Essen & Trinken

„Sitzen?gelassen“ von Clemens ?Niedenthal

Clemens ?Niedenthal
Man beißt in etwas hinein und ist augenblicklich sehr, sehr glücklich. Es gibt in Berlin inzwischen Orte, da muss man für dieses Glücksgefühl drei oder vier Wochen im Voraus reservieren. So ist das eben, wenn sich eine Stadt zu einer kulinarischen Metropole mausert. Berlin ist in aller Munde, da werden schon mal die Tische knapp.
Neulich saß ich dann dennoch bei einem Wirt, bei einem der besten Koreaner der Stadt. Und der erzählte widerum von freien Tischen. Und von einer ganzen Küchencrew die in die Samstagnacht hineingähnend auf jene Sechsergruppe wartete, die um 22 Uhr nicht erschienen war. Und um 22.45 Uhr auch noch nicht.
No-Shows nennt man das in der Branche. Und in England, den USA und auch schon auf Sylt ist es mindestens in der Sterne-Gastronomie inzwischen üblich, Tischreservierungen nur noch mit der Kreditkarte tätigen zu können. Bei Nichterscheinen wird diese mit einer Gebühr belastet, von der sich durchaus gutbürgerlich dinnieren liese. Man mag diese Geste im ersten Moment wenig gastfreundlich finden – bis man bemerkt, dass sie sich ja gar nicht gegen Gäste richtet. Sich einfach mal prophylaktisch durch die Stadt zu reservieren ist jedenfalls mindestens so unkultiviert, wie sich beim All-you-can-eat-Buffet den Teller dreimal voll zu laden.

Mehr über Cookies erfahren