Kommentar

„Schwarze Kuh“ von Clemens Niedenthal

Nein, der Scherz wäre zu billig, jetzt von Behördenwillkür zu sprechen. Und doch: Das Umweltbundesamt hat Anfang des Monats die Empfehlung ausgesprochen, Fleisch- und Milchprodukte künftig mit dem regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent zu besteuern

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Und nicht mehr mit den für die meisten Lebensmittel üblichen sieben Prozent. Tiere, Kühe allzumal, stinken nämlich zum Himmel. Und tragen damit Ihren Teil zum klimaschädlichen Kohlendioxidausstoß bei. Genauso wie, sagen wir, ein Diesel-SUV. Aber das wird ja immerhin auch mit 19 Prozent besteuert.
Die Rechnung geht auf. Irgendwie. Und doch macht es sich diese Argumentation zu einfach. Was ist mit den Rindern, die ganzjährig auf weitläufigen Weiden leben, deren Grasnarbe verlässlich das Kohlendioxid speichert? Und warum wird eine Monokultur aus Raps mit den damit verbundenen Bodenerosionen und dem unwiederbringlichen Schaden für eine kleinteilige, bäuerliche Landwirtschaft mit dem ermäßigten Satz von sieben Prozent besteuert? Wieso die Erdbeeren und Tomaten, die täglich aus aller Welt im Hafen von Hamburg  oder auf dem Frankfurter Flughafen anlanden?
Eine nachhaltige Lebensmittelpolitik beginnt dort, wo nicht mehr versucht wird, der so genannten  Nachhaltigkeit mit Pauschalurteilen zu helfen. Keine neuen Siegel, kein neues Gesetz. Ganz so einfach ist das mit den besseren Lebensmitteln, ja mithin dem besseren Leben nämlich nicht.

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