Essen & Trinken

Teil 2: Der beste Kaffee in Berlin

Double_Eye-c_HS-11Andererseits fährt aber niemand in seiner Mittagspause mal schnell in den übernächsten Stadtteil, nur um seinen Lieblingskaffee zu trinken. Kaffee ist immer noch und vor allem ein ziemlich naheliegendes Getränk. Weshalb sich in der Akazienstraße in Schöneberg schon mal die Nachbarschaft um den Siebträger versammelt. Der Espresso kostet ein Euro, so günstig bekommt man kaum einen schlechten Kaffee in dieser Stadt.

Bei Arno Schmeil (Foto) im DoubleEye aber ist er richtig gut. Und das nicht nur, weil Schmeil mal Weltmeister war, der beste Barista des Jahres 2006. Und weil er mit seinem kleinen Kaffee sogar Starbucks besiegt hat. Vor fünf Jahren hatte sich das H&M unter den Kaffeeläden ausgerechnet die Akazienstraße ausgesucht, um zu testen, ob ihr globalisiertes Geschäftsmodell auch in spezifischen Kiezlagen funktioniert. Es funktionierte nicht. Starbucks zog sich wieder in die Friedrichstraße und auf den Kurfürstendamm zurück. Die ganzen Ecken, wo es jetzt neue tolle kleine Kaffeeläden gibt, sollten Starbucksland werden.“

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Nein, vor allem ist der Kaffee im Double-Eye so gut, weil ihn einer macht, der nichts anderes machen möchte, der sich diesem Thema mit Haut und Haaren verschrieben hat. „Nach einer beruflichen Krise hatte ich mich gefragt, was ich wirklich will.“ Aus dem studierten Bauingenieur wurde ein Kaffeehandwerker, der seine Bohnen selbst röstet und wenn immer es geht die Kaffeeplantagen bereist. Gerade erst ist Arno Schmeil aus Brasilien zurückgekommen. Das Rösten ist auch der Grund, warum die Tür von The Barn Roastery in der Schönhauser Allee montags verschlossen bleibt. Dann konzentriert sich Ralf Rüller, einer jener Bartträger im Karohemd, ganz auf die Bohne. Riecht, schmeckt, hört. Das Ohr am Trommelröster, warten auf das Geräusch, wenn die Bohnen „cracken“ – „eine Aromaexplosion“. Rüller röstet seine sortenreinen Kaffees „grüner“, als es die typischen Espressomischungen sind. „Intensiv, floral oder auch mal malmineralisch“ sollen sie schmecken, nach „Blaubeere, Kirsche, Tomate, Rhabarber“, nicht immer nur dunkle Schokolade und Röstaromen. „Ein guter kenianischer Filterkaffee wirkt geradezu erfrischend, eine Qualität, die man mit Kaffee gemeinhin noch nicht in Verbindung bringt.“

Five_Elefphant_c_HS-122Wie man denn Teil werden könnte dieser neuen Kaffeebewegung? Ralf Rüller hält -wenig von Barista-Kursen: „Einfach oft in den Laden kommen und seinen Wissenshunger und Enthusiasmus zeigen, irgendwann holen wir dich dann auf die andere Seite des Tresens.“ Wissenshunger und Enthusiasmus bleiben auch die Währung, mit der auch Kris Schackman (Foto rechts) von Five Elephant bis auf Weiteres die eigene Arbeit honoriert. Das Cafй und die Rösterei in der Reichenberger Straße tragen sich gerade so eben – und mit ihnen die gute Handvoll Mitarbeiter, die das kleine Unternehmen inzwischen hat. Der Philadelphia Cheese Cake, den Schackman und seine Lebensgefährtin Sophie Weigensamer immer donnerstags auf dem Street Food Market in der Kreuzberger Markhalle Neun verkaufen, bringt derweil die private Miete rein.

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Von dem Mund in die Hand gewissermaßen. Und aus der Überzeugung, sich mit etwas Richtigem und Gutem zu beschäftigen. Nicht nur mit dem guten Geschmack. „Das ist schon auch ein Grund, warum wir das machen, sich mit einer Sache beschäftigen, hinter der man in jedem einzelnen Moment stehen kann.“ Statistisch betrachtet werden in Berlin täglich acht Millionen Tassen Kaffee getrunken. Gerade einmal zwei Prozent davon haben immerhin ein Fair-Trade-Siegel. Wirklich fair gehandelt – im direkten Kontakt mit den Kaffeebauern, im Wissen um deren Arbeit und in der Sorge um deren Arbeitsbedingungen – sind am Ende des Tages vielleicht einige wenige Tausend davon.
Alleine deshalb ist es an der Zeit für diese dritte Welle. „Man gibt ein bisschen mehr für guten Kaffee aus“, so Cory Andreen, der in Prenzlauer Berg das Cafй CK betreibt, „der Rest ist eigentlich ganz simpel.“

Text: Clemens Niedenthal

Fotos: Harry Schnitger 

Adressen:

Cafй 9 in der Markthalle Neun Eisenbahnstraße 42, Kreuzberg, Mo–Sa 7.30–17.30 Uhr

Chapter One Mittenwalder Straße 30, Kreuzberg, Di–Fr 9–18 Uhr, Sa 11–18 Uhr www.chapter-one-coffee.com

The Barn Roastery Schönhauser Allee 8, Mitte, Di–Fr 8.30–18 Uhr, Sa 10–18 Uhr www.thebarn.de

Double Eye Akazienstraße 22, Schöneberg, Mo–Fr 9.30–18.30 Uhr, Sa 10–15.30 Uhr www.doubleeye.de

Five Elephant Reichenberger Straße 101, Kreuzberg, Mo–Fr 8.30–19 Uhr, Sa–So 10–19 Uhr www.fiveelephant.com

Cafй CK Marienburger Straße 49, Prenzlauer Berg, Mo–Sa 9–19 Uhr www.cafeckberlin.com

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