Die Ästhetik der Aromen und ein Berlin-Gefühl in intuitiven Wohlfühlportionen: Caecilia Baldzsus und Arash Ghassemi liefern mit der Bar Basta in Mitte den perfekten Fluchtpunkt aus unserer seltsamen Zeit.

„Die ersten zwei Wochen waren schon so toll“, sagt Arash Ghassemi und grinst. Der Gastronom, an dem man spätestens seit dem Pop-up seines Projekts Lobb im Hotel Casa Camper im vergangenen Sommer an der Weinmeisterstraße nicht mehr vorbeikommen kann, ist wieder in Berlin. Zwischenzeitlich ging es nach Marseille, nach New York. Jetzt also wieder Berlin-Mitte, wieder das Casa Camper. Und wieder gemeinsam mit Caecilia Baldszus, die einst in Wedding mit dem Baldon im Lobe-Block reüssierte. Nur der Name ist heute ein anderer: Aus dem Lobb wurde die Bar Basta. Das klingt nach Italien, nach Espresso-Bar mit Blick auf das Mittelmeer. Die Stimmung ist ähnlich unprätentiös und lässig, Espresso gibt es auch – aber die Bar Basta ist schon sehr offensichtlich Berlin, ein entspanntes, weltläufiges, angenehm hedonistisches Berlin. Aber dazu später mehr.
Bar Basta bespielt das ganze kulinarische Programm des Hotels
Der Gedanke liegt nahe, dass das Pop-up im vergangenen Jahr die Ouvertüre zu dieser nun prinzipiell erst einmal unbefristeten Kollaboration zwischen den beiden Gastronom:innen und dem Hotel der mallorquinischen Schuhmarke Camper sein sollte. Tatsächlich kam das Angebot, längerfristig zusammenzuarbeiten, erst nach dem erfolgreichen Gastspiel. „Sie haben gesehen, dass wir das zwei Monate lang erfolgreich bespielen konnten, also haben sie uns gefragt, ob wir Lust haben, Partner zu werden“, erzählt Ghassemi.
Das bedeutet: das ganze kulinarische Programm des Hotels zu bespielen. Tägliches Frühstück, 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche. „Wie wir Lunch und Abend machen, das bleibt uns überlassen – und wir haben uns entschieden, erst einmal mit dem Frühstück zu starten und dann peu à peu den Rest an Bord zu bringen“, erklärt Ghassemi. Schließlich sei die Aufgabe, eine täglich geöffnete Ganztags-Gastronomie zu führen, für alle neu, ergänzt Baldszus, „aber am Ende ist es wie Fahrradfahren.“ Die Bar Basta, um im Bild zu bleiben, rollt bereits geschmeidig.
Lángos, Saibling, Feldsalat
Es hilft dabei, dass beide einschlägige Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt haben und gute Organisation und Struktur in den Vordergrund stellen. Und dass ihre Zusammenarbeit organisch gewachsen ist – vor einem Jahr kannten sich Ghassemi und Baldzsus noch gar nicht. Aber durch den reibungslosen Verlauf des Lobb und anschließender gemeinsamer Projekte im Ausland war klar: sie teilen ein Arbeitsethos – und eine Vision.

Frühstück servieren sie schon seit Anfang März. Unter der Woche bleibt es simpel, aber gut: ein Keks mit einem Glas eiskalter Milch. Gegrillte Croissants mit Schinken, Käse oder beidem. Granola, veganer Porridge mit karamellisierter Banane, Ei, Käse und Brot zum Stippen, Sauerteigtoast mit Käse, mit Ricotta, Tahini und warmem Honig oder ein klassisch französisches Schinken-Butter-Baguette. Und natürlich der Star der Alltagskarte: eine ganz eigene Variante von Çilbir, türkisches Ei im Glas. Hier treffen weiche Eier und Joghurt auf mexikanische Salsa Macha, Chiliöl mit Nüssen. Einfach und einfach umwerfend.
Am Wochenende wird die Karte in der Bar Basta erweitert
Am Wochenende, zum „extra laaangen Frühstück“ (auf keinen Fall Brunch!) wird die Karte um ein paar fantastische Cocktails im Glas oder in der Karaffe (!) und ein paar kulinarische Schwergewichte ergänzt. Wer damals bereits beim Lobb-Pop-up war, dürfte das ungarische Lángos wiedererkennen, das hier mit butterweichem Saibling, Feldsalat, saurer Sahne, Meerrettich und Dill gekrönt wird. Oder ein French Toast mit Mascarpone und Crème anglaise mit Fenchelsaat. Und das „O. D. B. Sandwich“, was hier nicht für den legendären Rapper Ol’ Dirty Bastard steht, sondern für „Ol’ Dirty Basta“. Das besteht aktuell aus Fleischbällchen mit Bärlauchpesto und Ricotta, dazu eine Jus, die man sich selbst nach Gusto über die Füllung kippt. Ein bisschen interaktiv, ein bisschen haptisch, ein bisschen spielerisch.

Mit dem Essen spielt man doch
Überhaupt ist „spielerisch“ so ein guter Begriff für dieses lockere Lokal: Es soll Spaß machen, betonen Baldszus und Ghassemi immer wieder, womit wir dann wieder beim Hedonismus wären. Aber eben einem entspannten Hedonismus, der sich nicht beweisen muss, sondern einfach den Moment genießen. Distinktion über Zugänglichkeit, könnte man sagen – „es wird jetzt keine Kaviar-Gerichte geben, um die Preise unnötig in die Höhe zu schießen“, erklärt Ghassemi, „wir versuchen beim Frühstück und beim Lunch so zu kalkulieren, dass die Leute auch wiederkommen können.“
Der Lunch soll irgendwann folgen, ein einfacher, wechselnder Mittagstisch. Davor aber ist bereits der Dinnerservice gestartet. Und auch da sollen Zugänglichkeit und Spaß im Zentrum stehen. Etwa mit Lammkoteletts, serviert einzig mit einem Pott Salsa Verde an ihrer Seite. „Easy Gerichte, die Spaß machen“, nennen es die beiden Gastronomen, „einfach zu verstehen.“
Vielleicht liegt genau darin der Schlüssel zum Erfolg des Lobb letztes Jahr und die Chance für die Bar Basta: in politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich unsicheren Zeiten dürstet es nach Einfachheit, nach kurzen Ausflüchten aus der Realität, die keinen theoretischen Überbau verlangen. „Die Zeiten sind so düster, da draußen in der Welt“, sagt Baldszus, „da muss einfach ein bisschen etwas Buntes rein, um den Alltag zu durchbrechen.“
- Bar Basta in der Casa Camper, Weinmeisterstr. 1., Mitte, Mo–Fr 7.30–12 Uhr, Sa+So 7.30–15 Uhr (Frühstück). Di–Sa ab 18 Uhr (Dinner), Bar jeweils bis 1 Uhr, bei Instagram
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