Essen & Trinken

Spargel Saison!

ManfredSchmidtIn der DDR war der Pro-Kopf-Verbrauch von Spargel gerade mal 100 bis 200 Gramm pro Jahr. Im Vergleich: Der Westeuropäer hat zur selben Zeit ein bis zwei Kilogramm verputzt. Manfred Schmidt, geborener Schlunkendorfer und unermüdlicher Promoter und Forscher des königlichen Gemüses, kennt diese Fakten und jeden Spargelbauer in Brandenburg: die Großen wie die Kleinen. Einem seiner langjährigen Freunde hat er gerade wieder die Spargelhügel umgepflügt. „Seit über 20 Jahren pflanzt er Spargel an. Ohne Düngung außer der vom Komposthaufen, ohne Folie und mit viel Herzblut – so wie es früher war.“ Es sind immer noch die selben Pflanzenstöcke. Dreißig Kilo Ernte – so das Ergebnis. Und Freunde und Bekannte schätzen die Qualität dieser exklusiven Ware.

„Spargel war eine zweite Währung im sozialistischen Staat der Arbeiter und Bauern.“ So hat Manfred Schmidt, wenn es um Reparatur und Ersatzteile für seinen Trabi ging, immer ein Kilo Spargel unterm Arm. Damals waren es gerade mal zehn Hektar, auf dem der Asparagus angebaut wurde. Heute sind es über 1250 Hektar und 15 Spargelbauern, die Berlin und Brandenburg mit Spargel versorgen. „Wie eine alpine Seilbahn, so könnte man die Kurve des Spargels beschreiben.“ Manfred Schmidt hat in seinem Geburtshaus ein Spargelmuseum aufgebaut. „Es geht steil nach oben, an Stützpfeilern vorbei – Stützpfeiler sind Förderungen und Subventionierung, es geht immer höher und höher, ein Stützpfeiler ist auch die Presse – jetzt sind wir aber an der Spitze angekommen – der Höchststand ist erreicht.“ Wenn heute jemand den Museumsgründer nach Spargel fragt, dann heißt es nicht mehr: Wo gibt es Spargel? Sondern: Wo gibt es den besten Spargel?

Das königliche Gemüse als Massenware? Das ist auch die Befürchtung einiger Spargelbauern wie Gerald Simianer vom Spargelhof Hugo Simianer und Söhne. In Nordrhein-Westfalen soll man bereits an einer Maschine arbeiten, die das Spargelfeld beackert, die Hügel komplett abträgt. Dabei soll es angeblich 40 Prozent Schwund geben. Das nimmt man in Kauf. Denn die Löhne für die Saisonarbeiter fallen dann einfach weg. Vielleicht wird es dann nur noch wenige geben, die Qualität und nicht Quantität produzieren. Das sieht auch Manfred Schmidt so. Denn wie er ja schon mit seiner Seilbahn-Metapher beschrieben hat: Höher geht es mit dem Spargelanbau nicht mehr.     

Text: Eva-Maria Hilker
Foto: Daniela Friebel/Hipi


Spargelmuseum Beelitz
Kietz 36, 14547 Beelitz, OT Schlunkendorf
Tel. 033204 421 12
Mo bis So 10–16 Uhr
Eintrittspreis: 1,50 /1,20 Ђ

ADRESSEN VON SPARGELHÖFEN IN BRANDENBURG

Noch viel mehr über SPARGEL, z.B. die Arbeiter, die ihn ernten, den Anbau, allerlei Feste und anspruchsvolle Rezepte stehen in tip 10/2012 auf den Seiten 26 – 35

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