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Der frische Franzose: Nikolai Regehr und seine Weine in der Neuen Odessa Bar

 

Odessa


Nikolai Regehr:

„Mein Hauswein ist ein Franzose. Vom Weingut meines besten Freundes. Der ist wiederum auch Franzose. Sein Weingut Chвteau de Roquefort liegt in der Nähe von Marseille an der Cфte de Provence. Es ist ein uraltes Weingut, das er ziemlich runtergekommen von seinen Ahnen übernommen und innerhalb von nur wenigen Jahren wiederbelebt hat. Raimond gilt heute als einer dieser jungen, wilden Weinbauern des Landes – alles muss Bio sein und am besten auch dynamisch. Ich habe dort 2004 gearbeitet und mir damit einen Kindheitstraum erfüllt.

Ich kannte das Gut zwar schon vorher, aber was für eine Scheißarbeit das ist, das wusste ich natürlich nicht. Als Außenstehender findet man das schick und denkt, dass man die ganze Zeit Weine verkosten kann, aber da steckt verdammt harte Arbeit dahinter. Wenn die Ernte nicht innerhalb von zwei Wochen eingebracht ist, dann hat man das ganz Jahr verloren und umsonst gearbeitet. Die Weinlese dauert insgesamt nur 10 Wochen, inklusive Vorbereitung und der Arbeit im Keller.

Ich wusste, dass es schwere Arbeit wird, aber 15 Stunden täglich, damit hätte ich nicht gerechnet. Die Weinherstellung ist ein Mysterium für sich. Die ganzen Prozesse, die der Wein durchläuft, vom regelmäßigen Umgießen über das Fiebermessen, damit die Gärung kontrolliert verläuft – überall steckt viel Arbeit drin. Für mich ist das pure Weinpornografie. Aber – ich habe mit meinen eigenen Füßen in einem dieser riesigen Bottiche gestanden und die ganzen Trauben- und Schalenreste in einen Kübel geschaufelt.

Der Matsch ging mir bis zu den Hüften. Durch die Gärung herrschte dort eine Temperatur von mindestens 40 bis 50 Grad. Ich musste beim Arbeiten die ganze Zeit singen, damit die Jungs oben, die den Kübel hochziehen, wussten, dass ich noch lebe. In diesen riesigen Behältern kann man binnen Minuten sterben. Der viele Alkohol und die Hitze, das kann ganz schnell tödlich enden.


Den Wein schön zu servieren, ihn zu trinken oder zu verkaufen, das ist definitiv der einfachere Job. Ich beziehe meine Weine direkt von Raimond, darum kann ich die sehr hochwertigen Weine auch günstig anbieten. Es ist ein ziemlich wilder Tischwein dabei, eine echte Überraschung für meine Gäste. Ich liebe Wein und möchte das auch meinen Gästen vermitteln.“

Text: Martin Daßinnies

Neue Odessa
Bar Torstraße 89, Mitte,
www.neueodessabar.de

tgl. ab 17 Uhr, Raucher

 

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