Essen & Trinken

Sadie Jones: Der Außenseiter

AussenseiterDie Geschichte von Lewis ist packend, so mitreißend, dass der Leser fast schon die Hoffnung auf einen Lichtblick aufgibt, aber dennoch mit dem Protagonisten mitfiebert, dass es doch noch zu einem guten Ende kommt. Deshalb sei nur wenig verraten. Der Roman beginnt damit, dass Lewis als junger Teenager aus dem Gefängnis kommt. Er ist nicht mehr gesellschaftsfähig für eine Gemeinde, für einen Vorort von London in den 50er Jahren. Nach und nach erfährt der Leser die Umstände wie es zu seinem Knastaufenthalt kam. Es beginnt mit einem Unglück der Mutter, einer sensiblen, aufgeschlossenen, dennoch unkonventionellen Dame, die gerne guten Wein trinkt. Vielleicht auch deshalb das Unglück mitverantwortet, was das Kind Lewis so verändert, für den Vater Gilbert Aldridge so unbegreifbar macht.

Die unabänderliche Entfremdung macht die junge Schrifststellerin Sadie Jones in ihrem ersten Roman auch mit ritualisierten, gemeinsamen Abendessen der Familie deutlich. Dabei wird nie über die offensichtlichen Probleme gesprochen. Es herrscht entweder erdrückendes Schweigen oder es gibt eingespielter Small-Talk des Vaters mit seiner zweiten Ehefrau. Gesellschaftliche Ächtung werden zum Beispiel durch kurzfristige Essensabsagen deutlich. Im Laufe der Geschichte verheddert sich der Junge, dann der junge Mann immer mehr in seiner Zerissenheit, seiner Distanziertheit gegenüber einer Kleinstadt, deren Intrigen, Machtspielen und Versuchungen – bis er letztendlich seinen eigenen Weg geht, und es doch noch den Silberstreifen am Horizont gibt.

Text: Eva-Maria Hilker

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