Kommentar

„Schlau wie Brot“ von Clemens Niedenthal

Auch diese beiden gehören zu den kulinarischen Leitmotiven: die Katerstimmung und das Völlegefühl

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Weswegen in der Süddeutschen Zeitung unlängst ein ganzseitiger Artikel zu finden war, über dem ein sehr, sehr lautes Ausrufezeichen thronte. Die Botschaft: Wir würden einfach viel zu viel über unser Essen wissen wollen. Überall nur noch Nerds und selbsternannte Experten. Dabei, so die Botschaft, würde „ein Whisky doch auch nicht besser schmecken, wenn man alles über ihn weiß.“
Klar, das ist die rhetorische Routine von uns Foodjournalisten. Mengenverhältnis circa fünf zu eins. In fünf Artikeln wird also ein Trend hochgeschrieben, das Craft Beer, das Fleisch von sechszehn Jahre alten Mutterkühen, der handwerklich gebrannt Gin. Nur um in einem Artikel dann wieder zu behaupten, dass ein Burger doch bitte schön keine Raketenwissenschaft sei. Und der Gin, nun ja, der soll halt knallen.
Man sieht nur, was man weiß. So hat es der Genussmensch Goethe  mal gesagt. Auch von seinem Essen sollte man zumindest eine gewisse Ahnung haben. Ich hatte mal ein grandioses, mit Wildkräutern behandeltes Tonic im Glas – hielt es aber für Mineralwasser. Dieses Durcheinander konnten Gehirn und Gaumen nicht verarbeiten. Einen großen Schluck lang schmeckte ich – nichts. Und auch die Alte Kuh darf, nein sollte man durchaus moderieren. Das hat nichts mit Besserwisserei zu tun, sondern mit Erkenntnisinteresse. Mit einem Hunger auf mehr.

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