntemenge von rund 10.000 Tonnen in diesem Jahr – arbeiten mit Folien für eine frühere Ernte", sagt Manfred Schmidt vom Verein Beelitzer Spargel, der im dortigen Spargelmuseum auch kurios gewachsene Spargelstangen konserviert und ausgestellt hat. Die Folien, die zwei bis drei Monate aufgelegt und dann wieder entfernt würden, seien umweltverträglich. Der Nebeneffekt, so Schmidt, sei, dass es keine große Verdunstung gäbe und die Felder vor Winderosionen geschützt würden. Regenwürmer gäbe es auch dort weiterhin genug im Boden.
Die "Verfrühung" stößt nicht überall auf Gegenliebe. Grundsätzlich aber sei, so Christian Rehmer, Leiter Agrarpolitik beim BUND, der weiße Spargel als regionales und saisonales Gemüse zu begrüßen, statt im Januar den "Asparagus officinalis", so der botanische Name, etwa aus Peru zu kaufen. Und da leistet der Spargel, was beispielsweise der Erdbeere nicht mehr gelingt. Auf ihn warten wir geduldig, ja wir verzehren uns sogar an diesem Ritual.         

Text: Manuela Blisse

Foto: Christian Werner

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