Essen & Trinken

Blechpizzaglück im Pizza del Quartiere

So knusprig, so römisch, so gut: An der Brunnenstraße stellt Pizza del Quartiere in den ehemaligen Räumen der Troya Bar dem Pizza-Napoli-Hype augenzwinkernd ein Bein.

Pizzeria del Quartiere: der Rand, der Boden, ein Hochgenuss. Foto: Marianne Rennella
Pizzeria del Quartiere: der Rand, der Boden, ein Hochgenuss. Foto: Marianne Rennella

„Eine so gute Pizza hat Berlin gar nicht verdient“

Eine so gute Pizza habe Berlin gar nicht verdient, sagt der Mann am Nebentisch. Die Rede ist von der römischen Pizza al taglio, die Gabriele Bonci und Alessandro Ruver, zwei Star-Pizzaioli aus Rom, seit Anfang Oktober auch an der Brunnenstraße backen.

An ihrem Lokal namens Pizza Del Quartiere by Bonci läuft man wahrscheinlich aber erstmal vorbei. Gerade eben noch war hier die Nachtbar Troya drin. Und wie es sich für eine Szenebar in Mitte gehört, ist das Ladenlokal von außen verspiegelt, der Eingang wird durch einen dicken, dunklen Vorhang verschleiert. Und hat man den Laden direkt neben der Bar Milano (geballte Italo-Power also) endlich als Zielobjekt identifiziert, so kommen beim Betreten doch noch einmal Zweifel auf. Alles schreit nach Cocktailbar: die dunkelgrünen Polstermöbel, die hohen und die niedrigen Tische, das schummrige Licht, einfach alles. „Wir haben das Interieur von Troya behalten, das Lichtkonzept werden wir aber noch verändern,“ erklärt Chris Bogaert, der den Service verantwortet.

Einerseits ist die Eröffnung der Pizza del Quartiere da erst wenige Tage her, vermutlich gab es also erst einmal wichtigere Dinge zu erledigen. Anderseits kennt man das ja auch von den Blechpizza-Institutionen in Rom: die Ästhetik und das Interieur sind dort auch zweit-, nein, eher drittranging.

Von den römischen Blechpizza-Institutionen aber dürfte das Bonci Pizzarium die größte sein.

Netflix war auch schon da

Der Blick auf den Bartresen lässt die Zweifel schließlich schwinden. Dort liegen große Bleche mit Pizza, dahinter wirbelt Alessandro Piras umher, der den prominenten Gabriele Bonci schon länger kennt. Dieser betreibt in Rom in einer etwas abgelegenen Wohngegend eben das sehr erfolgreiche Bonci Pizzarium, vor dem sich spätestens seit der „Chef’s Table“-Folge, die Netflix im Jahr 2022 über den Pizzabäcker ausstrahlte, nicht mehr nur die Nachbarschaft tummelt. In dem kleinen, imbissartigen Laden verkauft Bonci bis zu 40 Sorten Pizza und gewinnt mit seinen kreativen und üppigen Belägen immer wieder Preise. „Wir arbeiten hier minimalistischer“, erzählt Piras. „Es gibt fünf verschiedene Pizzen, die wir stückweise und nicht wie in Rom nach Gewicht verkaufen.“

Pizza del Quartiere: Croccantezza, also Knusprigkeit, ist am wichtigsten

Die Rezepte stammen selbstverständlich trotzdem von Bonci, der auch regelmäßig nach Berlin kommt. „Unsere Pizza spiegelt die Kreativität von Bonci und die römische Tradition wider. Das wichtigste Merkmal ist ihre Croccantezza“, so Piras. In der Tat ist das Stück Pizza all’amatriciana an Knusprigkeit nicht zu überbieten. Der Rand, der Boden, ein Hochgenuss. So auch der Belag, der durch das römische Pastagericht mit Guanciale, also dem Speck aus der Schweinebacke, inspiriert wurde. Zusammen mit fruchtiger Tomatensoße und nach dem Backen drübergestreutem Pecorino ist dieses Stück Pizza absolut und unfassbar köstlich.

Dass dies auch ohne Speck gilt, beweist die Marinara mit frischen Tomaten, Petersilie und rohem Knoblauch. Ein Stück Pizza, drapiert auf dem Silbertablett und gegessen am Bartisch, über den eine weiße Tischdecke geworfen wurde, ist plötzlich ein Festmahl. Der Mann am Nebentisch hatte trotzdem Unrecht – eine so gute Pizza hat Berlin sehr wohl verdient. Und außerdem wurde es ja auch Zeit, dem Hype um die Pizza Napoli ein augenzwinkerndes Bein zu stellen.

  • Pizza del Quartiere Brunnenstr. 10, Mitte, tgl. 12–22 Uhr, bei Instagram

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