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Peter Grosshauser, Künstler und Chef im Valentin Stüberl mit Zollstock

JensBerger_Valentin_StueberlIch liebe diesen Zollstock. Matthias Merkle und Antje Borchardt vom Freien Neukölln haben mir den geschenkt. Ich habe im Stüberl ihren Film „Die Unsterblichen“ gezeigt. Matthias kam rüber und sagte: „Ich hab was für dich gefunden.“ Auf dem Zollstock, mit dem er das Freie Neukölln ausgebaut hatte, stand in blauen Buchstaben „Valentin“. Das war ihm nie aufgefallen. Der Zollstock gehört seitdem hierher. Er ist zunächst eine Geste, die eine Verbindung herstellt und gut tut. Ich mache was für den Sender Freies Neukölln, den die beiden betreiben. Das läuft als Austauschprogramm.

Im Freien Neukölln hängt ein Kreuz, das ich den beiden reingehängt habe. Ich bin seit über sechs Jahren in diesem Bezirk und habe mit dem Studio Simon Hinterhofkultur im Niemandsland gemacht. So ist das „Ä“ entstanden, weil das Studio zu klein war. Die Gegend ist bis heute spannend. Ich sehe keine Konkurrenz, sondern genieße die gegenseitige Befruchtung – dass man sich besucht und gegenseitig empfiehlt. Schließlich kann keiner immer nur Leberkäs bei mir essen.

Dieser Zollstock ist auch ein Objekt. Als Künstler arbeite ich mit ihnen. Sie haben Energien, die ich zusammenstelle. Der Zollstock ist aufgeladen. Messen werde ich damit wahrscheinlich nicht, aber ich werde ihn benutzen und etwas anderes daraus machen. Kann sein, dass er dann nicht mehr da ist, dass seine Energie in ein anderes Medium transformiert wurde, zum Beispiel Film. Im Valentinschen Sinn geht es darum, dass man den Zollstock vermisst. Er ist kein Heiligtum. Er ist ein Talisman, der nicht im Regal verstauben muss. Als Künstler wird man oft gefragt, ob man Vorbilder hat. Karl Valentin ist für mich eines. Er war einer, der die Welt nicht so nimmt, wie sie ist, sondern andere Möglichkeiten durchspielt. Er hat es geschafft, einem den Spiegel vorzuhalten, ohne abgehoben zu sein. Er war Dadaist, Filmexperte und Fantast. In München hat er ein Theater mit Wirtschaft betrieben.

Das Stüberl ist so eine Art Undercover-Projekt in seinem Sinn. Auch wenn es auf den ersten Blick sehr bayrisch daherkommt, kommt alles anders. Das Hinterzimmer ist ein Valentinscher Spielplatz. Eine Höhle, die alles zulässt. Ein Raum zum Experimentieren, der zu meinem Stüberl gehört.

Text: Susan Schiedlofsky

Valentin Stüberl
Donaustraße 112, Neukölln,
www.valentinstueberlneukoelln.de, www.peter-grosshauser.com, www.sender-freies-neukoelln.de
tgl. ab 19 Uhr; Speisen 1,50 bis 3,90 Ђ

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