Essen & Trinken

Streifzug durch die Torstraße – Teil 2

Muschi-ObermaierEines, das schon im China-Trash-Burger-Mix des alten White Trash funktionierte und das zum Beispiel auch das Muschi Obermaier vor Laufkundschaft bewahrt. In die Bar mit den schwarz beklebten Fenstern und dem pikanten Namen verirren sich keine Touristengruppen und keine Umländer auf Vergnügungstour. Das Gleiche gilt für die schwarze Kellertür der Torstraße 218, den Eingang des Peng Lily Peng (Tel: 275 821 04). Markus Blömer ist Inhaber der unscheinbaren kleinen Weinbar im Souterrain eines unscheinbaren Berliner Altbaus. Seine Devise: lieber keine Gäste als die falschen. „Die Torstraße wird nie eine Flaniermeile“, sagt Blömer, für den die Weinbar wie ein zweites Wohnzimmer ist. Es klingt wie ein Wunsch.

Ein unrealistischer Wunsch. Denn die Torstraße scheint auf dem besten Weg, die Ausgehmeile zu werden. „Früher war hier höchstens mal am Wochenende was los, jetzt ist jeden Tag Halligalli“, sagt Tönnies Bartesch. Von seinem kleinen Cafй Mörder, Ecke Borsigstraße, hat er einen guten Überblick über das
Geschehen auf der Torstraße. Seine Erklärung für die neue Anziehungskraft der Trash-Meile: „Vielleicht, weil die Straße am besten das Image Berlins widerspiegelt? Nicht schön und beschaulich, sondern immer ein wenig spröde, unsensibel und laut.“ Dass sich die Torstraße inzwischen als Gastronomiemeile etabliert, erkennt er an den vielen Baustellen: „Vor drei Jahren war es hier noch richtig tot“, erinnert er sich. Inzwischen wurden Straßen aufgerissen und Gehwege repariert. Nachts ist die westliche Torstraße inzwischen eine Tempo-30-Zone, eine Anwohnerinitiative fordert die Ausweitung der Regelung auch auf den Tag. „Das ist ja nicht zufällig so“, meint Bartesch.

Doch noch hinkt die Torstraße anderen Gegenden des Bezirks Mitte hinterher. Noch wirkt die Straße unaufgeräumt und ein bisschen kaputt. Immer noch gibt es großen Sanierungsbedarf, vor allem bei den grauen Fassaden der Plattenbauten, die das Bild der westlichen Torstraße prägen. Verglichen mit anderen Kiezen im Bezirk Mitte sind die Mieten hier deshalb ziemlich günstig. Kein Wunder also, dass sich viele Gastronomiebetriebe hier neu erfinden. „Am Hackeschen Markt wohnt niemand mehr, das ist zu teuer, viele sind inzwischen in die Gegend um die Torstraße gezogen“, sagt Micki Balbiano, Inhaber vom Zoe. Früher befand sich das Restaurant in der Rochstraße am Hackeschen Markt. Im Juli zog es, mit gleichem Konzept, in die Torstraße. Quasi seinen Gästen hinterher. Für den Gastronomen war die Straße deshalb nicht zweite Wahl sondern ganz expliziter Wunsch. Nicht nur wegen der günstigeren Preise: „Auf dem Bürgersteig ist viel Platz für eine große Terrasse und zumindest auf der westlichen Torstraße gibt es sehr viele Bäume“, erklärt Balbiano. Auch wenn er es nicht zugeben mag: Ein Grund für den Umzug wird auch das neue Image der Straße sein.

Bandol_sur_merAuf der westlichen Seite der Torstraße, jenseits des Rosenthaler Platzes, kann man die Veränderung der Torstraße am besten beobachten. Ein Beispiel von vielen: An der vielbefahrenen Kreuzung gibt es seit zehn Jahren endlich wieder Currywurst. Seit 1999 hatte die Fleischerei neben dem Lokal St. Oberholz geschlossen. Lange befand sich in den Räumen eine Werkstatt für Siebdruck und Street-Art. Seit diesem Sommer wird nun wieder Currywurst gebraten – in einer Imbissbude mit schicken hellen Holztischen, Qualitätsfleisch und Champagner. Alireza Farahmand vom Themroc sieht der neuen Konkurrenz gelassen entgegen. „Wir kennen uns hier doch alle und sind wie eine kleine Gemeinschaft“, erklärt er und pflegt damit das Image der Torstraßen- Gastronomie: Bescheiden und ungekünstelt möchte man sein. „Wenn das Restaurant voll ist, empfehlen wir den Gästen einfach ein anderes Lokal“, sagt Farahmand. Wie bei Peter Lohmeyer und Sarah Wiener. Die beiden schickte er ins benachbarte Bandol.


Text
: Antje Binder
Fotos:
Diane Vincent, Betty Myller

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