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Restaurants im Wedding: Die besten Tipps fürs gutes Essen

Der Stadtteil ist nicht als kulinarischer Mittelpunkt bekannt. Aber einige Restaurants im Wedding zeigen: Fans eines guten Speisenangebots von Fine Dining bis Bäckerei sind hier mindestens nicht falsch, eher sogar goldrichtig. Denn die oft angekündigte Gentrifizierung des Weddings geht weiterhin zaghaft voran, die noch halbwegs fairen Mieten ziehen selbstbewusste Gastronom:innen an, die mit ihren Restaurants hier wirklich etwas verändern. Wir haben zwölf Tipps für Wedding – Adressen, zu denen wir immer gern kommen, erst Recht, bevor der Stadtteil dann wirklich kommt. Irgendwann.


UUU macht das Unstete zur Methode

Das UUU erfindet die Menüs ständig neu – die Ergebnisse sind meist spektakulär. Foto: UUU Berlin

Ganz sicher kann man sich nie sein, was im UUU als nächstes aufgetischt wird. Heute wird das Chiliöl mit schwarzen Bohnen mit frischen, noch grünen Koriandersamen abgeschmeckt. Nächste Woche sind es die Blüten, später getrockneter Samen. Im August experimentierte die junge Gastronomin Yuhang Wu mit einem vegetarischen Menü (129 Euro inkl. nichtalkoholischer Begleitung), das mit zwei hauchdünnen, knusprigen Waffeln, gefüllt mit Salzzitrone und Aubergine, großartig beginnt. Dazu reicht Wus Partner Jonas Borchers einen der vielen selbstfermentierten Kombuchas, bei denen sie auf den Zusatz von Fruchtsäften oder Gewürzen verzichten, um die vielfältigen Aromen der Spitzentees herauszustellen. Radikal saisonal könnte man das nennen. Es ist aber vor allem intuitiv und persönlich, wie es überhaupt die Küche des UUU ist.

  • UUU Sprengelstraße 15, Wedding, Do–Sa 19.30–23 Uhr, Tel. 030/56 00 90 28, online

Tage vertrödeln im Mars im Silent Green

Ob Brucnh oder Kuchen, Limo oder Wein: Im Mars verschwenden wir gern unsere Zeit. Foto: Katha Mau

Plötzlich gab es da im Wedding diesen gemüsegrünen Planeten. Mars heißt diese Speisewirtschaft im Silent Green Kulturquartier. An den Wochenenden taugt der soulfoodige Brunch mit nahöstlichen Anleihen aus regionalen Produkten für vertrödelte Tage. Unter der Woche findet sich immer was, das auch den Kopf satt macht. Clevere Kombinationen, oft ohne Fleisch und radikal saisonal. Und sonst? Guter Kaffee, tolle Kuchen, selbstgemachte Limonaden und eine der schönsten versteckten Sommerterrassen der Stadt.

  • Mars im Silent Green Gerichtstraße 35, Wedding, Mo–Fr Küche 12–15, Café 12–18 Uhr, Sa+So Küche 10–15, Café 10–17 Uhr, Tel. 030/120 82 21 50, online

Im Gastro-Pub Hirsch & Hase lohnt nicht nur das Bier

Hirsch & Hase im Wedding bietet alles, was einen guten Pub ausmacht – und der Haggis schmeckt viel zarter, als er klingt. Foto: Susan Schiedlofsky

Kommt nun der Wedding? Wir kommen zumindest immer gern ins Hirsch & Hase, ein waschechtes britisches Gastro-Pub. Auf der wechselnden Karte stehen zum Beispiel Haggis, der viel zarter schmeckt als er klingt, Lachs, landestypisch in Whisky gebeizt, oder knuspriges Schweineohr. Freitags gibt es günstiges Lunchmenü, schottisches Frühstück samstags und am Sonntag ein richtiges Sundaylunch, vegetarisch oder mit Rinderschulter. Und wie es sich für ein Pub gehört, kümmert man sich mit kuratorischem Ehrgeiz um das Bier.

  • Hirsch & Hase Brunnstraße 73, Wedding, Do–Sa 15–0 Uhr, Küche 17–22 Uhr, So 13–22 Uhr, Küche bis 21 Uhr, Tel. 0176/31 32 2073, online

Im Ernst gibt es nur acht Plätze

Schick und mit wenighen Plätzen: Das Ernst gehört zu den besten Restaurants im Wedding. Foto: Staffan Sandström

Zen oder die Kunst, einen Aal zu grillen – tatsächlich ist Dylan Watson-Brawns inzwischen acht Plätze kleines kühn-reduziertes Restaurant auch unter den achtsamen Produktküchen dieser Stadt ein besonderer Ort: Im Ernst geht
es weniger um das Zubereiten als um die Produkte an sich. Und so kann auf dem Teller schon mal eine einzige Möhre liegen. Oder ein Toffee aus dem Fett eines Mangalitza-Schweins. Die Abende an der offenen Küche haben etwas Ruhendes, auch Klösterliches. Sie sind immer auch geschmackvoller Erkenntnisgewinn. Ob das den Hype rechtfertigt, gerade innerhalb des globalen Food-JetSets? Durchaus. Denn das Michelin-besternte Ernst ist ein besonderer Ort, den es so vielleicht nur in Berlin geben kann. In einem Berlin, dass sich traut über den Tellerrand zu gucken. Dylan Watson-Brawn sein kleines Team sind Archäologen eines unbedingten Geschmacks.

  • Ernst Gerichtstraße 54, Wedding, Mi–So 19.30 Uhr, online

Erstklassiges BBQ bei Lino’s

Einfach lecker: Lino’s Barbecue ist eine der besten Adressen, wenn man in Berlin Amerikanisch essen will. Foto: Clemens Niedenthal

Nachdem The Pit und Pignut beide von uns gegangen sind, ist der beste Pitmaster in Berlin derzeit unbestritten Lino Brandi. Der in den USA geborene Deutsche hat sein Handwerk in Austin verfeinert, bevor er in den Wedding gezogen ist. Der Stil ist natürlich texanisch, das heißt: Brisket (vom US-Angus-Rind), Spareribs (vom deutschen Schwein) und hausgemachte Jalapeño-Würstchen, die lange über Eichenholzscheiten gegart werden, bis sie köstlich rauchig und zart sind. Idealerweise stapelt ihr auf dem Teller von allem etwas und verzehrt das Ganze in Höhlenmensch-Manier und mit Essiggurken, Zwiebeln und würzig-süßer Soße.

Nicht entgehen lassen sollte man sich außerdem den Pastrami Friday, ein monatlichen (und immer ausverkauftes) Event mit gepfeffertem, gepökeltem und dann geräuchertem Rindfleisch, hausgemachtem Sauerkraut und Dillgurken.

  • Lino’s Malplaquetstr. 43, Wedding, Mi-So ab 17 Uhr, online

Wunderbar fluffige Pizza im Stranero

Pizza-Restaurants gibt es auch im Wedding einige, Stranero macht uns mit fluffigem Teig glücklich. Foto: Staffan Sundström

Der Teig, aus dem die Pizzen im Stranero sind, ist so wunderbar fluffig, weil er besonders lange ruht. Aber auch die fruchtige Tomatensauce ist nicht zu unterschätzen – ein sardisches Rezept, so munkelt man. Die rund 50 Sitzplätze der Pizzeria, die auch ein umfangreiches Angebot an Antipasti hat, sind dementsprechend meist gut gefüllt. Da scheint es, als hätte der einstige Malocherkiez mit der Pizza sein Lieblingsgericht gefunden.

  • Straneo Liebenwalder Straße 11, Wedding, So+Di–Do 17.05–23 Uhr, Fr+Sa 17.05–23.55 Uhr, Tel. 01573/3552900, online

Julius: Menüs mit bis zu neun Gängen

Erstklassige Speisen und wochenends Weinbar-Feeling im Restaurant Julius im Wedding. Foto: Julius

Die beinahe asketisch kuratierte Produktküche des Restaurants Ernst hat einen kleine Bruder bekommen. Vis-à-vis in der Weddinger Gerichtstraße servieren Dylan Watson-Brawn und sein Team im Julius nun ein vor allem gemüsegrünes Menü in bis zu neun Gängen. Wobei auch mal nur eine einzige, explosiv aromatische Möhre auf dem Teller liegt. Zudem wird das Julius an den Wochenenden zur Weinbar mit kleinen, häufig japanisch inspirierten Speisen.

  • Julius Gerichtstraße 31, Wedding, Do–So 13–20.45 Uhr (nur mit Reservierung), Fr–So ab 17 Uhr, Instagram, Reservierung online

Dilekererei: Kreationen fast zu schön zum Verzehr

Gehobene Tortenkunst und kleine , perfekte Kleinigkeiten gibt es im Wedding bei Dilekerei. Foto: Melek Özedemir

Kekse mit zarten Malereien, Torten wie aus dem Bilderbuch: Dilek Topkaras Kreationen sind nun wirklich fast zu schön, um aufgegessen zu werden. Fast. Denn es wäre zu schade, diese mehrstöckigen, saftigen Sahnetorten mit frischen Beeren, die kleinen Törtchen mit Früchten oder Nüssen und natürlich diese geradezu unwirklichen Kekse nicht zu probieren. Topkara ist eigentlich Lebensmitteltechnologin und hat bei einem Forschungsaufenthalt in England die Liebe zur Praxis, genauer gesagt zur gehobenen Tortenkunst, entdeckt. Was für ein Glücksfall das für Berlin ist, kann man jedes Wochenende im Café neben der Backstube nachschmecken.

  • Dilekerei Eulerstraße 11b, Wedding, So 12–18 Uhr, Tel. 030/929 001 22 und 0152/296 34 351, online

Exrotaprint Kantine – nicht nur für Mitarbeitende

In der Exrotaprint Kantine lohnt sich ein Besuch auch für alle, die nicht in dem Bau arbeiten. Foto: Eberle & Eisfeld I Berlin

Künstler, Handwerker, Sozialarbeiter und die anderen Mitarbeiter der Einrichtungen, die in dem denkmalgeschützten 50er-Jahre-Bau untergebracht sind, haben das Glück einer wirklich guten Kantine. Die kann man auch besuchen, wenn man hier nicht arbeitet. Vom Müsli bis zum Kaffee und Kuchen wird man wochentags rundum vorsorgt. Mittags stehen vier Gerichte zur Auswahl: immer eine Suppe, eine Pasta mit hausgemachtem Pesto und wechselnde Gerichte, auch ohne Fleisch.

  • Exrotaprint Kantine Gottschedstraße 4, Wedding, Mo 8.30–16 Uhr, Di–Fr 8–16 Uhr, Tel. 030/44 04 51 24, online

Taiwanesische Spezialitäten und Tee bei Cozymazu

Von der Teestube zum Restaurant entwickelte sich das Cozymazu im Wedding. Foto: Andrea Zoltanetzky

Ursprünglich gründete Wei-En Chan ihr kleines Lokal, um die Teekultur Taiwans auch in Berlin bekannter zu machen. Doch mit der Zeit entwickelte sich die Teestube in ein Restaurant für bislang in Berlin kaum bekannte taiwanesische Spezialitäten wie Blutkuchen oder Tapiokaklößen. Am Wochenende serviert das Team taiwenesisches Frühstück mit süßem oder herzhaftem Reisbrei und hausgemachten gedämpften Sauerteigbrötchen und bei einem Nachmittagstee hilft eine Teezeremonie mit traditionellen Süßigkeiten und kleinen Gerichten.

  • Cozymasu Sprengelstraße 39, Wedding, Di–Fr 12–15 Uhr + 18-22 Uhr, Sa 12–22 Uhr, So 10–22 Uhr, Tel. 0151/52 14 77 50, Facebook

Örnek hat die wohlt beste türkische Pizza der Stadt

Besser kann man für einen Euro kaum essen als bei Örnek – der Lahmacan ist Weltklasse. Foto: Susan Schiedlofsky

Der kleine türkische Imbiss an der Prinzenstraße ist die Reise in den Berliner Norden wert. Die Stammgäste sind sich sicher, dass es hier die besten türkische Pizza Berlins gibt. Zudem werden die knusperdünnen und dennoch saftigen Lahmacan hoch gelobt – und sie kosten auch nur ein Euro pro Stück.

  • Örnek Prinzenallee 80–82, Wedding, tgl. 9–0 Uhr, Tel. 030/23 90 99 02, Instagram, weitere Filiale Karl-Marx-Straße 109, Neukölln

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