Essen & Trinken

„Sanfte ?Eröffnung“ von Clemens Niedenthal

Ein Trend geht um. Nein, nicht jener des Regionalen, des lange Abgehangenen und langsam Gegarten, des handwerklich Gebrauten oder biodynamisch Winifizierten, der nordischen, peruanischen oder georgischen Küche. Nicht jener der Weinbars oder des Filterkaffees. Ein Trend geht um: der Trend zum Soft Opening. Ja, wenn man in diesen Tagen und in dieser Stadt ein Lokal eröffnen will (und das wollen gerade sehr, sehr viele), braucht man eine Kreidetafel, eine unverputzte Wand und ein Tattoo aus dem Themenzyklus Urlaub auf dem Bauernhof. Vor allem aber braucht man ein Soft Opening. Ein, zwei oder zwölf Wochen, in denen das Restaurant ganz im Geheimen geöffnet ist. So wie die illegalen Clubs in den Neunzigern. Heimlich. Was halt heimlich so meint, wenn gleichzeitig die ganz große Marketingmaschine angeworfen wird, um so genannte Multiplikatoren – ehrlicherweise müsste diese Berufsbezeichnung längst auf einigen Visitenkarten stehen – in diese Heimlichkeit einzuweihen. Auf dass den Übriggebliebenen, den späteren Gästen eben, der Mund wässrig wird. Dabei kann so ein entschleunigter Start ja durch­aus Sinn machen. Köcheln bei kleiner Flamme, um die Arbeits­abläufe einzuüben. Um zu sich selbst und den Aromen zu finden. Als pseudo­exklusives Marketing-Tool aber ist das Soft Opening unmanierlich. Und um gute Manieren sollte es beim Essen noch immer gehen.

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