Essen & Trinken

Teil 2: Die besten Teigtaschen Berlins

YumchaWegweisend und heldenhaft

Modernes China – bei den Yumcha Heroes einziges Statement. Einfaches Mobiliar, großflächige Lampen mit dezentem Licht, viele Fenster, viel Einblick in die Küche. Diese raffiniert inszeniert durch die rosa Glas­scheibe, was wiederum beweist: Die rosa Brille macht alles sehr viel schöner. So eben auch die pragmatisch-puristisch eingerichtete Küche. Es duftet beim Eintreten schon buttrig-säuerlich nach der klassischen Essigsauce zu den frischen Teigtaschen. Erster Eindruck: Es geht hier ums Wesentliche, ums gute Essen. Gleich ein Geständnis: Wir hatten sie alle, na ja, fast alle, und sie kamen verdammt schnell auf den Tisch. Nicht mal zehn Minuten und das erste Bastkörbchen – also die ersten vier Teigtaschen – stand auf dem Tisch. Die Grünen (vegetarisch), die Schwarzen (Rindfleischfüllung), die Weinroten (Lamm), die Orangefarbenen (Huhn) und die Shanghaier kamen dampfend heiß daher. Der Teig drumherum ist bissfest und gleichzeitig weich. Kein Täschchen schmeckt wie das andere! Die Allerallerbesten waren die vegetarischen mit Gemüsefüllung und einem fein würzigen Aroma. Auf gleicher Höhe: die mit Rindfleisch sind dezent gewürzt, damit das Fleischaroma zur Geltung kommt.

Dazu gibt es drei feine Saucen, eine mit Pflaumengeschmack, eine scharfe mit Chili und, die beste aller Saucen, das Essig-Soja-Ingwer-Gemisch. Der Service ist schnell und professionell – und er freut sich über die positiven Reaktionen der Gäste.
Das Strahlen weicht nicht mehr aus dem Gesicht des Kellners, als er viel Lob für die Speisen erntet. Gute Laune gibt es also auch dazu.
Die beste Adresse für zeitgemäße chinesische Küche. Nichts gegen bewährte Traditionen, doch die Helden auf dem Weinbergsweg importieren die beste Seite der schnellen chinesischen Küche: frisch, auf den Punkt gegart und mit einer deutlichen Handschrift, was Aromen und Gewürze betrifft. Egal von wo man angereist kommt: Der Weg lohnt sich, denn es wird zu jeder Tageszeit frisch gedämpft oder gebraten!

Text: Eva-Maria Hilker

tip-Bewertung: Herausragend

Yumcha Heroes Weinbergsweg 8, Prenzlauer Berg, Tel. 76 21 30 35, www.yumchaheroes.com

Kimchi_PrincessFeiner Vorgeschmack

Das koreanische Restaurant Kimchi Princess gehört zu den interessantesten Neueröffnungen des Jahres, es bietet gehobene Erlebnisgastronomie für Kreuzberger Hipster. Beim Betreten wird man von einem deftig-warmen Duft nach exotischen Gewürzen und gebratenem Fleisch empfangen. Das Interieur wirkt mit seiner atmosphärischen Mischung aus Lässigkeit und schlichter Eleganz fast schon angestrengt stylisch. Die massiven Tafeln aus dunklen Holz werden von gedämpftem Licht illuminiert, die Essstäbchen sind aus Metall, und als Reminiszenz an die oft recht rustikale asiatische Imbisskultur ist die gesamte Rückwand mit rot lackiertem Blech verkleidet, wie man es von Baucontainern kennt. Hauptattraktion im Kimchi Princess sind die Barbecue-Gerichte, die am gusseisernen Tischgrill zubereitet werden. Dabei schneidet der Grillmeister die Fleischlappen nach koreanischer Sitte mit der Schere in mundgerechte Happen. Angesichts dieser stimmigen Kombination aus herzhafter Küche und Show ist es kein Wunder, dass der Laden auch an einem Dienstagabend schon vor acht Uhr rappelvoll ist.

Die hausgemachten Teigtaschen, auf Koreanisch Mandu, werden als Vorspeise serviert. Dass die mit Fleisch gefüllten Varianten leider gerade nicht vorrätig sind, erfahren wir erst nach der Bestellung, deshalb bleibt uns heute nur die vegetarische Version, die gedünstet (Mul Mandu) oder frittiert (Gun Mandu) auf den Tisch kommt. Im direkten Vergleich erweisen sich die Mul Mandu als eindeutige Gewinner: Im hauchdünnen, leicht klebrigen Teigmantel kommt die feine Füllung aus kleingehackten Bohnen, Karotten, Frühlingszwiebeln und Blumenkohl sehr gut zur Geltung. Frittiert schmecken die länglichen Dinger dagegen wie gewöhnliche Frühlingsrollen. Insgesamt sind die Teigtaschen im Kimchi Princess durchaus als Vorgeschmack auf weitere koreanische Spezialitäten geeignet. Allein wegen ihnen lohnt sich der Weg nach Kreuzberg aber nicht.

Text: Heiko Zwirner

tip-Bewertung: Annehmbar

Kimchi Princess Skalitzer Straße 36, Kreuzberg, Tel. 41 81 24 60

AmarIndische Variante

Sonnige Farben, schrille Fünftonmusik und ein unverstellter Blick auf das geschäftige Auf und Ab der Schlesischen Straße. Dazu ein einnehmend freundlich lächelnder Gastgeber, der ungefragt pfefferscharfes Brot und drei Dips zum Einstieg kredenzt. In der Karte ist den indischen Varianten des ummantelten Genusses ein ganzes Kapitel gewidmet. Neben marinierten Kartoffeln, Auberginenscheiben, Blumenkohlröschen und Zwiebelstreifen werden auch paniertes Hähnchenfleisch und Großgarnelen als sogenannte Pakoras oder Bhajis serviert. Die Zubereitung ist denkbar einfach. Die mundgerecht portionierten Kleinigkeiten werden nur wenige Minuten in Kichererbsenmehlteig frittiert. Daneben gibt es eine weitere Variante, nämlich Samosas. Dabei werden Kartoffeln, grüne Erbsen und Mandeln in einen Teig aus Weizenmehl und Wasser eingeschlagen und in siedendem Fett ausgebacken. Die Wahl fällt auf die gemischte Vorspeisenplatte mit allen möglichen vegetarischen Varianten, Samosas und Pakoras.

Die frittierten Kicherbsenhüllen sind knackig, nicht zu fettig und mit leichten Kümmelnoten. Diese lenken aber kaum vom Geschmack der jeweiligen Füllung ab. Neben frischem Gemüse überzeugt vor allem der hausgemachte Rahmkäse mit zarter Konsistenz und mildem Sahnegeschmack. Die handlichen Batzen werden abwechselnd in den pikanten oder fruchtigen Soßen versenkt.
Neben süßlichen Fruchtchutney stehen ölige Kräutermischungen und mit Knoblauch und Chili veredelte Joghurtsoßen bereit. Die zu Dreiecken gefalteten Samosas sind nicht nur etwas größer als die Pakoras, sondern auch von der Füllung her vielschichtiger. Die gedämpften Gemüse sind butterzart und mit Zimtnoten und Curry versetzt. In puncto Abwechslung bleiben dank großer Auswahl an Füllungen und unterschiedlich gewürzten Dips keine Wünsche offen. Einziger Wehmutstropfen nach der bunten Vorspeise: Die frittierten Teilchen machen so satt, dass vom Hauptgericht danach bestimmt etwas übrig bleibt. Kein Grund zum Weiterstopfen. Der Gastgeber schenkt einem auch beim Überreichen der eingepackten Reste ein herzliches Lächeln.

Text: Susan Schiedlofsky

tip-Bewertung: Empfehlenswert

Amar Schlesische Straße 9, Kreuzberg, U-Bhf. Schlesisches Tor; Mo-Do 11.30-1 Uhr, Fr+Sa 12-2 Uhr, So 12-1 Uhr, Küche Mo-Do, So bis 24 Uhr, Fr+Sa bis 1 Uhr


Teil 1, 2, 3, 4

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Fotos: Harry Schnittger, Judith Triebel, Kerstin Nussbächer 

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