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Die Gärtnerei erfindet sich als herzenswarmes Wirtshaus neu

Wir freuen uns wie ein Schnitzel: Die Gärtnerei ist wieder zurück, hat sich neu erfunden und auf die Sehnsucht nach den Wohlfühltellern ausgerichtet. Und ist damit in die Riege der besten österreichischen Lokale Berlins aufgestiegen.

Das Wiener Schnitzel in der Gärtnerei gehört zu den besten der Stadt. Foto: Restaurant Gärtnerei
Das Wiener Schnitzel in der Gärtnerei gehört zu den besten der Stadt. Foto: Restaurant Gärtnerei

Gärtnerei? Ist das nicht das vegetarische Restaurant auf der Torstraße? Nein. Beziehungsweise: jein. Oder eben: nicht mehr und nicht nur. Denn einerseits war die Fleischerei, das Schwesterrestaurant auf der Schönhauser Allee und gewissermaßen der Counterpart der Gärtnerei, bis zur Wiedereröffnung im August ein gutes Jahr lang eine Dauerbaustelle. Vor allem aber hat Gastronom Bernhard Hötzl, ein gebürtiger Steirer, schon in den Nachwehen der Pandemie gemerkt, wie sich die Stadt plötzlich nach den Wohlfühltellern sehnt, nach sentimentalen Aromen.

Die Karte der Gärtnerei wurde um alpenkulinarische Herzensangelegenheiten erweitert

Sukzessive wurde die Karte der Gärtnerei um einige alpenkulinarische Herzensangelegenheiten erweitert. Ende April dann die finale Einsicht: Bernhard Hötzl wünschte sich wieder ein richtiges österreichisches Wirtshaus-Restaurant. Und Berlin offensichtlich auch. Und so gibt es in der Torstraße 179 jetzt ein Wiener Schnitzel (26 Euro), das – im Fleisch zart, aber mit aromatischem Biss und in der Panade herrlich luftig und krosse – zu den allerbesten dieser Stadt gehört. Und vorab einen Steirersalat, der – saisonal und frisch zubereitet als wäre da jemand auf einer Berghütte schnell durch den Gemüsegarten gegangen – absolut rechtfertig, dass diese Gärtnerei weiterhin Gärtnerei heißt. Das Filet vom Angusrind (37 Euro) ist so fantastisch, weil mürbe und dennoch voller Struktur und Geschmack, wie wir es alsbald auch in der Fleischerei erwarten. Und der als Soufflé am Tisch servierte Kaiserschmarrn nicht nur ob dieser herzlichen Darreichung eine gute Idee: Er kommt, mit Zwetschgenröster und Vanilleeis, auch weniger fettig und weniger zuckrig auf die Teller.

Nicht kosten konnten wir die Spinatknödel (sie sahen toll aus). Gekostet haben wir noch den Markknochen mit Kapern, Paprika und eingelegten Zwiebeln: ein stimmiger und überraschend frischer Teller.

Die Dreifaltigkeit der richtig guten Österreicher in Berlin ist zum Quartett gewachsen

Die Dreifaltigkeit der richtig guten Österreicher in Berlin – das noble Ottenthal, das popkulturell grundierte Österelli (beide in Charlottenburg) und das wirtshausige Jolesch (Kreuzberg) – ist mit der Neu(er)erfindung  von Bernhard Hötzls Gärtnerei zum Quartett gewachsen. Das vielleicht unkomplizierteste unter den bei genauem Nachschmecken gar nicht so vielen guten Restaurants entlang der Torstraße ist die Gärtnerei obendrein. Vorbeikommen für ein Schnitzel und ein Glas Wein (wir empfehlen den gekühlten (!), extrem trinkigen Zweigelt von Christina Netzl) oder für einen langen Abend in großer Runde macht dabei keinen Unterschied. Im Gegenteil: Beide Aspekte, das Beiläufige, Alltägliche und das Eskapistische, manchmal gar Barocke, geben sich gegenseitig Struktur.

Und dann ist da ja noch die Weinkompetenz von Bernhard Hötzl, der ums Eck am Gipsdreieck auch den österreichischen Weinladen Der Reblauer betreibt – und versteht, was die Stadt gerade gerne trinkt: Spannende Sachen von klassisch bis wild, bei denen der Hype nicht das Preisschild geschrieben hat.

  • Gärtnerei Gastwirtschaft Torstr. 179, Mitte, tgl. 17–23 Uhr, Website

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