Essen & Trinken

Teil 4: Die besten Teigtaschen Berlins

AromaZehn Minuten Wartezeit

Das Aroma existiert seit sieben Jahren und ist mit der üblichen Mischung aus Kunstblumen, Aquarium und falschen Mingvasen dekoriert. Aber die Tische haben Stoffdecken, auf denen jeweils eine Glasplatte liegt – das wischt sich doch einfacher! Das Publikum ist stark chinesisch, die bekommen auch eine eigene Speisekarte. Die Deutschen sind oft Stammgäste und werden mit Handschlag begrüßt. Sie benutzen die „westliche“ Speisekarte, auf der alles in Deutsch, Englisch und Russisch beschrieben ist. Die 22 Dim-Sum-Gerichte sind dankenswerterweise alle abgebildet, und – so schwört die Küche und so schmecken sie auch – hausgemacht. Am Testabend waren drei Gerichte nicht zu haben, aber von D1 bis D 22 zu essen, überfordert. Gut bis sehr gut sind die Klassiker wie Teigtaschen mit Garnelenfüllung, mit Schweinefleisch– oder Hackfleischfüllung, alle frisch, anregend dampfend und gut gewürzt. Etwas fade schmecken die Reisblätterrollen mit Großgarnelenfüllung, diese immer weich-schlabberige, aber köstliche Spezialität ließ die peppige Würzung vermissen.

Ungewöhnlich, aber anregend sind die gedämpften Lotusblätter, gefüllt mit Klebreis und Fleisch, und die frittierten Sojateig­rollen mit Schweinefleischfüllung. Vor allem der raue Klebreis, den man aus den Lotusblättern wie aus dem Päckchen pellt, ist eine gute Variante zu den glatten Teigtäschchen. Wer zum Nachtisch noch nicht genug hat, kann zwischen zwei süßen Varianten wählen. Trotz kleiner Einschränkungen ist das Aroma ein guter, allerdings total untrendiger Ort, um sich durch eine Dim-Sum-Speisekarte „durchzufressen“.
Die Kellner sind auf Anfrage auskunftswillig, nach der Bestellung dampfen nach zehn Minuten die ers­ten Teigteilchen auf dem Tisch.

Text: Margit Miosga

tip-Bewertung: Annehmbar

Aroma Kantstraße 35, Charlottenburg, Tel. 37 59 16 28

Toca_RougeSchlafendes Schneeweißchen

Das Toca Rouge ist eigentlich ein ausgedienter Dönerladen. Heute serviert man hier moderne asiatische Fusion-Küche. Statt China-Kitsch dominiert kühles Understatement. Statt voluminöser Speisekarte mit allerlei exotischen Gerichten, gibt es eine abgegriffene Fotokopie mit einem guten Dutzend Gerichten. Die Entscheidung fällt schnell auf eines der beiden Teigtaschengerichte, das, wie alle Speisen, einen bizarren Namen trägt. „Snow White Sleeper“ ist ein vegetarisches Gericht mit Japan-Tofu, chinesischer Wintermelone und Lauchzwiebel-Teigtaschen. Das Essen ist schnell serviert und hübsch angerichtet. Wer jedoch wegen der Teigtaschen ins Toca Rouge kommt, wird wahrscheinlich ein wenig enttäuscht. Nicht etwa, weil das Gericht nicht schmeckt. Im Gegenteil: Die Teigtaschen sind knusprig angebraten, die Füllung aus Lauchzwiebeln gut gewürzt, schmackhaft und von angenehmer Konsistenz. Die süßlich-fruchtige Mandarinensauce über den Teigtaschen harmoniert auf eine krude Art mit der schweren Sojasauce auf dem Teller. Nein, am Geschmack ist wahrlich nichts auszusetzen. Es ist die Größe der Teigtaschen, die enttäuscht.

Mit einem Durchmesser, der in etwa dem eines durchschnittlichen schwedischen Fleischbällchens entspricht, ver­schwin­den die chinesischen Täschchen mit einem Happs im Mund. Dass sich nur fünf der winzigen Bällchen auf dem Teller befinden, macht die Sache nicht besser. Die Anzahl scheint selbst als Beilage ein wenig sparsam bemessen. Immerhin vermögen es die Reiskugel und der Tofublock, den Hunger zu stillen. Ein wenig Enttäuschung bleibt dennoch, schließlich war man doch wegen der Teigtaschen da. Das Essen ist schmackhaft, die Komposition des Gerichts gelungen. Wegen der Teigtaschen braucht aber niemand vorbeikommen. Wer es trotzdem tut, muss sich auf kleine Rationen einstellen oder gleich nach der doppelten Portion fragen.

Text: Antje Binder

tip-Bewertung: Zwiespältig

Toca Rouge Torstraße 195, Mitte, Tel. 84 71 21 42

TangsGlutamatfrei und frisch

Aus filmkritischer Sicht ist mein Verhältnis zu chinesischen Teigtaschen ein wenig belastet. Daran ist Fruit Chans Horrorfilm „Dumplings“ schuld, der vor ein paar Jahren in seine Teigtaschen sehr unerfreuliche Zutaten packte. Aber es wäre ungerecht, die komplexe und fein differenzierte chinesische Esskultur dafür in Haft zu nehmen, zumal an einem Ort wie Tangs Kantine. Die Kantine, die tatsächlich ein legeres Restaurant in der Dieffenbachstraße ist, pflegt die chinesische Küche glutatmatfrei und mit frischen Zutaten. Fürs anspruchsvollere Kreuzberger Publikum gibt es nicht nur wunderbar aromatischen Koriander-Tofu und üppige fleischliche und vegetarische Gerichte aus der Shanghai-Küche. Auch kantonesische Dim Sums kann man in zahlreichen Varianten genießen, ummantelt mit Reis-, Nudel- oder Hefeteig. Serviert wird an der langen Tafel, an der leicht ein Dutzend Geburtstagsgäste Platz finden können, wie an den intimeren Tischen im angenehm kitschfreien Interieur. Die gedämpften und gebratenen Dim Sums kommen für wohlfeile drei Euro in klassischen, kleinen Einheiten а 4 bis 5 Stück. Die mit gehackten Zutaten gefüllten Teigtaschen kommen mit passenden Saucen, Essig oder Soja, sowie mit freundlichen Erläuterungen der Bedienung – ein Gewinn nicht nur für Gäste, die frisch auf diesem Feld experimentieren. Besonders erfreulich waren die gedämpften Shao Mai mit einer Füllung aus Schweinefleisch und die Bao Zi, eine flaumige Unterhaltungseinlage aus fleischgefülltem, süßem Hefeteig.

Text: Robert
Weixlbaumer

tip-Bewertung: Empfehlenswert

Tangs Kantine Dieffenbachstraße 18, Kreuzberg, Tel. 69 814 658, www.tangs-kantine.de

Teil 1, 2, 3, 4

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Fotos: Harry Schnittger, Judith Triebel, Kerstin Nussbächer

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