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Restaurantkritik

Restaurant Remi im Suhrkamp-Verlag: Über diesen Ort will man lesen

Das Remi ist das Schwesterlokal des wunderbaren Lode & Stijn – und Untermieter des Suhrkamp-Verlags. Es ist das Gesellschaftslokal eines kontemporären Berlins.

Ein Ort, über den man in Romanen lesen will: Stijn Remi und Lode van Zuylen im Remi. Foto: Robert Rieger

Grand Cafés haben sich in Berlin nie so ganz durchgesetzt. Da gab es mal das Grosz am Kurfürstendamm, aber das war zu sehr in einem historisierenden Berlinbild gefangen. Oder das Einstein, aber das ist eine ganz eigene Welt. Lode van Zuylen und Stijn Remi, die man aus ihrem famosen Lokal Lode & Stijn in Kreuzberg kennen könnte, aber sind aufgewachsen mit der Kultur des Grand Cafés in den Niederlanden. Und übersetzen diese nun ins zeitgenössische Berlin. In Kooperation mit einem Partner, der passender nicht sein könnte: dem Suhrkamp-Verlag. Hatte nicht Roland Barthes, natürlich bei Suhrkamp, in seinen Mythen des Alltags auch über „Beefsteak und Pommes Frites“ geschrieben?

Vor zwei Jahren schon kam der Verlag also auf die beiden Gastronomen zu, ob sie denn im Erdgeschoss des Neubaus an der Torstraße nicht ein Restaurant realisieren wollten. Sie wollten, nun ist das Remi Realität. Ein luftiger Gastraum, ganz aus Glas, mit offener Küche als sein schlagendes Herz. Ab mittags kann man einkehren, zum unkomplizierten Lunch, oder auf einen Kaffee und eine Zeitung.

Remi: Abends läuft das junge Team zur Höchstform auf

Abends dann läuft das junge Team zur Höchstform auf. Wobei all diese wunderbaren Teller nie nerdig oder überspreizt, sondern sehr, sehr lässig daherkommen. Das Pancetta vom Apfelschwein mit Blaubeeren und Radicchio etwa oder ein als Weißkohlsalat interpretierter Kohlrabi: Gastgeber Stijn Remi darf ja als der Berliner Gatsronom gelten, der sich um die Rehabilitation des Begriffs„lekker“ verdient gemacht hat. Auf die Küche des Remi passt das wie der Topf auf den Deckel.

Saisonale à-la-Carte-Gerichte kann man zu einem viergängigen Menü (55 Euro) kombinieren: wunderbare Taglioni mit Herzmuscheln etwa, oder ein Stück Huhn, das im besten Sinne an Brathuhn aus der Kindheit erinnert. Nur besser. Viel besser. Und es hat glücklich gelebt. Ein Fest auch das Choux à la Crème, eine Art Windbeutel, mit hausgemachtem Zwetschgeneis und Sahne.

Das Mitte-Inventar ist schon im Remi eingezogen

Derart beglückt kann man von der Bühne treten. Wobei das Remi dank des nüchternen, doch sehr präsenten Interieurdesign von Ester Bruzkus tatsächlich zu einer Bühne taugt. Apropos: Das Mitte-Inventar, die Schauspielerinnen und Chefredakteure, ist auch schon da. Womit dem Remi zum Gesellschaftslokal wohl nur noch Roland Barthes „Beefsteak“ oder eben August Borchardts Schnitzel fehlen. 

Wäre Berlin nicht längst ein ganz anderes geworden – wovon im unaufgeregt weltläufigen Remi eben nicht nur die entschlossen zeitgenössische Küche erzählt. Kurzum: Ein wunderbarer Ort für das Hier, das Jetzt und für viele Jahre, die da kommen werden. Texte: Aida Baghernejad & Clemens Niedenthal

  • Remi Torstraße 48, Mitte, Tel. 27 59 30 90, Di–Sa 12–15 Uhr + 18–22 Uhr, www.remi-berlin.de

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