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Saravanaa Bhavan: Indische Kette erobert Berlin – zu Recht?

Das Saravanaa Bhavan am Potsdamer Platz hat es schnell auf die Liste der populären indischen Restaurants in Berlin gebracht. Ganz überraschend ist das nicht, nicht nur aufgrund der Lage, die zumindest viel touristisches Laufpublikum verschafft. Sondern weil Saravanaa Bhavan eine Kette ist, die schon an mehr als 100 Standorten vertreten ist. Ist Quantität hier gleichbedeutet mit Qualität?

Mit einer Länge von fast einem halben Meter sind die Dosas von Saravanaa Bhavan ein wahrer Augenschmaus. Foto: Saravanaa Bhavan

Das Ghee Roast Masala Dosa von Saravanaa Bhavan passt kaum auf ein Foto

Wer wissen will, was Größe ist bestellt ein Ghee Roast Masala Dosa von Saravanaa Bhavan. Mit einer Länge von fast einem halben Meter ist diese majestätische, braune Schnecke ein echter Hingucker; die Art von Gericht, die mit Wunderkerzen und nicht mit Chutneys auf den Tisch kommen sollte. Sie lässt sich weder auf dem Zinnteller, auf dem sie serviert wird, noch in ihrer Gesamtheit fotografieren, ohne dass man sich auf einen Stuhl stellen muss. Von der Seite betrachtet ähnelt es einem riesigen Flugzeughangar, wobei die Rolle des Flugzeugs von einer einzigen Schaufel gewürzter Kartoffeln übernommen wird.

Größe, damit kennt man sich bei Saravanaa Bhavan aus. Die vor 40 Jahren im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu gegründete vegetarische Kette umfasst inzwischen mehr als 100 Standorte auf fünf Kontinenten. Ihre Beliebtheit, insbesondere bei den im Ausland lebenden Inder:innen, ist so groß, dass selbst die Verurteilung des Gründers P. Rajagopal wegen Mordes im Jahr 2004 ihrem Ruf kaum einen Abbruch tat.

Nebenbei bemerkt: Rajagopal wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, weil er Angestellten befohlen hatte, den Ehemann einer Frau zu töten, von der er glaubte, dass es ihm astrologisch vorherbestimmt war, sie zu heiraten, aber das Zielobjekt erlag seinen gesundheitlichen Problemen, bevor der Mord ausführt wurde.

Auch nach dem Eröffnungsansturm bleibt Saravanaa Bhavan populär

Saravanaa Bhavan ist so groß, dass es, als es eine Filiale in Berlin eröffnete, in einem ehemaligen Starbucks neben dem Vapiano am Potsdamer Platz, sofort von südasiatischen Fans überrannt wurde, die zuvor nach Frankfurt fahren mussten, um ihren Kick zu bekommen. Ein paar Monate später hat sich der Andrang gelichtet, so dass man nicht mehr ewig auf einen Tisch warten muss (zumindest nicht montags), aber der zweistöckige Raum ist immer noch voll mit Gästen vom Subkontinent und Gourmand-Abenteurern, die Gerüchte über „das authentischste indische Essen in Berlin“ gehört haben.

Diejenigen, die zur letzteren Gruppe gehören, brauchen vielleicht Hilfe bei der Navigation durch die 323 Positionen umfassende Speisekarte – ein gebundener Wälzer, dessen Einband an ein Geografie-Lehrbuch aus den 90er Jahren erinnert. Selbst diejenigen, die mit Dosas, Sambar, Idli und den anderen auf Linsen und Reis basierenden Eckpfeilern der vegetarischen tamilischen Küche vertraut sind, werden sich vielleicht wundern, warum eine ganze Seite der indisch-chinesischen Fusion gewidmet ist (ein ganzes kulinarisches Genre im Mutterland, das man hier nur selten oder gar nicht zu Gesicht bekommt), oder sich in der Litanei der für Berlin neuen Gerichte von Bisbelabath bis Ghee Pongal verlieren.

Die Chancen stehen gut, dass ihr am Tisch eures Nachbarn einen Dosa entdeckt. Der Ghee Roast Masala und sein veganer Cousin, der Paper Roast Masala, sind nur zwei Sterne in einer Galaxie aus kreppähnlichen Zylindern, Dreiecken, Kegeln und Quadraten, deren viele mögliche Füllungen Kartoffeln, Cheddar-Käse, Mysore-Chili-Chutney, eine knusprige Mischung aus getrockneten, gerösteten Linsen, Sesam und Gewürzen oder eine beliebige Anzahl nordindischer Currys und chinesischer Pfannengerichte aus der zweiten, eher überspringbaren Hälfte der Speisekarte umfassen. Verzichten Sie auf Desserts wie Schokolade und Erdnussbutter, aber probiert die die Onion Rava dosa, ein flaches, spitzenförmiges Paket aus Grieß und einer gesunden Menge an Allium.

Hat Milagaipodi, das orangefarbene Pulver, das aus dem hier gezeigten Masala-Dosa herausschaut, das Potenzial, ähnlich populär zu werden wie zuletzt Chili-Crisp-Öl? Würzig, schmackhaft, knusprig, nussig – eigentlich ist sicher, dass weiße Köche es bald „entdecken“ und auf alles von Grünkohl bis Eiscreme streuen. Foto: Jane Silver

Die Uttapams sind beim Berliner Saravanaa Bhavan eine sichere Sache

Ein Uttapam ist auch eine sichere Sache; Saravanaa Bhavans Version des dicken Reis-Linsen-Pfannkuchens ist feuchter, nussiger und weniger sauer als alle anderen, die wir bisher in Berlin probiert haben. Idli, diese schwammigen weißen Scheiben aus einem ähnlichen Teig, werden mit klassischem Sambar und Chutneys serviert, aber es macht mehr Spaß, sie als Kaima Idli zu essen, eine Spezialität des Hauses, bei der Reste kreativ verwertet werden, indem sie frittiert und mit einer würzigen Tomatensauce überzogen werden.

Dann gibt es noch das Saravanaa Special Meal, ein Rouletterad aus Suppen, Eintöpfen, Dips und mehr, das um eine Schüssel mit Reis und gebratenem Fladenbrot angeordnet ist. Mit 17 Euro ist es das teuerste Gericht auf der Karte, aber der Crashkurs in südindischen Spezialitäten – von Poriyal (grüne Bohnen mit Kokosnuss und Gewürzen gebraten) bis Kootu (ein dicker Linsen-Gemüse-Eintopf) – ist es wert.

Ist dies also das authentischste indische Essen in Berlin? Ersetzt „indisch“ durch „südindisch“ und bedenkt, dass „authentisch“ nicht immer gleichbedeutend mit „am besten“ ist, dann lautet die Antwort: Ja. Es gibt ein paar andere Lokale in Berlin, die hochwertigere Zutaten, Chutneys mit etwas mehr Pfiff und die Möglichkeit bieten, ein Geschäft zu unterstützen, das nicht direkt den reichen Erben eines Mörders zugute kommt, aber sie können weder mit der schieren Tiefe und Breite der Speisekarte des Saravanaa Bhavan noch mit den perfekt zubereiteten Dosas mithalten. Für diejenigen unter euch, die die Kette kennen und lieben, gibt es nichts Vergleichbares. Und wenn ihr sie noch nicht kennt, ist es wahrscheinlich an der Zeit, ihr einen Besuch abzustatten.


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