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Untergang vom Thaipark: So steht es um die Zukunft des beliebten Picknicks

Thailand mitten in Berlin: Von Papaya-Salat über Hähnchenspieße bis hin zu Kokosnuss-Pudding. Der Preußenpark Wilmersdorf erinnerte lange mit seinem Geruch, seiner Atmosphäre und dem Geschmack der angebotenen Speisen an die 8.600 Kilometer entfernte thailändische Hauptstadt Bangkok. Und ist deshalb als Thaipark mittlerweile bekannter als unter seinem alten, ein bisschen aus der Zeit gefallenen Namen. Doch so wie wir die Thaiwiese kannten, gibt es sie nicht mehr.

Auf der Thaiwiese im Preußenpark in Wilmersdorf treffen sich ostasiatische Familien und verkaufen an geduldige Berliner und Touristen die Schmankerl der lokalen Küche. Foto: Imago/Travel-Stock-Image
Thaipark im Preußenpark in Wilmersdorf treffen sich ostasiatische Familien und verkaufen an geduldige Berliner und Touristen die Schmankerl der lokalen Küche. Foto: Imago/Travel-Stock-Image

Mitte der 1990er Jahre wurde die ovale Liegewiese des Preußenparks in Wilmersdorf zu einem beliebten Treffpunkt für Familien ostasiatischer Herkunft, die bei schönem Wetter gemeinsam picknickten. Die Park-Picknicks entwickelten sich schnell zu einer Verkaufsstelle für selbstgemachte Köstlichkeiten der heimischen Küche. Ein Gaumenschmaus, der einen nach Thailand, auf die Philippinen oder nach Laos schickte. Der Thaipark wurde weit über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Selbst namenhafte Reiseführer erwähnen neben den besten Currywurst-Buden auch den Streetfood-Markt auf ihren Seiten. 

„Thaiwiese“ im Preußenpark ärgert Anwohner*innen

Viele, viele hungrige Kunden warteten Woche für Woche vor den auf Decken sitzenden Frauen, die Mango-Sauce in Becher füllten, während die Hähnchenspieße auf dem Grill brutzelten. Ein Meer aus Decken legte sich jedes Wochenende auf der Liegewiese nieder. Und wurden die Decken zusammengelegt, so wurde auch immer ein Stück Wiese eingepackt. Viele Anwohner störte der Menschen-Auflauf, die Zerstörung der Liegewiese durch die Picknicks. Seit Jahren wird dieses Thema kontrovers diskutiert. Nicht ganz unbegründet, denn der Thaipark hat keinen organisatorischen und rechtlichen Rahmen. Der Food-Markt wird von den Behörden geduldet – die Kritik lange überhört.

Die Einweg-Geschirr füllt den Preußenpark zu. Die Betreiber der Thaiwiese wollen etwas dagegen tun und rufen dazu auf, dass Käufer ihr eigenes Geschirr mitbringen. Foto: Stefan Zeitz
Die Einweg-Geschirr müllt den Preußenpark zu. Die Betreiber der Thaiwiese wollen etwas dagegen tun und rufen dazu auf, dass Käufer ihr eigenes Geschirr mitbringen. Foto: Stefan Zeitz

Erst seit diesem Jahr hat sich der Verkauf von Streetfood im Preußenpark aufgrund der Corona-Pandemie drastisch reduziert. Die Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf hat das Bezirksamt aufgefordert, „die sogenannte Thaiwiese im Preußenpark als interkulturellen Treffpunkt und „Food-Markt“ zu erhalten und weiterzuentwickeln“, schreiben sie in ihrem Beschluss.

Ein Plan zur Entschärfung der Situation im Preußenpark 

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf arbeitet an zwei Strängen, erklärt Oliver Schruoffeneger, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt.

Auf der einen Seite wird der Plan verfolgt, die Konflikte der unterschiedlichen Park-Nutzer zu entschärfen, indem die Interessen besser vereinbart werden. Dazu haben Landschaftsarchitektur-Studierende der TU-Berlin Entwürfe eingereicht. Es wurde abgestimmt und geplant. Momentan werden Park-Nutzer und Experten zu den Planungen befragt. „Im Rahmen der Neugestaltung soll es auch eine bessere Infrastruktur für einen „Marktbetrieb“ geben“, sagt Schruoffeneger. Die Rede ist von einem Multifunktions-Gebäude, in dem künftig die Leckerbissen verkauft werden sollen.

Die Thaiwiese im Preußenpark soll umstrukturiert werden. Von Decken und Kisten soll künftig nicht mehr im Preußenpark verkauft werden. Foto: Imago/ Gerhard Leber
Die Thaiwiese im Preußenpark soll umstrukturiert werden. Von Decken und Kisten soll künftig nicht mehr im Preußenpark verkauft werden. Foto: Imago/ Gerhard Leber

Auf der anderen Seite wird ein Betriebskonzept für den „Thai-Streetfoodmarkt“ entwickelt. „Es wird ein Träger für den Betriebsablauf gesucht, der die Erfüllung der lebensmittel- und veterinärrechtlichen Vorgaben, das Konzept thailändischer Garküchen, eine geregelte Sondernutzung des Parks und die Verfolgung des Zero-Waste-Prinzips beinhaltet“, sagt Schruoffeneger. 

Um die Thaiwiese steht es in ihrer ursprünglichen Form schlecht. So wie viele sie bisher kannten, wird es sie nicht mehr geben. Eine gut riechende Ära geht zu Ende. Ein Zwischenstand der zwar viel verspricht, aber genau so viele Fragen aufwirft. Unbefriedigend – ganz anders als ein köstlicher Kokosnuss-Pudding an einem sonnigen Samstag im Preußenpark.


Welche Parks ihre ganz eigenen Geheimnisse behüten und wo es sich am besten liegen lässt haben wir übersichtlich zusammengefasst. Die Hauptstadt hat noch so einige andere Geheimnisse hinter dicken Mauern und in tiefen Grüften zu entdecken. Die besten Gastro-Tipps, Berlins Beste und Restaurant-News findet ihr täglich hier.

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