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Cumberland Restaurant am Ku’damm: Ku’verdammt gut

Eine mondäne Immobilie, ein großartiger Koch – und eine für gastronomische Unternehmungen schwierige Adresse: das ist das Cumberland Restaurant am Kurfürstendamm. Eine Herausforderung, die das neue Lokal exzellent löst.

Große Bühne, exzellent bespielt: das neue Cumberland Restaurant im altehrwürdigen Cumberland Haus auf dem Kurfürstendamm Foto: Maximilian Meisse

Cumberland Restaurant am Ku’damm: Ein Geschenk für Berlin

Mondän, beinahe imperial –  dieses Gebäude beeindruckt. Erbaut ab 1911 vom Architekten des alten Adlon, Robert Leibnitz, diente es ursprünglich als Boarding-House für den Jet Set einer zunehmend globalisierten Welt, bevor es Kriege und unruhige Zeiten zum Behördenbau degradierten. Später Leerstand und Filmkulisse (die „Bourne Verschwörung“ und Leander Hausmanns „Hotel Lux“), ehe das Cumberland Haus ab 2012 wieder zum kulinarischen wie gesellschaftlichen Anker  am mittleren Kurfürstendamm (also zwischen Chanel, Burberry und neuerdings natürlich Balenciaga) werden sollte. Grosz hieß das Restaurant, mit dem Roland Mary die Idee seines Borchard in den Westen transformieren wollte. Zu unentschlossen, seit 2019 ist das Grosz Geschichte.

Nun kehrt neues kulinarisches Leben in die frühere Filmkulisse ein. Ein roter Teppich liegt zwar nicht aus, aber ein Hauch von Catwalk umweht den langgezogenen Pfad durch die drei Bereiche des Cumberland mit seinen mehr als 120 Plätzen. Vorne der Auftakt mit der Weinbar, deren entspannte Atmosphäre mit Erdfarben an den Marmortischen unterm opulenten Kronleuchter zum Daydrinking lockt. Bekannte Berliner Gesichter füllen die Gläser: Restaurantleiter Benjamin Becker kommt aus dem Golvet, Sommelier Steve Hartzsch war etwa im Einsunternull. Beide stehen für eine neue Weinkultur, viele Naturweine, fast alles naturnah ausgebaut. Beeindruckend, wie elegant und nie aufdringlich die Weinbegleitung an diesem Abend war. Keine Muskelspiele, keine Allüren, zarte Weine gerade zu Beginn – und in der Rückschau ausdrucksstark und geradezu zwangsläufig.

An die Weinbar schließt sich ein gigantischer schwarzer Marmortresen an. Dahinter folgt der Fine Dining Bereich mit petrolfarbenen Sitzmöbeln an weiß gedeckten Tischen. Womit wir zu Küchenchef Dennis Melzer kommen, zuvor Sous-Chef in Joachim Wisslers Vendôme in Bergisch Gladbach. Die Aromen, die Konsistenzen: Handwerklich (mag man es nun Alte Schule nennen oder einfach nur verdammt lecker) ist dieser Koch eine Bereicherung, ja ein Geschenk für Berlin.

Cumberland Restaurant am Ku’damm: Frankreich trifft Berlin

Das Konzept rückt die klassische Küchenphilosophie Frankreichs in den Mittelpunkt, um sie zeitgemäß saisonal und regional zu umgarnen. Großartig der Saibling „Finkenwerder Art“, in Nussbutter confiert mit eingelegter Senfsaat und gepickelten Radieschen (38 Euro). Ein traumhafter Gang, frisch und erdig zugleich. Dazu ein Spiel mit Texturen mit Creme, Crunch und Kügelchen. Als Hauptgang konnte das Lamm aus Nacken und Rücken überzeugen (44 Euro). Gewürzt mit einer Salz-Pfeffer-Marinade und Holzkohleöl für ein dezentes Raucharoma. Das Lamm kommt von Poltinger in Niederbayern, der Binnenfisch von der Fischzucht Birnbaum in Landsberg am Lech – wo Melzer (noch) nicht auf lokale Produzent:innen setzt, setzt er eben auf die besten Produkte, die es hierzulande gibt.

In der Weinbar gelingt ein erster Eindruck preislich günstiger mit einem Stück Quiche Lorraine zu sieben und einer Auswahl von drei Gläschen Petites bouchées zu 15 Euro. Dazu ein Glas Reserve della Contessa von Manincor aus Südtirol (7,5 Euro). Flaschenweise wird man nicht unter 50 Euro fündig. Die Weine sind das  zweifelsohne wert – und doch ist es  keine einladende Kalkulation für eine Weinbar, die sich als zwanglose Hauptstadtgastronomie bezeichnet. Aber den Dreiklang aus Fine Dining, zeitgemäßer Trinkkultur und gesellschaftlicher Bühne wird man im sehr neuen Cumberland noch hier und da nachjustieren. Im Miteinander aus Tradition und Gegenwärtigkeit, aus Oberflächenglanz und Produkttiefe ist dieses Restaurant schon jetzt sehr weltläufig und beeindruckend gut. Mittags bietet die Küche einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch ab 32 Euro für zwei Gänge und im Sommer kommt ein lauschiger Innenhof hinzu. 

  • Cumberland Restaurant Kurfürstendamm 194, Charlottenburg, Tel. 030 27 69 63 08, Lunch: 12–15 Uhr, Weinbar: 15–22 Uhr, Dinner: 18.30–22 Uhr, www.cumberland-restaurant.de

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