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Brasserie Dandelion: „Ich wollte einen Ort, der fresh ist“

Qingqing Hu kam als Kind aus China nach Schöneweide. Sie ist Architektin und Gastronomin, in Berlin betreibt sie die Brasserie Dandelion – „ein Ort, der fresh ist“, wie sie sagt. Und der die Vielfalt von Biografien in gegenwärtige Fusionküche packt.

Japanisch-jamaikanisch: Das Katsu Sando bringt die Brasserie Dandelion von Qingqing Hu lustvoll auf den Punkt. Foto: Michael Shuker

Brasserie Dandelion: Lustvoll dem Dogma der porentief reinen Länderküche widersetzen

Und noch eine starke, vor allem coole Frau: Qingqing Hu kam als Achtjährige aus China nach Schöneweide. Ihre Eltern hatten China verlassen, weil sie sich, zu ihrem größten Glück, der staatlich doktrinierten Einkindpolitik widersetzt hatten. Ob das damals nicht ein Kulturschock war? „Ich habe einfach alle Menschen, vor allem die Großen und die Rothaarigen, staunend betrachtet, ich war konstant fasziniert.“

Diese positive Neugier hat sich Qingqing Hu bis heute bewahrt. Was seitdem noch passiert ist? Ein Architekturstudium und zehn Jahre hinter dem Tresen im Magnet in der Greifswalder Straße. Der Vater  Koch, der Job in  der Nachtkultur, als Architektin arbeitet Qingqing Hu auch oft für gastronomische Projekte. Das macht sie jetzt nur noch vormittags, den Rest des Tages ist sie selbst Gastronomin. Dandelion heißt die von ihr mit viel rohem Holz und einigem Neonlicht entworfene,  unaufgeregt coole Brasserie. Sie reiht sich ein in die noch immer kurze Liste zeitgenössischer Restaurants von Migrant:innen der zweiten Generation, die sich dem Dogma der porentief reinen Länderküche lustvoll widersetzen. Dashi Diner, Love Deluxe, nun also die Brasserie Dandelion.

„Ein Ort, der fresh ist“: Brasserie Dandelion. Foto: Michael Shuker

„Ich wollte einen Ort, der fresh ist“, sagt Qingqing Hu. Und meint damit auch: „Woher kommt diese komische Idee, ich als Chinesin sollte bei der Pekingente bleiben?“ „Wir kommen heute alle so viel rum, haben viel gesehen und geschmeckt“, ergänzt Küchenchef Troy Lopez, zuletzt Teil des jamaikanischen Restaurant Rosa Caleta in Kreuzberg. Hat Lopez Stress, beginnt er zu backen. Weil eine Restauranteröffnung stressig ist, gibt es im Dandelion gerade einen großartigen Ingwer-Matcha-Orange-Kuchen.

Was es noch  gibt: japanisches Katsu. Sando-Sandwichs mit überragendem (jamaikanischem) Fried Chicken (11,80 Euro). Italienische Carbonara mit japanischen Udon-Nudeln (15,80 Euro), Gemüse-Tempura oder japanische Curry.

Was es (noch) nicht gibt: eine Alkohollizenz. Aber bis dahin sind auch der kalt aufgegossene Grüntee und die sprudelnde Quitte der Saftmanufaktur van Nahmen köstlich.

  • Dandelion Warschauer Str. 36, Friedrichshain, Di–Sa 12–22 Uhr (Küche schließt von 15.30 bis 17 Uhr), Instagram

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