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Tim Raue kümmert sich jetzt um das Restaurant Sphere im Berliner Fernsehturm

Text: Marianne Rennella
Veröffentlicht am: 26.08.2025
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Tim Raue kocht auf 203 Metern Höhe: Das Restaurant Sphere hat im Sommer im Fernsehturm eröffnet. Mit seinem neuen Projekt katapultiert der Sternekoch sich aufs nächste Level – zumindest höhentechnisch. Hier lest ihr, ob Tim Raue die hohen Erwartungen an sein neues Restaurant erfüllen kann.

Starkoch Tim Raue im neu eröffneten The Sphere im Fernsehturm. Foto: Nils Hasenau

Tim Raue hält in seinem Kreuzberger Restaurant seit 2021 zwei Michelin-Sterne

Spektakulärer kann ein Abend in einem Restaurant kaum beginnen: in 35 Sekunden auf 203 Meter Höhe rasen. Das Ziel: die Kuppel des Berliner Fernsehturms. Anfang Juni eröffnete dort das Restaurant Sphere neu, verantwortet wird es seitdem von – Tim Raue.

Der Starkoch betreibt mittlerweile ein gutes Dutzend Restaurants im deutschsprachigen Raum, tatsächlich kocht er vor allem im Restaurant Tim Raue in Kreuzberg, wo er seit 2012 zwei Michelin-Sterne hält. Mit seinem neusten Projekt katapultierte er sich dennoch auf das nächste Level. Höhentechnisch und ruhmtechnisch – ein Restaurant in einer der Hauptattraktionen der Hauptstadt, die noch dazu Raues Heimat ist. Ein wahrgewordener Traum?

Traumhaft ist der 360-Grad-Ausblick, der einen phänomenalen Sonnenuntergang bietet, dazu der neu inszenierte 1970er-Jahre-­Look des in der Kuppelspitze gelegenen Restaurants. Für die einen sind es Erinnerungen an die Kindheit, für andere an die ersten Jahre in einer neuen Stadt, in einem neuen Leben. Der Fernsehturm ist aufgeladen mit Sehnsucht, Nostalgie und Geschichte. Entsprechend enttäuschend waren die generischen Gastronomiekonzepte der vergangenen Jahre. Und entsprechend hoch waren die Erwartungen an den Einzug von Tim Raue.

In luftiger Höhe gibt es kaum adäquate Alokohl-Alternativen. Foto: Nils Hasenau

Auf die Frage, was es an alkoholfreien Alternativen gibt, heißt es: Cola, Fanta, Sprite, Red Bull. Außerdem stehen verschiedene Schorlen, Säfte, Limonaden und Fassbrause von BRLO auf der Karte. Schließlich wird es doch ein alkoholfreier Schaumwein auf Basis von Trauben und Apfel, ein Fruit Secco, nicht so süß, nicht so überzeugend. Zum ersten Gang des veganen Menüs, einem Rote-Beete-Carpaccio mit Haselnussdressing und einer recht dominanten Trüffelmayonnaise, passt er dennoch. Während die omnivore Vorspeise aus Garnelen, scharfer Mayonnaise und Champignons eine gelungene Hommage an den legendären Garnelen-Cocktail aus dem KaDeWe ist, verschwindet der vegane Sphere-Salat im hübschen Porzellan beinahe, so dürftig und unzusammenhängend wurden eingelegte Karotte, Blattsalat, eine Cherrytomate, ein Klecks Kichererbsencreme und erneut Rote Beete darauf verteilt.

Enttäuschend: Das Ticket auf den Fernsehturm muss extra gelöst werden

Dass Raue eigentlich auf starke Aromen steht, zeigen die klassische Soljanka und die ingwerscharfe Kürbiscremesuppe mit roter Paprika. Auch der trotz voller Belegung und der im Fuße des Turmes gelegenen Küche auf den Punkt gegarte Zander mit Estragonpüree und Schmorgurke gefällt. Trüffelöl – und meine Enttäuschung – wiederholen sich jedoch im veganen Hauptgang, drei Steaks auf Erbsenproteinbasis, zu denen es gerne mehr vom delikaten Selleriepüree und dem Spinat hätte geben können. Über die täuschende Echtheit des Fleischersatzproduktes wird tischübergreifend dennoch geschwärmt, und auch Raues berühmte Königsberger Klopse kommen gut an. Zum Nachtisch gibt es eine Käsekuchenmousse mit Erdbeeren und salzigen Butterbröseln, angelehnt an ein Rezept von Raues Tante Kathi. Was köstlich klingt, schmeckt noch einmal – unspektakulär.

Aber: Hatten wir vielleicht allzu Großartiges erwartet, weil diese Geschichte einfach viel zu gut ist? Sie lautet: Berlins bekanntester Koch in Berlins bekanntestem Gebäude. Hier oben im Fernsehturm aber kann Tim Raue Erwartungen, die mindestens so hoch wie das Restaurant selbst, kaum erfüllen. Ein gelungenes Erlebnis kann der Besuch dennoch sein. Wir würden eines der Menüs wählen, drei Gänge (vegan oder Schnitzel) für 44 Euro oder das berlingefühlige „Meine Heimat“, unter anderem mit Soljanka, Klopsen und Garnelen-Cocktail, für 125 Euro inklusive Wein, Wasser und Kaffee. Den Blick über Tim Raues Berlin gibt es, so würden wir jetzt gerne schreiben, gratis dazu. Aber, nein: Das Ticket auf den Fernsehturm muss auch weiterhin extra gelöst werden. 


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