Kommentar

„Szenenreif“ von Clemens Niedenthal

Gerade hat die Jury der Berliner Meisterköche die Nominierten für das laufende kulinarische Jahr bekanntgegeben. Berliner Meisterkoch, Brandenburger Meisterkoch, Gastgeberin das Jahres…

Clemens Niedenthal
Clemens Niedenthal

Ich habe mich mit den Nominierten gefreut, wenn, im Wortsinne, mein Geschmack getroffen wurde. Und mich gewundert, dass manch fabelhafter Laden, das außerhalb Berlins elogisch besprochene Lode & Stijn etwa, so gar keinen Widerhall gefunden hat. Worüber ich mich geärgert habe, ist diese seltsame Rubrik: „Szenerestaurant des Jahres“. Zumal, wenn man gerade bei der leisen, handwerklich präzisen Küche von Sarah Hallmann sitzt und sich fragt, warum dieses „Hallmann & Klee“ also ein „Szenelokal“ sei. Wegen dem Betontresen? Oder der Adresse? Böhmischer Platz, Neukölln. Nicht Mitte oder Charlottenburg. Ein anderer Nominierter, das BRLO Brwhouse, besteht aus ein paar gestapelten Überseecontainern. Ist das „szenig“? Oder geht es ums Craft Beer und die Bärte des Publikums? Der tolle Tilo Roth hat am Landwehrkanal seine wortwörtliche, weil unprätentiöse Gaststätte am Ufer eröffnet. Ein Szenelokal?
Gut es mag Szenelokale gegeben haben. Das junge Grill Royal war eines und irgendwie auch das Borchardt. Und dann gibt es noch Szeneläden, in denen sich Berlins Gastro-Journalistenszene trifft…
Letztens war ich in einem eher steifen Hotelrestaurant. Da hat die Frau am Nachbartisch ihrem Begleiter eine ziemliche Szene gemacht. Ich fürchte aber, mit dieser Definition kommen wir auch nicht wirklich weiter.

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