ABO

The Duc Ngos Manon brasserie nouvelle: Bühne der Stadtgesellschaft

Text: Clemens Niedenthal
Veröffentlicht am: 20.05.2025
Home » Food » The Duc Ngos Manon brasserie nouvelle: Bühne der Stadtgesellschaft

The Duc Ngo, der König der Kantstraße, hat eine französische Brasserie eröffnet, im ikonischen Hotel am Steinplatz. Manon brasserie nouvelle erzählt vom Glück des Gastgebens  – und vom noch größeren Glück, Gast zu sein.

Nichts liegt ihm ferner als didaktische Teller: The Duc Ngo vor der offenen Küche des Manon brasserie nouvelle. Foto: Clemens Niedenthal
Nichts liegt ihm ferner als didaktische Teller: The Duc Ngo vor der offenen Küche des Manon brasserie nouvelle. Foto: Clemens Niedenthal

Marlene Dietrich  hatte immer einen Champagnerbesen in ihrer Handtasche. Nur für den Fall, dass der Schaumwein einmal nicht so richtig perlt.

Mit dieser Geschichte also empfängt uns Gastgeberin Jana Kämpfer, schon seit eineinhalb Jahrzehnten ein Fixpunkt im überhaupt angenehm konstanten Team von The Duc Ngo. Und zack, stecken wir mitten drin in ganz vielen Geschichten. Jener von Marlene Dietrich, die, wenn in Berlin, am liebsten im Hotel am Steinplatz abgestiegen ist. Und jener vom Crémant de Bourgogne, dem charmanterweise in der Champagnerschale servierten Haus-Schaumwein des Manon. Nach wochenlanger Recherche ist man ausgerechnet bei Sébastien Gorius in der Cantine d’Augusta ums Eck am Savignyplatz fündig geworden. Von dort kommt auch der Käse, genauer: die beiden Käse für das bis auf Weiteres beste Cordon bleu der Stadt.

Manon brasserie nouvelle: Spektakulärer Neuzugang der Hauptstadtgastronomie

Vor allem sind wir mitten drin in den allabendlichen Erzählungen der Hauptstadtgastronomie, die mit dem Manon brasserie nouvelle einen spektakulären Neuzugang verbuchen kann. Einen Ort der guten und noch besseren Küche – exemplarisch das ausgebackene Kalbsbries gleich zu Beginn oder das Pfeffersteak mit einer beinahe floralen Sauce – an dem es doch immer um mehr geht als um das, was auf den Tellern passiert.

Wir würden nach dem Orange-Wein aus dem Elsass fragen: Gastgeberin Jana Kämpfer beim Tischgespräch. Foto: Clemens Niedenthal

Das Restaurant im Hotel am Steinplatz war schon einmal ein toller Ort. Vor gut zehn Jahren passte die neue Berliner Küche von Marcus Zimmer wunderbar in eine Zeit, in der diese Stadt gerade ihre Regionalität entdecken sollte. Später griff Nicholas Hahn, heute Küchenchef im Cookies Cream, sogar nach einem Stern. Aber da war das Restaurant am Steinplatz schon in den Zwängen und mehr noch im Trott eines Hotelrestaurants gefangen. Bald wurde die Restauranttür zugesperrt, man betrat den Gastraum nun über die Hotellobby. Und das ist nie eine gute Idee.

The Duc Ngo hat die Tür wieder aufgemacht. Ein passendes Entrée für einen Ort, der sich angemessen selbstbewusst als eine Bühne der Stadtgesellschaft versteht. Als das „neue Wohnzimmer Charlottenburgs“, so  The Duc Ngo, der sich ein ähnliches Restaurant – groß, weltläufig und gleichzeitig sehr Berlin – lange für den Kurfürstendamm gewünscht hat. Dann aber kam das Angebot, das ehemalige Restaurant am Steinplatz zu übernehmen, samt der zugehörigen jetzt wieder direkt mit dem Gastraum gemeinsam gedachten Bar.

Der The-Duc-Ngo-Twist

The Duc Ngo musste nicht lange überlegen. Wegen der Historie des Hauses, dem Potential des Restaurants samt eines komplett überdachten Innenhofs. Und wegen der Möglichkeit, die ewige Zuschreibung einer irgendwie asiatischen Küche einmal ganz hinter sich zu lassen. Schließlich ist das Manon je nach Zählweise bereits sein elftes Restaurant in Berlin. Obwohl: „Wir haben uns immer gesagt, lasst es uns ganz klassisch französisch machen. Aber dann habe ich doch gemerkt, dass ich diesen gewissen The-Duc-Ngo-Twist brauche.“

So wie beim Wolfsbarsch an einer tatsächlich prickelnden Champagnersauce, Ruinart Rosé brut. Ein Teller, der wiederum ein Dessert des Drei-Sterne-Kochs Sven Elverfeld aus dem Wolfsburger Restaurant Aqua zitiert.

Wolfsbarsch im Manon. Foto: Clemens Niedenthal

Und dann gibt es da noch diese persönliche Geschichte, die The Duc Ngo mit dem Steinplatz und der Hardenbergstraße verbindet. Vor gut 20 Jahren hat er als junger Koch gleich gegenüber in  der Akademie der Künste nächtelang in einem Atelier gestanden und seiner damaligen Lebensgefährtin Hyunjung Kim bei ihrer Abschlussarbeit geholfen. Ein Paar sind die beiden schon lange nicht mehr. Eine intensive Partnerschaft verbindet sie noch immer.

Hyunjung Kim gestaltet seitdem alle neuen Gasträume von The Duc Ngo. Das hinter einer verspiegelten ehemaligen Schlecker-Fassade versteckte coole Ryōtei 893 etwa. Und den eleganten Le Duc Salon in einer Altbauwohnung über der Kantstraße, eine Mischung aus dem Berlin-Mitte-Gefühl der Jahrtausendwende und einem italienischen Palazzo.

Manon brasserie nouvelle: Der postmoderne Kitsch ist weg

Und nun eben das tatsächlich wunderbare Manon, eine frankophile Brasserie, die sich nicht entscheiden muss zwischen kosmopolitischer Eleganz und beinahe versteckten, lässigen Details. Verschwunden ist der postmoderne Kitsch des ehemaligen Restaurant am Steinplatz. Stattdessen: viel Marmor, Holzvertäfelungen und Bugholzstühle mit Korbgeflecht und Sitzpolstern aus Chanel-Tweed. Die Musik kommt von Vinyl. Und die Tabasco-Flaschen neben den Pfeffermühlen sind vermutlich weniger zum Nachwürzen gedacht, als als ein ironischer Hinweis darauf, dass im Manon jede:r nach seiner Fasson selig werden soll. Nichts liegt The Duc Ngo ferner als eine didaktische Küche.

Tabasco-Flaschen als ironischer Hinweis? Foto: Clemens Niedenthal

Später am Abend bei Crêpe Suzette – in einigen Wochen, versprochen, soll der Dessertklassiker am Tisch flambiert werden – hat The Duc Ngo noch Zeit für ein Resümee der vergangenen Jahre. Sein Ausflug in die Überfahrt am Tegernsee etwa, wo er nach einem Me-too-Skandal um Küchenchef Christan Jürgens die Wogen glätten sollte. Ursprünglich sei ihm ein Engagement bis nach der Verleihung der Michelin-Sterne 2024 versprochen worden. Aber dann bekam die nicht nur in kulinarischen Dingen konservative Althoff-Gruppe wohl doch kalte Füße.

Manon brasserie nouvelle: ein Wohnzimmer Charlottenburgs

Der alltagsküchenerprobte Koch mit der Migrations-Biografie als politisches Feigenblatt, das ist eine Interpretation, die durchaus schlüssig klingt. So divers, wie gerne behauptet, ist gerade die Spitzengastronomie in Deutschland noch immer nicht. The Duc Ngo wird sein eigenes Fine Dining dennoch irgendwann eröffnen. Vielleicht schon später im Jahr, vielleicht auch nicht.

Bis dahin gibt es weiterhin den monatlichen, spektakulären Le Duc Salon. Und es gibt jetzt das Manon brasserie nouvelle. Ein Wohnzimmer Charlottenburgs, das vielleicht viel besser in diese Zeit passt, mit Cordon bleue und Crêpe Suzette, mit Champagnersauce, Tabascoflaschen und dem guten Gefühl, an einem Ort zu sein, den man als Gast selbst gestalten kann. So selbstverständlich war das in der guten Berliner Gastronomie zuletzt nicht.


Mehr zum Thema

Etwas Buntes für düstere Zeiten: Warum die Bar Basta so gut ist, lest ihr hier. Es geht um die Wurst, vor allem die Bratwurst: Auf Gut Kerkow denkt man übers Grillen nach. Vorzügliches Fried Chicken und koreanisches Kino: Wir haben Plus Acht Zwo besucht. 40 Jahre wach: Das Bierhaus Urban hat Geburtstag. Chinesische Vielfalt: Probiert euch durchs Angebot von Chen’s Beef Noodle House oder bleibt auf ein paar Drinks im schönen Mausi am Richardplatz.  Berlins Food-Guide 2025: Bestellt hier unsere Speisekarte.

Folgt uns auch auf Instagram

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von tip Berlin Food (@tipberlin_food)

Das könnte dich auch interessieren