Essen & Trinken

Restaurant 44

Danijel Kresovic hatte wirklich keinen einfachen Start und hat nach fast einem Jahr keinen Michelin-Stern bekommen. Das soll keine Rolle spielen bei unserem Besuch. Denn wie man ja weiß: Sterne, Hauben, Punkte sind nicht alles in der gas­tronomischen Welt. Und die fachkundige Begleitung ist als sogenannte kulinarische Blauhelmtruppe bekannt, die immer für eine Besänftigung unverhältnismäßig harscher Kritik sorgt. Also beste Vo­raussetzung, um diesem Mann und seinen Fähigkeiten ein angemessenes Urteil zukommen zu lassen.
Doch schon beim Zugang zum 44 klappt es nicht so richtig. Der Aufzug beim separaten Eingang des Hotels funktioniert nicht. Ist zwar nicht so schlimm, es geht auch über den Haupteingang.
Vielleicht sollte die Kategorie „traurig“ bei der Restaurantbewertung eingeführt werden? Aber da zwei Gäste für diesen irritierenden Abend über 200 Euro hinblättern müssen, ist dieser Besuch einfach nur ärgerlich. Das liegt auf keinen Fall am Engagement aller Beteiligten, das ist spürbar und fast rührend, wie sich der Service um die Gäste bemüht. Das kann man auch der Küchencrew unterstellen. Alles sehr junge tapfere Menschen, die alles probieren, damit irgendwie ein Anspruch, eine Linie erkennbar wird. Das klappt leider nicht, vielleicht lag es daran, dass Küchenchef Danijel Kresovic an diesem Abend nicht zu sehen war. Trotzdem müsste seine oder irgendeine Handschrift erkennbar sein. Laut Homepage soll sich der Küchenchef mit seinem ausgefallenen Konzept eine Nische in der kulinarischen Metropole Berlins erobert haben. Kleine Portionen sollen ungewöhnliche Menüs ermöglichen. Aber es gibt auch ein Degustationsmenü, das Überraschungsmenü, und die Kellnerin bietet sich an, eine zweite Variante für uns zusammenzustellen. Die Kellnerin wohlgemerkt, nicht die Küche!
En dйtail: Der Gruß aus der Küche – Lachstatar – verwirrte durch den Mangospiegel, dessen süße Säure sich unerbittlich im Mund etablierte und die Schleimhäute reagieren ließ wie auf puren Zitronensaft. Die Vorspeise in drei Komponenten: Erdnuss-Samosa, Zitronengras-Curry, Orangen-Kardamom-­Eis. Das Süppchen war gerade noch lauwarm und auch schon wieder mit tropischer Süße angereichert. Das Eis ließ die Fragen offen – warum als Vorspeise und warum gibt es dafür keinen Löffel? Und das setzt sich leider bei allen weiteren Gängen so fort. Immer ist etwas dabei, was gut ist. Die Rosenkohlblättchen, die Entenconsommй, in der die Ravioli gefährlich heiß schwimmen, vermutlich kommen sie aus der Mikrowelle. Dann soll da irgendwo Risotto sein, und trotz schlechter Lichtverhältnisse glaubt man Graupen zu erkennen und zu schmecken. Der Adlerfisch thront auf einem fein gehackten Gurkenhäufchen, wird kalt von unten, die Schwarzwurzeln sind wieder okay. Das Rinderfilet war außergewöhnlich gut für den gesamten Abend, auch am Lammrücken gab es nichts zu mäkeln, aber um das Auberginenmus muss­te der Gast einen großen Bogen machen, es war einfach sauer. Und so entglitt einem die Freude am Genuss, die auch der Service mit seiner Freundlichkeit nicht retten konnte. Auch dann nicht, als er den abschließenden Espresso brachte – ohne Zucker. Der konnte ja bei der Kellnerin nachbestellt werden, die wiederum ihrem jungen Kollegen Bescheid sagte, der wiederum in einem fast vorwurfsvollen Ton fragte, ob wir Zucker bräuchten. Hilflosigkeit eben.
Es wurde am ganzen Abend nicht klar, wer für was und wen zuständig ist. Und von den viel gerühmten Kräutern haben wir definitiv nur im sehr guten Öl fürs Brot einen Eindruck bekommen. Es gibt Potenzial, unbestritten in Details zu entdecken, aber es muss auch jemand geben, der das fördert, der den Ton angibt. So jemand scheint von Bord gegangen zu sein – oder er nimmt eine Auszeit für einen Neuanfang?

Text: Eva-Maria Hilker
Foto: Jens Berger

Bester Tisch:
mit Blick auf den Ku’damm
Bestes Detail: Höckerchen für die Handtasche

Restaurant 44 im Swissфtel,
Augsburger Straße 44, Tel. 220 10 22 88;
Mo-Sa 12-14.30 + 18-22.30 Uhr;

Speisen 26 bis 36 Ђ;
Softdrinks ab 3,50 Ђ,
Bier (0,3 l) ab 4 Ђ, Wein (0,1 l) ab 5 Ђ,
Fl. Wein (0,75 l) ab 26 Ђ;
Rauchen nur draußen,
im Winter mit Decken, im Sommer mit Sonnenbrillen

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