Kommentar

„Spätzle-Express“ von Clemens Niedenthal

Es gibt eine neue Bahngesellschaft. Na gut, eigentlich gibt es nur einen neuen Zug. Eine Lokomotive mit neun orangefarbenen Waggons. Aber die Grünen haben ja auch mal klein angefangen.

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Warum kommt jetzt ausgerechnet dieser Vergleich? Weil Locomore, so heißt die Bahngesellschaft, einzig eine Verbindung bedient: Morgens geht es von Stuttgart nach Berlin und mittags wieder nach Stuttgart zurück. Von der Stadt des ersten grünen Ministerpräsidenten in die Stadt des ersten direkt gewählten grünen Bundestagsabgeordneten (und der ersten rot-grünen Bundesregierung). Was also, wenn sich Hans-Christian Ströbele und Winfried Kretschmann mal im Gang dieser retroschicken Abteilwagen treffen würden? Nun vermutlich würde es sie in den Bistrowagen verschlagen. Auf einen Fairtrade-Kaffee, ein Neumarkter Lammsbräu oder eine Bio-Zisch-Limonade. Auf ein Sandwich mit „Charlottenburger Kiezschinken“ oder ein Couscous mit Datteln im Einweckglas. Oder eine Tüte Ökovital-Gummibären.
Kurz: Diese Schwäbsche Eisenbahn schmeckt exakt wie eine
Filiale der LPG im Kollwitzkiez, sie bietet Wegzehrung für das schwäbelnde Prenzlauer Berg. Vor allem aber stellt sich die folgende Frage: Warum ist die Deutsche Bahn nicht selbst auf die Idee gekommen, sich die Essgewohnheiten ihrer biobürgerlichen Bahncard-Abonnenten einfach mal  genauer anzugucken? So gesehen ist Locomore also buchstäblich ein cleverer Zug.

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