Essen & Trinken

Tee trinken ist wieder „in“

Tee_Foto_Jens_BergerEinmal auf den Sofas gelandet, kann das Berliner Wetter einem gestohlen und man selbst ewig in den Polstern bleiben. Versteckt hinter der großen Treppe im Eingangsbereich von The Ritz-Carlton wird ab 14 Uhr Tee serviert. Wer sich noch ein wenig disziplinieren will, der sollte auf den Stühlen Platz nehmen, die sind zwar auch bequem, aber längst nicht so verführerisch zum Fläzen. Sich einfach ein wenig gehen lassen – gleich kommt Sandra Rosenmüller mit der sogenannten Schnüffelbox, ja, das heißt so, und der Gast soll sich damit leichter über seinen Teewunsch klar werden. Ob einen grünen, einen schwarzen oder fruchtigen Tee – in einem kurzen Gespräch findet Expertin Rosenmüller die richtige Sorte.
Auf einem kleinen Nebentisch stehen bereits die Kannen – aus Wedgwood-Porzellan, exklusiv fürs Berliner Ritz-Carlton produziert – auf Stövchen bereit und werden vorgewärmt. Denn der Tee zieht in separaten Kannen entweder zwei, drei oder mehrere Minuten in 80 bis 100 Grad heißem Wasser. Dann wird umgegossen durch das Wackelsieb – ja, auch das heißt wirklich so –, und endlich geht es ans Teeschlürfen. Der vollmundige, leicht rauchige Assam mit Milch und Zucker passt ebenso gut zur Teezeremonie wie ein Frucht- bzw. Wellnesstee.
Als cremige Einstiegsdroge kommt ein unglaublich süßes Zitronenbaiser auf Streusel daher. Dezent britisch könnte man diese Zeremonie bezeichnen. Es geht aber auch berlinisch entspannt zu. Wenn die Etagere mit Sandwiches, Petits Fours, Macarons und weiteren süßen Schweinereien aufgetischt wird, dann sind fast sämtliche Hemmungen dahin, und man möchte fast schon die Schuhe ausziehen, um die Beine hochzulegen. Doch das verbietet der gute Ton. Wenn aber die Scones mit Clotted Cream kommen, dann ist von feinen Umgangsformen sowieso keine Spur mehr. Denn diese Art Brötchen bestreicht man, na ja, man häuft eher Marmelade darauf und toppt das Ganze noch mit Clotted Cream, einer schwer sahnig-rahmigen Creme. Um das alles in den Mund zu bekommen, muss man schon ein wenig seine Schamgrenze überwinden.Tee_Foto_Jens_Berger
Es vergehen gut zwei Stunden mit Teetrinken und der dazugehörigen größeren Nascherei. Es muss zwar nicht gleich so lange dauern, aber 30 bis 45 Minuten sollten in der Regel schon veranschlagt werden. Tee ist durch das Teein zwar auch anregend, doch wird er nie den schnellen Kick des Kaffees, also des Koffeins, auslösen. Aber Sandra Rosenmüller hat da noch etwas für den starken Antrieb, nämlich den Tee-Espresso: sieben bis acht Löffel schwarzen Tee auf eine halbe Kanne – ca. 400 Milliliter – heißes Wasser, zwei Minuten ziehen lassen, dann in entsprechend kleinen Portionen trinken. „Sie werden sehen.“

Lesen Sie weiter in unserem Tip-Heft 23 

Text: Eva-Maria Hilker 

Fotos: Jens Berger

The Ritz-Carlton, Berlin Potsdamer Platz 3, Tiergarten,
Tel. 337 77-64 90; U+S-Bhf. Potsdamer Platz, Bus M41, M48, 200;
tgl. ab 14 Uhr, Afternoon-Tea, Teezeremonie
(Tee, Gebäck und Snacks) ab 28 Ђ

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