Kommentar

„Sternenstaub“ von Clemens Niedenthal

Alfredo Sironi lässt den Teig für sein Pane di Milano 24 Stunden lang ziehen. Und bei Fritz Lloyd Blomeyer gibt es Käse, die 24 Monate gereift worden sind.

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Auch dieses Stadtmagazin braucht ein paar Tage, bis es druckfrisch in ihren Händen liegt. Weshalb wir hier noch nicht von den neuen Michelin-Sternen berichten, die an diesem Donnerstag, dem 1. Dezember, vergeben worden sind. Also reden wir über die Sterne, die fehlen. Kurz: Von 19 Sternerestaurants, die im Guide Michelin für das laufende Jahr gelistet sind, sind zwei (das in eine sehr lange Umbaupause verabschiedete First Floor und Kolja Kleebergs Vau) bereits geschlossen. Jetzt wurde zudem publik, dass auch das Les Solistes im Waldorf Astoria zum Jahresende schließen wird.
Ist dass die Katerstimmung nach der großen Party, die das kulinarische Berlin zuletzt gefeiert hat? Oder ist es auch eine Reaktion auf eine Demokratisierung des Kulinarischen, die mit dieser Entwicklung einher gegangen ist. Wo man exzellent isst, darüber entscheidet nicht mehr nur der eine (und erst recht nicht der andere) Restaurant-Guide. Und wer in dieser Stadt eben exzellent essen will, geht genauso selbstverständlich in eine Neuköllner Naturweinbar oder diesen Laden am Landwehrkanal, wo man Bitterballen mit den Fingern ist. Gut möglich, dass unter den jetzt neu gekürten Sterneläden auch eine solche Adresse ist. Nicht nur Küchenstile können sich ja modernisieren – sondern auch die Kritik an ihnen.

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